Nun will Chuck den toten Esel, um ihn zu verlosen. Verlosen? Ich sag' den Leuten einfach nicht, sagt Chuck, dass er tot ist. Einen Monat später trifft der Farmer Chuck wieder. Was aus dem Esel geworden ist? Ich hab' ihn verlost, 500 Lose zu zwei Dollar verkauft und 998 Dollar Gewinn gemacht.

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Hat sich keiner beschwert? Nur der Kerl, der den Esel gewonnen hat. Dem ich habe ich seine zwei Dollar zurückgegeben... Die Erzählung endet mit der Anmerkung: "Heute arbeitet Chuck für Goldman Sachs." Die Geschichte erklärt, wie Leerverkäufe funktionieren. Sie erklärt nicht, wie so ein Eselsmodell zum Weltfinanzprinzip werden konnte und was dagegen zu tun ist.

Der Sozialethiker Oswald von Nell-Breuning predigte stets von der Börsenmoral und setzte in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts darauf, den Kapitalismus "umzubiegen". Heute muss das Umbiegen beim Finanzmarktkapitalismus ansetzen. Die Biegeinstrumente liegen schon auf dem Tisch, die Milliardenpaket-Schnürer haben sie noch nicht angefasst.

Gotteslästerliche Ungerechtigkeit

Da liegt der Vorschlag, die "Tobin-Steuer" auf Transaktionen mit Devisen, Wertpapieren und Derivaten zu erheben. Da liegt der Vorschlag, dass Finanzpapiere künftig zugelassen werden müssen, wie Medikamente auch. So sähen die neuen Instrumente der Austreibung und Läuterung aus.

Der Tempel von Jerusalem ist nur ein Symbol. Es gibt viele andere "Tempel", in und an denen Menschen nicht leiden sollen: den Staat, die Kirchen, die Wirtschaft, das Gemeinwesen. Verträglich geht es dort dann zu, wenn nicht nur dem Kaiser gegeben wird, was des Kaisers, und Gott, was Gottes ist - sondern auch dem Menschen, was des Menschen ist.

Von Jesaja bis Maleachi haben die Propheten Wirtschaftskriminalität und Korruption angeprangert, Gott als den Gott der Armen und der kleinen Leute verkündet und die Verlogenheit eines Kults angeprangert, der Gott benutzt, aber nicht ehrt. "Ich hasse eure Feste, ich kann eure Feiern nicht riechen, eure fetten Heilsopfer will ich nicht sehen, euer Harfenspiel nicht hören."

Feiern angesichts schreiender Ungerechtigkeit empfindet der Prophet Amos als gotteslästerlich. Vor dem Feiern kommt anderes: "Das Recht ströme wie Wasser, die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach". Das ist eine zornige, strenge und tröstliche Weihnachtsbotschaft. Darin steckt das innere Feuer für eine bessere Lebensordnung.

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(SZ vom 24.12.2008/liv/mati)