John McCain und die Finanzkrise Wahlkampf, nur anders

Präsidentschaftskandidat John McCain will im US-Kongress einen Kompromiss zur Rettung des Finanzsystems schmieden - dreister hätte er die Krise nicht ausschlachten können.

Ein Kommentar von Moritz Koch, New York

Krisen erfordern Entschlossenheit, Wahlkämpfe auch.

Will Präsident George W. Bush nachfolgen: John McCain

(Foto: Foto: Reuters)

Der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain überraschte Amerika gestern mit seiner Ankündigung, nach Washington zu reisen, um im Kongress einen Kompromiss zur Rettung des Finanzsystems zu schmieden.

Er sagt, er wolle dafür den Wahlkampf unterbrechen - dabei setzt er ihn fort, nur mit anderen Mittel. McCains Manöver soll Führungsstärke und Überparteilichkeit beweisen.

Der Republikaner will präsidentiell wirken - und seinen Kontrahenten Barack Obama als Spalter bloßstellen. Die Botschaft: In Zeiten der Krise rückt Amerika zusammen, bis auf Obama.

Dreister hätte McCain die Krise für den Wahlkampf nicht ausschlachten können. Obama hatte McCain am Mittwochmorgen eine gemeinsame Erklärung zur Finanzkrise vorgeschlagen. Stunden später meldete sich McCain bei Obama und stimmte zu.

Die Antwort nicht abgewartet

Er bat Obama außerdem, nach Washington zu kommen und den Wahlkampf zu unterbrechen. Obama sagte, er wolle darüber nachdenken. Statt eine Antwort abzuwarten, stürmte McCain in New York vor die Kameras und verkündete seinen Coup.

Außerdem dringt McCain darauf, die für Freitag geplante Fernsehdebatte mit Obama zu verschieben. Als neuen Termin schlägt er den 2. Oktober vor. Dann würde wohl das geplante Stellvertreter-Duell zwischen Joe Biden und Sarah Palin ausfallen.

Den Republikanern käme das gelegen: Sie versuchen ohnehin seit Wochen, Palin von kritischen Fragen abzuschirmen. Wie nützlich eine Krise doch für den Wahlkampf ist.