Jugendliche aus Russland und Polen in Deutschland Am Ende hilft nur Fußball

Auf dem Rasen des TC Kochel fanden die Teilnehmer tatsächlich zueinander. Foto: Antonie Rietzschel

Treffen sich ein Deutscher, ein Russe und ein Pole: Das Trilaterale Jugendforum will den Kontakt zwischen jungen Menschen der drei Länder fördern. Doch die Ukraine-Krise vergiftet die Atmosphäre.

Von Antonie Rietzschel, Kochel am See

Sattgrün stehen sie da, die Berge. Ihre Gipfel verschwinden unter grauen Wolken, die aussehen wie hin getupft. Unten glitzert der See. Ein Bild für das Urlaubsalbum. Die Welt da draußen mit ihren Krisen und Kriegen ist hier in Kochel am See, eine Zugstunde von München entfernt, weit weg. Der Handyempfang ist mittelmäßig. Schnell mal Nachrichten lesen, geht hier nicht.

Plötzlich steht da Christian. Ein breitschultriger Kerl, der sagt: "Die Ukraine wird sich spalten - in Ost und West." An den Finger zählt er die Gründe auf: "Putin will eine Pufferzone zu den Nato-Staaten, der ukrainische Präsident Poroschenko hätte dann großen Einfluss im Westen und die Europäische Union könnte so das Land noch enger an sich binden." Bäm. Da ist sie wieder, die ganz große Politik.

Christian, 26, präsentiert seine Idee zur Zukunft der Ukraine. Foto: Antonie Rietzschel

Eine Gruppe von zehn Leuten sitzt im Halbkreis vor Christian und hört ihm zu. Einige sind Deutsche wie er. Andere kommen aus Russland oder Polen. Als der 26-Jährige fertig ist, beginnt eine Diskussion, in der wiederholt anklagend von "den Russen" gesprochen wird und die sogar die Moderatorin, eine Ukrainerin, die Beherrschung verlieren lässt. Die folgenden anderthalb Stunden sind beispielhaft dafür, wie schwierig der Dialog zwischen Deutschen, Polen und Russen angesichts des Ukraine-Konflikts geworden ist - selbst wenn er gefördert wird.

Annäherung durch Diskussion beim trilateralen Jugendforum

Vor einem Jahr entstand in Warschau das trilaterale Jugendforum. Zu den Organisatoren gehört das Deutsch-Russische Jugendparlament, die Warschauer Universität sowie die Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien. Jährlich wollen sie für eine Woche junge Menschen aus Polen, Deutschland und Russland zusammenbringen, die mit Experten über die Beziehungen diskutieren. Gleichzeitig sollen sie länderübergreifende Projekte erarbeiten. "Bisher gab es vor allem entsprechende Angebote für Deutsche und Russen oder Polen und Deutsche - so fühlte sich immer eine Partei ausgeschlossen", sagt Fabian Burkhardt, Koordinator des diesjährigen trilateralen Jugendforums.

Der 29-Jährige ist davon überzeugt: Wenn die Dreiecksbeziehung zwischen Polen, Russland und Deutschland funktioniert, dann gibt es auch keine Spannungen mehr in Europa. Die bessere Vernetzung soll dabei helfen. 2013 sah es auch gut aus. Vor Beginn der Protese in Kiew gab es zwischen den drei Ländern keine nennenswerten Probleme. Polen und Russland begannen sogar, sich anzunähern. "Das war ein Kinderspiel im Vergleich zu diesem Jahr", sagt Burkhardt.

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2014 findet das trilaterale Forum größtenteils in München statt. Angesichts der aktuellen Entwicklungen liegt der Schwerpunkt bei den Vorträgen und Diskussionsrunden auf den Spannungen zwischen den Ländern. Das stellt die Organisatoren vor Probleme. Obwohl Fabian Burkhardt und sein Team für die Finanzierung verstärkt bei Unternehmen nachfragten, konnten sie keinen Vertreter aus der Wirtschaft gewinnen. In einer Zeit, in der sich deutsche Investoren verstärkt aus Russland zurückziehen würden, herrsche Unsicherheit, sagt Burkhardt.