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Junge Politiker - das erste Jahr im Bundestag (4) – Radau, Rap und skurrile Reden
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Nicole Gohlke, Die Linke, Jahrgang 1975, München, Bayern
Frau Gohlke, Ihr erstes Jahr im Bundestag ist vorbei - was hat Sie zu Beginn am meisten überrascht?
Dass mein Thema - Bildungspolitik - durch die Bildungsstreiks sofort im Zentrum der Aufmerksamkeit stand.
Was hat Sie enttäuscht?
Dass man in einem gehörigen Maße fremdbestimmt ist und darum kämpfen muss, seine eigene politische Agenda nicht aus den Augen zu verlieren.
Wie war das erste Gespräch mit dem Fraktionsvorsitzenden?
Optimistisch und - ganz Gregor Gysi - amüsant und rhetorisch witzig.
Welche Aufgaben in Ihrem Alltag als Abgeordnete rauben am meisten Zeit?
Die Vielzahl an Sitzungen und das Sichten von Papieren, Vorlagen, Anträgen, ...
Wie reagieren die Bürger, wenn Sie nun in Ihrem Wahlkreis unterwegs sind?
Unterschiedlich: von Neugierde und Freude über Lob und Kritik bis hin zu nicht Erkennen. Die meisten wollen mit mir über den Bundestag, die anderen Abgeordneten und die Abläufe sprechen. Einigen geht es in erster Linie um die Projekte der Linken und sehen mich auch als Ansprechpartnerin für ihre Ideen und Visionen.
Was sind Ihre ganz persönlichen politischen Ziele?
Die Menschen zu ermutigen, selbst für ihre Rechte zu kämpfen. Studiengebühren flächendeckend abschaffen und die absurden Auswirkungen des Bildungsföderalismus in der Bundesrepublik überwinden.
Welches Ihrer Wahlversprechen konnten Sie umsetzen?
Eng mit den außerparlamentarischen Bewegungen zusammenzuarbeiten und diesen mehr Gehör zu verschaffen (in meinem Falle als hochschulpolitische Sprecherin war das vor allem der Bildungsstreik).
Der Friedensbewegung auch im Bundestag ein Gesicht zu geben - zum Beispiel als die Linksfraktion im Bundestag der auf deutschen Befehl in Kundus getöteten Afghanen gedachte.
Was können junge Politiker besser als ältere?
Ich glaube nicht, dass dies ein politisches Kriterium ist. Aber klar ist, dass gewisse generationsspezifische Probleme und Fragestellungen auch gut von der jeweiligen Altersgruppe verstanden werden. Die Zeit an der Hochschule ist mir noch ziemlich nahe.
Warum sollte Ihre Partei auf Sie setzen?
Weil ich Überzeugungstäterin bin: Kriegseinsätze lehne ich ab, Menschen gehen vor Profite.
Ist Politik Ihr Leben?
Nein, aber ein wichtiger Teil.
Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
An anderer Stelle, mit einer neuen, genauso sinnvollen Aufgabe.
Wovon träumen Sie?
Nicht immer nur Abwehrkämpfe zu führen, sondern mit einer großen Bewegung auf der Straße richtig große politische und soziale Verbesserungen durchzusetzen.
In "Das erste Jahr im Bundestag (5)" erzählen die jungen Politiker von der fehlenden Bereitschaft zur Zusammenarbeit in der Opposition und von den hohen Erwartungen, die auf ihnen lasten. Lesen Sie die Antworten von Halina Wawzyniak (Die Linke), Peter Tauber (CDU) - und dem ältesten Parlamentsneuling, Dr. Peter Röhlinger (FDP).
Bild: Bundestagsfraktion DIE LINKE30. September 2010, 10:41 2010-09-30 10:41:49