Julia Klöckner auf dem CDU-Parteitag in Hannover Die Frau nach Merkel

Errreichte das beste Ergebnis aller Parteivizes: Die rheinland-pfälzische CDU-Chefin Julia Klöckner (hier mit dem Fraktionsgeschäftsführer der CDU im rheinland-pfälzischen Landtag, Hans-Josef Bracht)

(Foto: dapd)

Kanzlerkandidatin Klöckner? Noch ist das ein Hirngespinst. Aber mit dem beeindruckenden Wahlergebnis der rheinland-pfälzischen Landeschefin auf dem Bundesparteitag der CDU zeichnet sich erstmals eine Alternative zu Angela Merkel ab.

Eine Analyse von Thorsten Denkler, Berlin

Julia Klöckner wird noch gefeiert und geherzt, als die Wahlergebnisse für die Stellvertreter längst verkündet sind. Delegierte schütteln ihr die Hände, umarmen sie. Sie lacht und scheint selbst noch nicht ganz zu glauben, was da gerade passiert ist.

Mit 92,9 Prozent haben sie die Delegierten des CDU-Parteitages in Hannover zur Vize-Vorsitzenden der Partei gewählt. Es ist das mit Abstand beste Ergebnis aller Kandidaten. Auf Rang zwei folgt Volker Bouffier aus Hessen mit 83 Prozent. Armin Laschet, Thomas Strobl und Ursula von der Leyen bekommen zwischen 67 und 69 Prozent - für sie völlig enttäuschende Werte.

Merkels engster Machtzirkel

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Es ist ein erstaunliches Ergebnis, das Klöckner da eingefahren hat. Es ist auch mehr als ein Achtungserfolg. Klöckner hat in ihrem Heimatland Rheinland-Pfalz unmittelbar keine Wahl vor sich. Andernfalls hätte das zumindest einen Teil dieses Erfolges der Partei- und Fraktionschefin der dortigen Landes-CDU erklären können. Sie hat auch keine besonders originelle, intellektuelle oder gar mitreißende Vorstellungs-Rede gehalten.

Klöckner kommt aus dem Land der "Reben und Rüben", wie sie selbst sagt. Es ist das Land, in dem Helmut Kohl und Bernhard Vogel politisch groß geworden sind. Aber auch solche politischen Tiefflieger wie Christoph Böhr, der einen völlig zerstrittenen Landesverband hinterlassen hat. Seit 1991 hat kein Christdemokrat mehr das Land regiert. Dabei ist Rheinland-Pfalz ein klassisches CDU-Land, ländlich geprägt. Wenn die CDU hier nicht erfolgreich ist, kann das nur an der CDU liegen.

2017 könnte ihr Jahr werden

Klöckner hat ihre Partei geeint. Sie wird als unprätentiös und unkompliziert wahrgenommen. Erfrischend, bodenständig und modern. All das, was die CDU auf dem Land und in den Städten ziemlich gut gebrauchen könnte.

Parteitagsergebnisse funktionieren in etwa so wie Aktienkurse. In ihnen spiegeln sich mehr die Hoffnungen für die Zukunft als Danksagungen für die Vergangenheit. Klöckner trauen die Delegierten offenbar etwas zu. Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz zu werden, allemal. Aber vielleicht auch noch mehr.

Was passiert eigentlich, wenn Angela Merkel nach der Bundestagswahl 2013 nicht mehr Kanzlerin sein sollte? Und dann auch nicht mehr Bundesvorsitzende? Merkel ist zwar mit einem Rekordergebnis gewählt worden. Aber in einer Partei, in der nur dem Erfolg gehuldigt wird, zählt das in der Niederlage nicht viel.

Noch stellt sich die Frage nicht. Aber das wird sich früher oder später ändern. Klöckner könnte eine Antwort darauf sein. Noch fehlt ihr das nötige Bundestagsmandat. Sie tritt 2013 auch nicht an. Aber 2017, nach einer gewonnen Landtagswahl in Rheinland-Pfalz, könnte ihr Jahr werden.

Kanzlerkandidatin Klöckner. Noch ist das ein Hirngespinst. Aber eine Frau, die jetzt schon Spitzenergebnisse auf Parteitagen holt, eine Wahl beinahe gewonnen hätte und einen historisch bedeutsamen Landesverband geeint hat, sollte niemand unterschätzen.

Unterschätzt wird sie gerne. Wurden andere aber in der CDU auch. Nicht zuletzt Angela Merkel und Helmut Kohl.