Fischer: Ist Ihnen übrigens etwas aufgefallen? Wir haben in diesem Gespräch weder über Merkel, noch über Westerwelle gesprochen. Und auch nicht über Gabriel.

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SZ: Stimmt. Und was sagt uns das?

Fischer: Ist doch ganz klar: Bei denen muss es sich um ganz große Redner handeln.

SZ: Ist es authentisch, was Westerwelle als Redner spricht? Meint der wirklich immer, was er so sagt?

Fischer: Seine Rhetorik hat bei mir nie verfangen. Ich schalte bei ihm eher ab als ein. Insofern kann ich das einfach nicht beurteilen.

SZ: Lafontaine besaß das Talent, durch eine gleichsam musikalische Komposition seiner Reden die Applausbrandung punktgenau zu starten.

Fischer: Sie müssen unterscheiden zwischen Parteitagsreden und parlamentarischen Reden. Bei Parteitagsreden gilt: Je schlichter die Rede, desto lauter der Beifall. Das Parlament hingegen spiegelt das politische Kräfteverhältnis einigermaßen wieder. Da müssen Sie auch den politischen Gegner ansprechen, der bekanntlich nicht nur still rumsitzt. Gegen eine große CDU/CSU-Fraktion anzureden und die aus der Fassung zu bringen, das ist schon was anderes, als einen Parteitag in Wallung zu versetzen.

SZ: Das Dritte ist das Gemauschel. Hintenrum ausgeplaudert. Vornerum dementiert und kommentiert.

Fischer: Es ist ja offensichtlich, dass die Regierungsparteien sich gegenwärtig so innig lieben wie Hund, Katze und Goldfisch. Fragt sich nur, wie sie noch drei Jahre so durchhalten können. Aber bitte. Im Parlament jedenfalls, da muss es zur Sache gehen! In Deutschland meint man ja immer, im Parlament müsse man sich vor allem gut benehmen. Pfeifendeckel! Da muss es krachen! Rhetorisch selbstverständlich nur.

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  1. "Im Parlament muss es krachen!"
  2. "Heute ist alles viel wohlerzogener"
  3. Sie lesen jetzt "Die Regierungsparteien lieben sich wie Hund, Katze und Goldfisch"
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(SZ vom 10.06.2010)