Worauf warten die Regierungschefs der Eurozone eigentlich? Will man den Bevölkerungen keinen reinen Wein einschenken, weil man um die eigene Mehrheitsfähigkeit und somit die Wiederwahl fürchtet? Die Finanzkrise ist eine politische Krise, weil die europäischen Staats- und Regierungschefs nicht in der Lage sind, sich für die notwendigen Maßnahmen zu entscheiden. Stattdessen verliert man Zeit mit Nebensächlichkeiten, die vor allem innenpolitische Gründe haben.
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Der Grünen-Politiker Joschka Fischer, 63, war von 1998 bis 2005 Bundesaußenminister. (© dpa)
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So richtig es grundsätzlich ist, eine Beteiligung der Banken an der Finanzierung der Krise zu fordern, so wenig Sinn hat es, darauf zu bestehen, solange eine solche Beteiligung getreu der Devise "too big to fail" zu einer erneuten Krise des Finanzsystems führen kann. Zu Beginn des Jahres 2009 hätte dazu durch eine Neuaufstellung des gesamten Systems eine große Chance bestanden, aber diese ließ man kaum genutzt verstreichen. Die europäische Finanzkrise wird sich weiter voranfressen und die EU destabilisieren, wenn die existenzbedrohende politische Krise der EU nicht beantwortet wird. Im Zentrum der politischen Krise steht die Gewissheit, dass der Euro und damit die EU als Ganzes ohne politische Union nicht überleben werden.
Entweder will man den Euro erhalten und muss sich dann schleunigst auf den Weg in die politische Union machen, oder man wird den Euro und die europäische Integration nolens volens rückabwickeln. Europa würde dann nahezu alles verlieren, was es an Integrationsfortschritten über ein halbes Jahrhundert hinweg erreicht hat, und sich in ein Europa der Renationalisierung zurückentwickeln. Dies wäre angesichts der entstehenden neuen Weltordnung eine Tragödie.
Der scheidende Präsident der EZB, Jean-Claude Trichet, hat eine Antwort auf diese Existenzkrise der EU und des Euro versucht, indem er die Schaffung eines europäischen Finanzministers vorgeschlagen hat. Die Reaktion der Staats- und Regierungschefs darauf war umwerfend deprimierend und zeigte, dass im Europäischen Rat offensichtlich kaum jemand bereit ist, sich der Tiefe der Krise der EU wirklich zu stellen.
Wir werden mehr und nicht weniger Europa brauchen, mehr und nicht weniger Integration, Stabilitäts- und Transferunion müssen zusammengehören und, ja, die reichen Volkswirtschaften - vorneweg Deutschland - werden den Weg aus der Krise bezahlen müssen. Deutschland und Frankreich, die beiden entscheidenden Akteure in dieser Krise, müssen zu einer gemeinsamen Strategie kommen. Allerdings gibt es dabei ein sehr großes Problem. Die weitergehende politische Integration ist mit dem Verfassungsreferendum an Frankreich gescheitert, die weitergehende wirtschaftliche Integration droht an Deutschland zu scheitern. Deswegen bedarf es jetzt eines offenen, ja freimütigen Dialogs zwischen den beiden Partnern über eine umfassende Neuaufstellung der Währungsunion.
Wir Europäer sollten trotz all der Krisen und Handlungsunfähigkeit aber nicht vergessen, wie wichtig der Bestand und die Zukunft der EU für uns alle ist. Das europäische Wappentier ist der Stier und nicht ein kopfloses Huhn, wie es gegenwärtig den Anschein haben könnte. Vergessen wir das nicht!
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(SZ vom 21.06.2011/mikö)
Russland unter Putin
sind Infrastruktur, Bildung und produzierendes Gewerbe. Soll man doch die Währung ins Bodenlose abstürzen lassen, dann sind die Schulden (und vielleicht auch der virtuelle Sektor) weg.
Doch sollte man auch sagen, dass Fehler bei der EU-Gründung gemacht wurden. Es wurde ein Steuerwettbewerb zwischen den EU-Staaten zugelassen. Marktradikale Ideologen haben dann die Steuern vor allem der Grossverdiener nach unten gesetzt, um Kapital anzulocken - Irland ist sogar noch ein besseres Beispiel. Dadurch hatten die Staaten zu wenig Einnahmen und mussten Schulden bei den Leuten machen, den sie zuvor Steuergeschenke gemacht haben, um letztendlich an deren Zinsen zu ersticken. Ausserdem wurden Löhne zugelassen, die im unteren Bereich gar keine Steuereinnahmen mehr generieren (ausser Mehrwertsteuer). Und der Ottonormalbürger soll die Zeche nun zahlen, der griechische wie der deutsche.
Da liegt das grundlegende Problem und nicht wie Fischer denkt im Zusammenbruch des Weltfinanzsystems. Dieses kann man ruhig abstürzen lassen, es hat eh die geringsten Probleme sich zu regenerieren.
Mit all dem Geschrei von Fischer bis Forumsnutzer XY kommen wir doch nicht weiter.
Ernsthaft: Es gibt doch keine beste Lösung ausser der, welche die Mehrheit der Geber und Nehmer mitträgt. Einfach nur Demokratie.
Wenn also das griechische Volk mehrheitlich wirklich bereit ist, seine Selbstverantwortung zu tragen und seinen höchsteigenen Staat wirklich zu erneuern, Vetternwirtschaft, etc. ganz aussen vor zu lassen und hart zu bestrafen, so bin ich gerne bereit, dafür Steuern zu bezahlen. Wie das Volk seinen Staat will, ist mir erst einmal egal, aber es muss ein "Partner Griechenland" werden und nicht das abhängige Baby an Mutters Brust. Doch der Entscheid liegt beim Volk, nur so kann von jedem einzelnen Bürger Selbstverantwortung verlangt werden.
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'Wiederaufbaustrategie für die Realwirtschaft', das ist eine der üblichen Worthülsen aus dem ewigen Mantra Griechenland-Hilfe-um-jeden-Preis-Mekka.
Kein seriöser Ökonom geht davon aus, daß diese notwendigen strukturellen Eingriffe in GR überhaupt akezptiert werden und eben nicht wieder die üblichen nationalistischen Abwehrreflexe auslösen, vielleicht teilweise sogar verständlich. Da kurisert dann die Vorstellung eines EU Kommissars, der das Land modernisieren soll, wie einst römische Statthalter korrupte Provinzen, eine absurde völlig unpolitische Vorstellung.
Und es kann auch nicht darum gehen, den Griechen ihre Mentalität vorzuhalten, wenn sie damit so leben wollen. Nur im EURO Raum haben sie mit diesem Wirtschaftsverständnis nichts zu suchen, weil das Land in diesem Kontext nie eigenverantwortlich entwicklungsfähig ist.
Die Weimarer Republik war eine Republik. Was ist die EU?
60 Jahre Frieden hatten wir, weil wenige (!) Nachbarn friedlich zusammengearbeitet haben. Das konnten wir als EG sehr gut. Um mit einem Nachbarn befreundet zu sein, muß ich ihn ja nicht gleich heiraten!
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