Jerusalem Provokation Tempelberg

Jerusalem, Tempelberg: Israelische Polizisten halten eine Palästinenserin fest

(Foto: Ahmad Gharabli/AFP)

Bestrebungen ultranationalistischer Juden, auf dem Tempelberg zu beten, führen zu gewalttätigen Zusammenstößen. Israels Polizei schlägt sich zunehmend auf die Seite der Rechten.

Von Ronen Steinke

Was auf dem Tempelberg in Jerusalem passiert, das bleibt nicht auf dem Tempelberg, sondern es hallt in der ganzen Region in hundertfacher Verstärkung wider. Diesmal: Juden wollten dort beten. Israels Polizei bahnte ihnen mit harter Hand einen Weg.

Ausgerechnet in diesem Epizentrum der Weltreligionen sorgt die Theologie auf wundersame Weise dafür, dass man sich eigentlich friedlich aus dem Weg gehen könnte. Muslime kommen zum Beten auf den Berg, weil er für sie heilig ist; für Juden ist er zwar genauso heilig, aber gerade deshalb sollen sie das Bergplateau nicht betreten.

Es gibt eine Direktive des orthodoxen Oberrabbinats in Israel, die genau das besagt, und es gibt auch staatliche israelische Gesetze, die Juden zumindest nahelegen, den Ort zu respektieren, indem sie Distanz halten. Der entscheidende Grund, wieso manche dann trotzdem kommen, ist weltlich: Provokation. Der Tempelberg verkörpert den Anspruch der Palästinenser auf einen eigenen Staat mit Jerusalem als Hauptstadt - und deshalb, so meinen Israels Rechte, darf man nicht nur auf den Berg gehen, man muss es sogar, um den Arabern zu zeigen, wer hier Hausherr ist.

Es ist selten genug, dass jüdische Theologen und israelische Linke sich einig darin sind, den Kopf zu schütteln. Und es ist bedenklich, dass sich die israelische Polizei im Laufe der Jahre zunehmend auf die Seite der Provokateure stellt.