Die Tempelreinigung richtete sich vorderhand gegen ein paar kleine Händler, in Wahrheit ging es um eine demonstrative Attacke gegen die Geldfabrik, zu der sich der Tempel entwickelt hatte, gegen die Abkehr vom Eigentlichen.
Ein Ausschnitt aus dem Gemälde von El Greco (© Foto: oH)
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Sie war nicht die Aktion eines Randalierers, sondern eine prophetische Zeichenhandlung gegen ein korruptes System: Die kleinen Leute mussten damals ihre römischen Münzen umwechseln in eine Tempelwährung; den Kurs dafür setzten die fest, die davon profitierten. So verdienten sich die Großen des Tempelsystems, wie man so sagt, dumm und dämlich.
Die Methoden der Abzockerei haben sich verfeinert
Zweitausend Jahre später heißen die Hohepriester anders, und die Methoden ihrer Abzockerei haben sich verfeinert - aber auch die neuen Hohepriester haben sich dumm und dämlich verdient. Dämlich? Als ihr System platzte, ist es ihnen immerhin geglückt, die potentesten Regierungen der Welt zu einem Hilfe-Wettlauf zu bewegen.
Haben sich die Staaten vor den Karren rein partikularer Interessen spannen lassen? Jedenfalls haben Regierungschefs und Präsidenten, die bis dahin für Schulen, Sozialhilfe und Universitäten kaum Geld hatten, Milliardenpakete zu Hypo Real Estate, Bear Stearns, den Landesbanken und anderen Finanzinstituten getragen.
Das erinnert an die Heiligen Drei Könige, die dem Kind in der Krippe Gold, Weihrauch und Myrrhe darbrachten. Die Milliardensummen werden aber nicht einem Kind, nicht den Armen der Welt, sondern einem fressenden Finanzmarkt dargebracht.
Das ist eine neue Epiphanie, die Selbstoffenbarung eines Systems, das der Konversion bedürftig ist. Es geht aber dabei weniger um die Änderung einzelner Spielzüge, sondern um die Änderung der Spielregeln. Das Problem ist weniger die Gier der Wertpapierhändler und Großmanager; das Regelsystem als solches ist korrumpiert. Also gilt es, dieses System menschenverträglich zu machen.
In der Kulturzeitschrift Die Gazette findet sich ein Stücklein, welches das Gewese des Finanzmarkts pfiffig erklärt. Es geht so: Chuck kauft für 100 Dollar einen Esel. Das Tier stirbt vor der Lieferung. Chuck will sein Geld zurück, der Farmer hat es aber angeblich schon ausgegeben.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, was ein toter Esel mit der Investmentbank Goldman Sachs zu tun hat.
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ICE-Strecke
da ahnt man welche Substanz in der so oft verschmähten Bibel steckt. Fast jeder hat sie im Bücherregal stehen, aber fast keiner liest sie. Man begnügt sich leider schon mit dem verniedlichten, kindlichen und oberflächlichen Geschwafel des Klerus, das leider den Zugang zu tieferen Ebenen versperrt..
Das Beispiel Krippe/Tempel war hervorragend dargestellt. Allerdings würde ich noch was klarstellen: Jesus hatte sich nicht erzürnt wegen den "fiesen Gewerbetreibenden und Geschäftemachern" an sich. Die gabs zu jeder Zeit. Das war nicht seine Baustelle. Der Punkt dabei war, dass diese Leute den Tempel als Forum für ihre Geschäfte misbraucht und ausgenutzt haben. Das ist heute nicht anders. Wieviele Milliarden werden heute am "Weihnachtsfest" aufgehängt? Was hat diese Konsumorgie mit Jesus zu tun?? Da wird mal wieder der Tempel für scheinheilige Geschäfte ausgenutzt. Da darf man sich nicht wundern, wenn der Zorn Gottes mal wieder ausbrechen sollte. Es gibt aber noch Hoffnung, solange einflussreiche Menschen wie Sie, Herr Prantl, noch in der Bibel studieren.
Schön!
Herr Prantl, ein Kompliment. Es ist wichtig, auch mal die Einstellungen der Protagonisten, der sogenannten Eliten ans Licht zu bringen. Zwar sind Fehler im System, doch ist es auch notwendig, wieder individualethische Maßstäbe zu betonen. Als christlicher Sozialdemokrat geben Sie ein gutes Bild ab - a la Reinhold Niebuhr...