Julikrise 1914 15 Schritte zum Ersten Weltkrieg

Berlin im Sommer 1914: Ein Junge in Uniform marschiert neben einem deutschen Unteroffizier her, vermutlich sind es Vater und Sohn.

(Foto: Sueddeutsche Zeitung Photo)

Ein regionaler Konflikt zwischen Österreich-Ungarn und Serbien führt 1914 zu einem Weltkrieg, der alle Kontinente erfasst. Eine Chronologie vom Attentat in Sarajevo bis zum Kriegsbeginn sechs Wochen später.

28. Juni 1914: Der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau Sophie werden in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo von Gavrilo Princip im Auftrag der serbischen Geheimorganisation "Schwarze Hand" erschossen.

5. Juli: Alexander Graf Hoyos, Mitarbeiter im Wiener Außenministerium, reist mit einem Memorandum zur Balkanpolitik und einem Schreiben von Kaiser Franz Joseph I. nach Berlin. Der Monarch bittet den deutschen Kaiser Wilhelm II. um Unterstützung im Kriegsfall mit Serbien.

6. Juli: Wilhelm II. versichert Österreich-Ungarn offiziell mit einem "Blankoscheck" seiner unbedingten Bündnistreue.

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20. - 23. Juli: Beim Besuch des französischen Präsidenten Raymond Poincaré in Russland sichern sich beide Staaten Unterstützung im Bündnisfall zu.

23. Juli: Wien stellt ein 48-Stunden-Ultimatum an Serbien. Die gegen Österreich-Ungarn gerichteten Umtriebe sollen unter österreichischer Beteiligung bekämpft und die Schuldigen bestraft werden.

25. Juli: Serbien akzeptiert alle Forderungen, soweit sie nicht seine Souveränität einschränken. Wien hält die Antwort für unbefriedigend, bricht die diplomatischen Beziehungen ab und ordnet Teilmobilmachung an. Da Russland Hilfe zusichert, macht auch Serbien teilmobil.

Der lange Weg zum ersten Schuss

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28. Juli: Österreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg. Britische Vermittlungsversuche scheitern, auch weil sie teilweise verschleppt wurden von Teilen der deutschen Führung. Vorgeschlagen war, eine Botschafterkonferenz einzuberufen und direkte Verhandlungen zwischen Russland und Österreich-Ungarn aufzunehmen.

29. Juli: Österreich beschießt Belgrad, London versucht erneut Vermittlung.

30. Juli: Zar Nikolaus II. ordnet die Generalmobilmachung der russischen Armee an.

31. Juli: Berlin verlangt von Paris ultimativ, sich für neutral zu erklären. Der deutsche Kanzler Theobald von Bethmann Hollweg zögert, doch der deutsche Generalstabschef Helmut von Moltke fordert seinen österreichischen Kollegen Franz Conrad von Hötzendorf zur Generalmobilmachung auf, die am 31. Juli erfolgt.

1. August: Russland lässt das deutsche Ultimatum, die Mobilmachung rückgängig zu machen, verstreichen. Deutschland erklärt Russland den Krieg.

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3. August: Deutschland erklärt Frankreich den Krieg.

4. August: Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in die neutralen Länder Luxemburg und Belgien erklärt Großbritannien dem Deutschen Reich den Krieg.

6. August: Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Russland.

8. August: Großbritannien erklärt Österreich-Ungarn den Krieg.

Alle kontinentaleuropäischen Großmächte greifen zu den Waffen. Der Erste Weltkrieg hat begonnen.

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