Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers sieht sich als Gewinner des parteiinternen Rentenstreits.
Eine Mindestrente, wie von Jürgen Rütters, gefordert, wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Das hat der CDU-Vorstand beschlossen: Eine Aufstockung der Rente komme nur in Frage, wenn ein Ruheständler seine Bedürftigkeit nachweisen könne. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident gibt sich dennoch erfreut.
"Unsere Gesellschaft darf nicht auseinanderfallen": Jürgen Rüttgers (© Foto: dpa)
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SZ: Herr Rüttgers, haben Sie jetzt gewonnen oder verloren?
Jürgen Rüttgers: Ich bin zufrieden mit dem Kompromiss. Klar ist jetzt, die CDU stellt sich dem wachsenden Problem der Altersarmut. Eine Gruppe unter dem Generalsekretär Ronald Pofalla wird für das Wahlprogramm zur Bundestagswahl konkrete Vorschläge machen.
SZ: Na ja, Sie forderten eine Lösung - und die CDU-Spitze hat diese vertagt.
Rüttgers: Stimmt nicht. Die CDU hat heute als Ziel beschlossen, dass wer ein Leben lang Vollzeit beschäftigt war, eine Rente oberhalb der Armutsgrenze erhält.
SZ: Das klingt wie auf dem Leipziger Parteitag 2003. Sie haben wenig erreicht.
Rüttgers: Oh doch. Darüber hinaus wird geprüft, wie zur Vermeidung von Altersarmut Kleinstverdiener und kleine Selbständige die Möglichkeit bekommen, für das Alter vorzusorgen durch neue Anreize von Leistungen zum Beispiel bei der Riesterrente.
SZ: Sie sprachen von einem drängenden Problem Hunderttausender, die CDU-Spitze sagt, es gehe gerade um 2,3 Prozent der Rentner. Also brauche es keine akute Antwort. Wer ist hier zynisch?
Rüttgers: Schon jeder siebte Vollzeitbeschäftigte arbeitet heute im Niedriglohnbereich. 23,1 Prozent der Niedriglohnempfänger haben eine abgeschlossene Berufsausbildung. Gerade in den neuen Bundesländern, bei Frauen mit unterbrochener Arbeitsbiographie sowie jungen Leuten etwa aus der Generation Praktikum wächst das Problem spürbar.
SZ: Das heißt, wer das Problem marginalisiert, begeht einen schweren Fehler?
Rüttgers: Wir müssen jetzt handeln, um künftig Altersarmut zu verhindern.
SZ: Sie wollten einen klaren Zuschuss für alle, die 35 Jahre lang mit kleinen Beträgen in die Rentenversicherung eingezahlt haben, aber nicht mehr als die Grundsicherung als Rente rausbekommen. Das wird es jetzt nicht geben. Jürgen Rüttgers - als Löwe gestartet, als Katze gelandet?
Rüttgers: Nun warten Sie mal das Ergebnis ab. Es gibt verschiedene Wege, um zu verhindern, dass Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, in Altersarmut fallen. Denken Sie daran, vor wenigen Tagen wurde noch bestritten, dass es das Problem überhaupt gibt.
SZ: Sie sprechen von verschiedenen Wegen. Welche könnten das sein?
Rüttgers: Denken sie an das Schonvermögen, also Freibeträge bei der Grundsicherung für Vorsorgeleistungen.
SZ: Sie haben erklärt, niemand solle zum Sozialamt gehen müssen, um Hilfe zu beantragen. Jetzt ist mit der Bedarfsprüfung genau das beschlossen worden. Wie erklären Sie das denen, bei denen Sie Hoffnungen geweckt haben?
Rüttgers: Niemand wollte, dass Leute mit großem Vermögen und kleiner Rente noch zusätzlich gefördert werden. Über die Abgrenzung werden wir reden.
SZ: Warum haben Sie diese Debatte überhaupt angestoßen? Weil Christian Wulff plötzlich so erfolgreich dasteht unter den Stellvertretern Angela Merkels?
Rüttgers: Nein, weil wir in Nordrhein-Westfalen aus der Diskussion über Demographieprobleme ein Projekt machen wollen, das konkrete Ergebnisse bringt und unser Land demographiefest macht.
SZ: Wollten Sie schlicht das Thema für die CDU besetzen, damit Sie zuhause wie ein Sozialdemokrat aussehen?
Rüttgers: Nein. Ich will, dass unser Land mehr Wachstum und mehr Sicherheit hat, obwohl unsere Gesellschaft kleiner, älter, bunter wird. Unsere Gesellschaft darf nicht auseinanderfallen, damit wir weiter unseren Wohlstand auf den Weltmärkten verdienen können.
SZ: Macht man so Politik? Erst laut rufen, dann leise beigeben - und das Thema als Thema der CDU deklarieren?
Rüttgers: Ganz unerfolgreich war es ja nicht. Die Umfragen bestätigen mich - und die CDU profitiert davon.
SZ: Was wird mit dem Leitantrag für den Parteitag im Juni? Da steht Ihr alter Wunsch sehr konkret drin...
Rüttgers: Das werden die Antragsberatungen zeigen.
SZ: Was machen Sie, wenn die CDU-Spitze ihr Ziel von Leipzig zwar wiederholt, aber auf absehbare Zeit nicht zur eigenen Regierungspolitik macht?
Rüttgers: Das wird uns nicht passieren. Das Problem müssen wir bald in Angriff nehmen. Und ich werde darauf achten, dass das auch geschieht.
(SZ vom 06.05.2008/sonn)
Die Lösung für das Problem einer oft zu geringen Rente im Alter kann logischerweise nur bei einer Anhebung der Löhne und damit einer volkswirtschaftlich wünschenswerten Stärkung der Binnenkonjunktur liegen. Geringe Löhne bei prekären Beschäftigungsverhältnissen führen zu Minirenten, mit denen wir in Zukunft massenweise zu rechnen haben. Bei diesen Verhältnissen können die Geringverdienenden leider gar nicht für die Zukunft, also für ihre Rente, etwas ansparen. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auf die Inflationsrate von mittlerweile 3,1 Prozent. Immer mehr Menschen werden also auf die Grundsicherung im Alter angewiesen sein. Das ist schon jetzt vorhersagbar. Auch Herrn Rüttgers Vorstoß wird daran nicht viel ändern. Ein konsequenter Lösungsansatz kann folglich nur darin liegen, vernünftige Mindestlöhne gesetzlich verbindlich zu beschließen. Das haben die allermeisten europäischen Länder bereits getan. Eine Arbeit, von der man trotz vollen Einsatzes gar nicht leben kann, ist ebenso fragwürdig wie eine nicht ausreichende Minirente.
Ferner ist zu überlegen, ob wir unsere Sozialsysteme nicht auf breitere Schultern stellen sollten, um die Einnahmenseite dauerhaft zu verbessern. Derzeit wird allzu einseitig die lohnabhängige Beschäftigung zur Finanzierung herangezogen.
Ob eine Mindestrente mit Bedarfsprüfung die Betroffenen wirklich wesentlich besser stellt als das derzeitige System der Grundsicherung wird sich erst noch zeigen müssen, wenn der Vorschlag überhaupt umgesetzt wird. Einen Ersatz für eine grundlegende Reform des Rentensystems kann das Modell aber nicht bieten. Am besten geeignet wäre dafür nach meiner Einschätzung das schweizerische Dreisäulenmodell.
Dafür muss in der umlagefinanzierten Säule die Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung aufgehoben werden, damit auch hohe Einkommen zur Finanzierung der Rente herangezogen werden. Entscheidend für die Finanzierbarkeit ist dabei, dass es neben der Mindestrente auch eine Maximalrente gibt, die auch bei sehr hohen Einzahlungen nicht überschritten werden kann. Zusätzlich müssen auch Beamte und Selbständige als Beitragszahler herangezogen werden. Das lohnt sich wegen der stetigen Erwerbsbiographien auch dann noch, wenn im Gegenzug die Beamtenbesoldung im Gegenzug angepasst werden muss, da bei deren Festsetzung das günstige Verhältnis von Brutto und Netto berücksichtigt wurde.
Die zweite Säule, die in der Schweiz als betriebliche Vorsorge ausgestaltet ist, könnte an Stelle von Einzahlungen in betriebliche Fonds in der Bundesrepublik über den von der SPD vorgeschlagenen Deutschlandfonds finanziert werden, um die Risiken für den Einzelnen zu begrenzen.
Und für die dritte Säule, die öffentlich geförderte Privatvorsorge, steht mit der Riesterrente bereits ein Modell zur Verfügung. Mit der Mindestrente aus der ersten Säule würde sich auch das Problem mildern, dass durch Anrechnung der Riesterrente auf die Grundsicherung die Privatvorsorge für viele nicht lohnt.
Man mag einwenden, dass jede Rente nur aus der laufenden Wertschöpfung finanziert werden kann und dass deshalb die Kapitaldeckung keine wirklichen Vorteile gegenüber der Beitragsfinanzierung biete. Aber hohe Sozialabgaben verteuern im jetzigen System den Faktor Arbeit und setzen Anreize zur Schwarzarbeit. Und der Versuch Kapitalerträge zur Finanzierung der Renten heranzuziehen kann marktkonform durch Kapitaldeckung leichter erreicht werden als durch höhere Besteuerung der Kapitalerträge, vor der ins Ausland ausgewichen werden kann.
die Rentner, die hier vom Thema betroffen sind, würden den Anspruch erheben, genau den Betrag, den sich die Damen und Herren aus dem Bundestag mal so nebenbei als Schluck aus der Pulle genehmigen wollen, auf ihre Rente draufzulegen. Nicht mehr, nicht weniger.
Ich höre im Geist schon das Geheule vom nimmersatten Rentner, der den Hals nicht vollkriegt.
Und bei unseren Abgeordneten nennt man sowas eine "überfällige Anpassung an die Lohnentwicklung im öffentlichen Dienst".
Nur: Die Diätenerhöhung wird realisiert. Rüttgers allerdings, darf genauso wie Huber, dem Volk sozialen Brei ums Maul schmieren, das ihn ja auch begierig aufleckt und sich nach den Wahlen wundert, daß der Topf plötzlich leer ist.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Jetzt wird der heulende und zänkige Huber zu Mama Merkel rennen und wie ein nörgeliges Kleinkind auf Mama Merkels Schoß losheulen:
"Winsel.Jammer - Mama,Mama der Bruder Rüttgers hat mir die Millarden weggenommen - Winsel,Jammer" - Mama ich hab die Kohle doch schon für mein Spielzimmer eingeplant" - Winsel,Jammer" - Jetzt haben mich die anderen nicht mehr lieb - Winsel,Jammer" ...
So können wir uns das Spielchen in Berlin jetzt vorstellen.
...Pferde durchgegangen . So etwas kann Pfarrer Rüttgers nicht passieren . Er bearbeitet die Köpfe seiner Schäfchen mit weißer Sozialsalbe :... ständig schön dünn auftragen , leicht nachmassieren , bis das Ganze glänzt , und natürlich an die Tiefenwirkung glauben !!
Das Volk , der bekannte Populus , ist ja sooo gläubig . Radikale Lösungen , sprich : solche , die Problemen bis auf den Grund nachgehen , sind dem Populus eher unangenehm , die machen dem Michel Mütze Gänsehaut .
A propos Altersarmut , und eh ich's ganz vergesse - : wer erinnert sich noch an die Zeiten , in denen die EWG oder EG , wie die EU damals hieß , vielviel Geld aufwenden mußte für die Lagerung der Getreide- , Zucker-, Fleisch-, Butterberge und Milchseeen , die dann nach und nach hochsubventioniert in aller Welt abgesetzt wurden ? (Der zeitweise notleidenden Sovietunion wurde allein aus DE mit Tausenden Lastwagenladungen voller Lebensmittelgeschenke geholfen . Hunderttausende Tonnen Butter seitens der EG dorthin geliefert , fast geschenkt ) .
Und jetzt soll es ja angeblich hunderttausende Mütter geben , die ihre Kinder morgens nur halbsatt zur Schule schicken .
Muß wohl daran liegen , dass auf den Feldern kaum noch was wächst ....
Paging