Juso-Chefin Franziska Drohsel warnt SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier, die Aufstellung des Wahlprogramms alleine zu entscheiden. Dafür sei die Partei zuständig.
sueddeutsche.de: Frau Drohsel, als Juso-Chefin haben Sie Ihren Leuten einen neuen Linkskurs verpasst. Jetzt schwenkt die Mutterpartei personell nach rechts. Wie fühlt sich das an?
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Juso-Chefin Franziska Drohsel fordert Posten für die Parteilinke. (© Foto: AP)
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Franziska Drohsel: Das Entscheidende ist erst mal, dass es eine Umstellung an der Spitze gibt. Das heißt noch lange nicht, dass damit auch eine Kursänderung verbunden ist. Wir setzen uns dafür ein, dass wir auf dem in Hamburg eingeschlagenen Weg bleiben. Wir müssen weiter über die Agenda 2010 diskutieren und die Politik der SPD wieder auf soziale Gerechtigkeit einstellen. Dieser Kurs darf nicht aufgegeben werden.
sueddeutsche.de: Geht das mit Steinmeier und Müntefering besser als mit Beck?
Drohsel: Die Situation ist jetzt, wie sie ist. Damit muss man umgehen.
sueddeutsche.de: Klingt nicht so richtig nach überschwänglicher Freude.
Drohsel: Dass Kurt Beck zurückgetreten ist und es in dem Zusammenhang ein großes Maß an Illoyalitäten gegeben hat, stimmt erst mal nicht besonders froh. Das Bedauern über seinen Rücktritt ist auf jeden Fall groß.
sueddeutsche.de: Ist denn die Bereitschaft zur Geschlossenheit jetzt so groß, dass die Parteilinken vergessen werden, welche Forderungen sie eigentlich in der Tasche haben?
Drohsel: Die Bereitschaft zur Geschlossenheit ist da. Aber Geschlossenheit kann es nur dann geben, wenn die Inhalte stimmen. Dafür ist jetzt die Debatte um das Wahlprogramm entscheidend.
sueddeutsche.de: War nicht abgemacht, dass Steinmeier als Kanzlerkandidat weitestgehende Freiheiten hat, was die Ausarbeitung eines Wahlprogramms angeht?
Drohsel: Der Kanzlerkandidat hat eine herausgehobene Stellung. Aber wir sind immer noch eine demokratische Partei. Die Schröder-Zeit, in der die Politik immer von oben nach unten ging und mittels eines Basta durchgesetzt wurde, hat in der Partei erhebliche Wunden geschlagen. Ich glaube nicht, dass es für die Partei gut wäre, daran anzuknüpfen.
sueddeutsche.de: Muss Steinmeier sich den Rückhalt der Partei noch erkämpfen für die Themen, die er setzten möchte?
Drohsel: Für die Aufstellung des Wahlprogramms muss man in einem partizipativen Prozess mit der gesamten Partei reden.
sueddeutsche.de: Sie wollen neben Andrea Nahles eine weitere linke Persönlichkeit als Vize haben. Warum? Beck war doch auch kein Linker.
Drohsel: Wenn man einen Neuanfang machen möchte, wenn man die Partei zur Geschlossenheit aufruft, dann muss sich das auch in der engeren Parteiführung niederschlagen. Bei der aktuellen Zusammensetzung kann man schon Zweifel haben, ob das repräsentativ ist. In der Parteiführung muss sich die gesamte Partei wiederfinden können.
sueddeutsche.de: Ist die Parteiführung, wie sie sich seit Sonntag darstellt, etwa nicht in der Lage, der Linkspartei Paroli zu bieten?
Drohsel: In der Auseinandersetzung mit der Linkspartei ist entscheidend, wie wir inhaltlich aufgestellt sind. Wenn es uns gelingt, die richtigen Lösungen für die gesellschaftlichen Probleme anzubieten, dann sind wir auch gerüstet für den Umgang mit der Linkspartei. Ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen.
sueddeutsche.de: Müntefering und Steinmeier gelten als Architekten und größte Verteidiger der Agenda-Reformen. In der Partei aber reicht das Spektrum von "Hartz weg" bis "Finger weg". Wie wichtig ist diese Frage für den Zusammenhalt der SPD?
Drohsel: Die Frage nach Hartz IV und Arbeitslosengeld II ist eine zentrale. Die Schere zwischen Arm und Reich ist trotz einer bald 10-jährigen Regierungsbeteiligung der SPD auseinandergegangen. Dies sollte jeden Sozialdemokraten nachdenklich machen. Die SPD muss sich selbstkritisch fragen, welche Folgen ihre Politik in der Gesellschaft gehabt hat. Dass Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe zusammengelegt wurden, war sinnvoll. Aber es gibt Veränderungsbedarf. Bei der Höhe des Regelsatzes oder auch bei den Sanktionen. Die sollten ersatzlos gestrichen werden.
sueddeutsche.de: Steinmeier würde lieber von einer Weiterentwicklung der Agenda 2010 sprechen.
Drohsel: So wie ich die Stimmung an der Parteibasis mitbekomme, nimmt die Partei große Teile der Agenda 2010 als eklatantes Problem wahr. Wenn es ein Zurück zur Agendapolitik und keinen Fokus auf soziale Gerechtigkeit geben sollte, dann ist es sehr schwierig, die ganze Partei mitzunehmen. Darauf aber ist das Führungsteam angewiesen.
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(sueddeutsche.de/cmat/ihe)
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Der überwiegende Teil der Beiträge zum Drohsel-Interview stammt wohl von Geistesverwandten Guidos und Altersgenossen Müntes.
Also INSM Lobbyisten.
Ich bin übrigens älter als Münte.
dass es dafür schlechte Bewertungen Hagelt. Dies ist auch kein Weltbild, sondern nur der idealisierte Zustand wie er im Kommunismus gepredigt wird. Es fehlen völlig die Synergieeffekte, die entstehen, wenn mehrere Kapitalisten existieren, was ja der Fall ist. Auf andere Produktionsfaktoren wird auch nicht eingegangen. Aber: Arbeitslosigkeit, zu einem gewissen Grad, wird man in der Marktwirtschaft immer hinnehmen müssen. Und wenn die Regulierung durch den Staat abnimmt, ufert sie aus. Ich denke, genau das passiert im Augenblick, zumal es unsere Regierung komplett versäumt, unsere Wirtschaft "Globalisierungsfest" zu machen. Man denk immer noch, es wäre möglich, ein Inseldasein zu führen in dem man nur Exportiert. Stichwort "Exportweltmeister". Doch die Arbeit selbst wird immermehr zum Exportgut. Ohne Anreize kann man auch von der SPD hier keine Wunder erwarten. Und welche Anreize soll es in einer Demokratie geben, in der die Regierung selbst ihre Besoldung in die Hand nimmt und selbst, entgegen dem Prinzip des Konstitutionalismus, das Grundgesetz ändern kann. Hm?
Ich lese hier viel über Arbeitslosigkeit usw... Vielleicht sollte man mal klarstellen woher genau sie eigentlich kommt.
Die Arbeit als Produktionsfaktor ist noch garnicht so alt, es gibt sie, genau wie das Kapital, erst seit beginn der Industrualisierung. Und schon früh war klar, das das System aus Kapital und Arbeit nach kurzer Zeit zusammenbricht, wenn der Staat nicht regulierend eingreift. Wieso? Ganz einfach: Das Kapital ist gegenüber der Arbeit klar im Vorteil. Wieso? Kapital lässt sich zurückhalten, umleiten, es erwirtschaftet Zinsen, es ist tauschbar in jedes beliebige Gut, usw... Weil der Kapitallist sein Kapital zurückhalten kann, kann er dafür Sorgen, dass ein Überangebot an Arbeit entsteht, also Arbeitslosigkeit. Das die Begriffe hier so willfährig gewählt sind, liegt daran, dass der Kapitalist sich gerne als jemand darstellt, der gibt, aber in Wahrheit nimmt er, und zwar Arbeit. Und dafür gibt er dem Arbeiter Kapital. Da er aber in der Lage ist, für ein Überangebot an Arbeit zu sorgen, kann er den Arbeitnehmer erpressen. Er kann ihm den Preis für die Arbeit diktieren. Und gleichzeitig auf die Arbeitslosen verweisen, und behaupten "sei froh, dass du bei mir bist, sieh´ dir die an, die haben gar nichts". Normalerweise würde so ein System bei solch einem Überangebot, wenn nur 2 Waren vorhanden sind in sich zusammenbrechen, der Preis der Arbeit würde ins Bodenlose sinken. Die Arbeiter würden verhungern, der Staat würde kollabieren. Stattdessen hält der Kapitallist dieses System aufrecht, in dem er dem Arbeiter gerade soviel gibt wie er geben muss, damit dieser nicht auf ihn losgeht. Die Arbeitslosen sind nun ein Problem. Sie wenden sich zunächst an den Kapitalisten, dieser weisst jede Schuld von sich und erklärt: "Der Staat ist schuld, er schafft mir so schlechte Vorraussetzungen." Daraufhin gehen die Arbeitnehmer zum Staat. Dem Staat ist das Problem bekannt, schliesslich beinhaltet er ja auch die Kapitalisten. Die Regierung handelt nun mit dem Kapitallisten ein Sozialprogramm aus. Der Kapitalist gibt dem Arbeitnehmer ein bisschen mehr Geld, welches ihm die Regierung sofort wieder abknöpft um es den Arbeitslosen zu geben. Wieso? Würde man den Arbeitslosen nichts geben, würden sie rebellieren. Würde der Kapitallist selbst ihnen das Geld geben, würden sich die Arbeiter fragen "Hä? Wie geht das denn? Wir müssen für Hungerlöhne malochen und die kriegens geschenkt?" Aber so glaubt jeder das Ammenmärchen vom Kapitalisten.
Ihr Beitrag von 15:27:
Bei dem von mir erwähnten Fall handelte es sich nicht um eine vermüllte Wohnung, sondern um eine unaufgeräumte Wohnung, das hat dem ARGE-Herrn für seine Interpretation gereicht. Zum Punkt Sanktionen und Kontrollen bleibe ich bei meinem Standpunkt, dass ich sie für kontraproduktiv halte. Sinn machen sie nur aufgrund der geltenden Rechtslage. In allen Parteien gibt es durchaus interessante Vorschläge eines Grundeinkommens, mal Bürgergeld, mal negative Einkommenssteuer mal Grundeinkommen genannt... Ich halte diese Vorschläge durchaus für sinnvoll. Man bedenke dabei auch, dass der gigantische Verwaltungsaufwand der ARGEn, Bedarfsprüfung etc. etc. dadurch entfallen könnte. Nebenbei würde es dadurch zu einer spürbaren Entlastung der unteren und mittleren Schichten kommen. Würde man ein Grundeinkommen in Höhe des steuerfreien Existenzminimums gewähren, würde die arbeitende Bevölkerung erst ab einer gewissen Summe positive Einkommenssteuer zahlen, diese Summe wäre sehr viel höher als zur Zeit und somit auch eine Steuersenkung für untere und mittlere Einkommen. Des weiteren würden dadurch die entwürdigenden Prozeduren auf den Ämtern entfallen. Einen weiteren Nebeneffekt hätte das Ganze, auch die Löhne würden steigen.
ich hab weiter hinten... irgendwann heute nachmittag mal zwei kommentare geschrieben zum thema interne parteienpolitik und einen zu dem cdu-spd gemauschel zwecks gg-änderung... die wurden hier auch weitgehend ignoriert. irgendwie steht man nicht auf wahrheit.
Paging