Von Johannes Kuhn

Mit seinen Siegen am Super Tuesday ist John McCain die Präsidentschaftskandidatur kaum noch zu nehmen. Doch die Republikaner hat er damit noch lange nicht geeint - in konservativen Kreisen wächst der Unmut.

Seit dem Abend des 5. Februar 2008 ist die Wandlung des Außenseiters zum Spitzenreiter endgültig vollzogen. "Ich glaube, wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass wir der Favorit für die Nominierung der Republikanischen Partei sind", verkündete John McCain vor seinen Anhängern, "mich persönlich stört das nicht im Geringsten."

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Favorit bei den Republikanern: John McCain mit seiner Ehefrau Cindy (© Foto: AFP)

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Kaum ein Beobachter zweifelt nach dem Super Tuesday noch, dass der Senator aus Arizona der nächste Präsidentschaftskandidat der Republikaner sein wird. Doch obwohl McCain die Wählerstimmen mit Leichtigkeit einzufangen scheint, hat er das konservative Partei-Establishment noch lange nicht auf seiner Seite. "Er ist nicht konservativ", erklärte James Dobson, einer der einflussreichsten Evangelikalen des Landes noch am Montag, "tatsächlich hat er sich stets Mühe gegeben, den Konservativen alles zu vermasseln."

Weitverbreiteter Unmut

Auch wenn sich die republikanischen Politiker noch zu keiner öffentlichen Kritik hinreißen lassen: Dass sich Dobson, aber auch einflussreiche konservative Meinungsmacher wie der Radiomoderator Rush Limbaugh oder die Autorin Anne Coulter offen gegen McCain aussprechen und ihn sogar mit Erzfeindin Hillary Clinton vergleichen, zeugt von dem Unmut, der in Teilen der Partei zu spüren ist.

In der Tat steht den Republikanern ein Kandidat bevor, der nicht mehr alle drei Hauptströmungen der Partei vereinigt und damit, wie konservative Stimmen poltern, das Erbe der Reagan'schen Revolution zerstören könnte. Der liberale Wirtschaftsflügel nimmt McCain immer noch übel, im Jahr 2001 als einer von zwei republikanischen Senatoren gegen die Bush'schen Steuererleichterungen für Reiche gestimmt und einen Versuch zur Reform der Parteienfinanzierung gestartet zu haben.

Das sozial-konservative Lager hingegen zeigt sich besorgt, weil McCain sich während seiner Zeit im Senat für Stammzellenforschung aussprach und Abtreibungen nicht komplett verbieten möchte. Einzig im Feld der nationalen Sicherheit steht der ehemalige Vietnamveteran McCain im Einklang mit den Konservativen - auch wenn seine Ablehnung von umstrittenen Verhörmethoden und seine Versuche einer Reform des Zuwanderungsrechts mancherorts für Stirnrunzeln sorgt.

Bislang versuchte McCain, das Dilemma auf seine Art zu lösen: Die Steuererleichterungen habe er deshalb abgelehnt, weil sie auf Kosten der Mittelschicht gingen; gegen illegale Einwanderung versprach er einen besseren Schutz der Grenzen. Dennoch, so zeigen aktuelle Umfragen vom Super Tuesday, ist seine Botschaft im konservativen Lager bislang kaum angekommen. Nur 49 Prozent der McCain-Wähler bezeichneten sich als konservativ, bei Mitt Romney und Mike Huckabee lag die Quote bei jeweils fast 80 Prozent.

Um die Partei hinter sich zu vereinen, könnte McCain deshalb gezwungen sein, nach rechts zu schwenken. Bereits morgen böte sich hierfür die vielleicht entscheidende Gelegenheit, wenn er vor der Conservative Political Action Conference (CPAC) in Washington spricht, einer Versammlung von 6000 erzkonservativen Republikanern, auf der auch Mitt Romney auftreten wird. Im vergangenen Jahr war McCain noch der einzige republikanische Kandidat, der dort nicht erschien.

Wer kandidiert als Vizepräsident?

Diese Menschen seien die "Bodentruppen, die unsere konservative Basis ausmachen", warnte David Keene, Präsident der American Conservative Union, den Kandidaten im Wall Street Journal.

Keene ist sich sicher, dass McCain seine Glaubwürdigkeit bei diesen Leuten ziemlich verspielt habe.

Doch ein Rechtsruck würde Risiken bergen: Sollte er die Mitte preisgeben, könnte McCain im eigentlichen Präsidentschaftswahlkampf seiner Wählerbasis verlustig gehen - nicht zuletzt sind die moderaten Wähler für seine Erfolge in Kalifornien und New York verantwortlich. Eine Alternative könnte ein Vizepräsident sein, der die konservative Basis anspricht.

Mike Huckabee, der am Dienstag mit seinem frommen Populismus in den Südstaaten punkten konnte, wäre hier eine Option. "Er wäre ein toller Vizepräsident" erklärte bereits Mel Martinez, Senator aus Florida, dem Fernsehsender MSNBC.

Der ehemalige Bush-Berater und Parteistratege Karl Rove ist sich bei Huckabee hingegen nicht so sicher. Er sprach im Fernsehsender Fox von einer Konstellation des "double trouble", des doppelten Ärgers also. Dies dürfte vor allem der Tatsache geschuldet sein, dass das Parteiestablishment die Amtszeit des ehemaligen Gouverneurs von Arkansas äußerst kritisch bewertet, da dieser Steuern erhöhte und für einen stärkeren Eingriff des Staates in die Finanzmärkte ist.

Als ein weiterer Kandidat für die Vizepräsidentschaft gilt Floridas Gouverneur Charlie Crist. Der spricht sich nicht nur strikt gegen Abtreibung und Homo-Ehe aus, sondern ließ in seinem Staat auch eiskalt den New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani fallen, um McCain in den letzten Wochen des Wahlkampfes zu unterstützen.

Da die Republikaner Geschlossenheit dem offenen Konflikt vorziehen, dürfte eine konservativ-moderate Kombination zumindest für die Zeit des Wahlkampfes für Ruhe sorgen - sollte McCain jedoch verlieren, drohen der Partei ähnliche Grabenkämpfe wie den Demokraten in den Jahren der Reagan-Regierung. Eine Studie des unabhängigen Think Tanks PEW Research Center zeigte bereits im Jahre 2005, dass viele Republikaner beispielsweise einer größeren Rolle des Staates nicht abgeneigt sind.

Vorerst fühlen sich zumindest die Kritiker bestätigt, die in der "Basis zuerst"-Taktik keine Option mehr für die Post-Bush-Ära sehen. Mit dieser hatte Karl Rove im Jahr 2000 George W. Bush vor allem auf die Stimmen des konservativ-rechten Randes zielen lassen, was dem späteren Präsidenten die Nominierung sicherte.

Den beiden verbliebenen Kontrahenten McCains hat die Fokussierung auf die konservative Basis bislang wenig Glück gebracht: Mike Huckabee fand außerhalb des Südens, mit der Ausnahme von Iowa, kaum Wähler. Mitt Romneys Revision seiner einst liberalen Ansichten zu Abtreibung und Homo-Ehe kostete ihn in den Augen vieler Beobachter seine Authentizität. "Wie ironisch" schrieb ein Kommentator der Zeitschrift Foreign Policy, "in diesem Wahljahr hätte der alte Romney McCain wahrscheinlich geschlagen."

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(sueddeutsche.de/mako)