Jerusalem Ein Quadratkilometer Weltgeschichte

Die Altstadt Jerusalems mit dem Tempelberg, fotografiert durch eine Tür mit einer Aussparung in Form des Davidsterns.

(Foto: AP; Bearbeitung SZ)
  • Jerusalem ist allen drei monotheistischen Weltreligionen heilig - und seit drei Jahrtausenden umkämpft.
  • Seit dem UN-Teilungsplan von 1947 gilt Israel als Territorium unter besonderer Verwaltung, dessen Status erst nach Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern geklärt werden soll.
  • In den vergangenen Jahren hat Israel Fakten geschaffen und zum Beispiel auf palästinensischem Gebiet östlich der Stadt neue Siedlungen gebaut.
Von Alexandra Föderl-Schmid, Tel Aviv

Mit der Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, kommt ein alter Traum wohl der meisten Israelis der Realität ein Stück näher. "Wir haben Jerusalem, die geteilte Hauptstadt Israels, vereint. Wir sind an unsere heiligen Plätze zurückgekehrt, um uns niemals wieder von ihnen zu trennen", hatte schon Moshe Dajan, der legendäre Verteidigungsminister, am 7. Juni 1967 gesagt. Unter seiner Führung hatten Israels Truppen im Sechstagekrieg den Ostteil der Stadt erobert und später von Jordanien annektiert - mit der festen Absicht, dort zu bleiben.

Diese Annexion wird bis heute international nicht anerkannt. Mit ihrer Erklärung zu Jerusalem verlassen die USA indes den Konsens der Staatengemeinschaft. Denn seit dem UN-Teilungsplan, der Palästina 1947 in einen Staat für Juden und für Araber aufteilen sollte, gilt Jerusalem, wie es Staatsrechtler nennen, als Corpus Separatum, also als ein vom Umland abgetrenntes Territorium unter besonderer Verwaltung. Der endgültige Status sollte erst in Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern geklärt werden.

Premier Benjamin Netanjahu begründet den Anspruch der Israelis auf Jerusalem mit 3000 Jahren jüdischer Geschichte. In einem zumindest hat er recht: Jeder, der sich mit den gegenwärtigen Konflikten um diese Stadt beschäftigt, muss sich ausführlich mit ihrer Geschichte auseinandersetzen. Auch wenn Jerusalem "Ir shalom", Stadt des Friedens, genannt wird - Frieden herrschte in den vergangenen drei Jahrtausenden höchst selten: 118-mal haben Armeen um diese Stadt oder in ihr gekämpft, 44-mal wurde sie erobert, 23-mal belagert. Hier herrschten 1000 Jahre lang Juden, 400 Jahre lang Christen, 1300 Jahre lang Muslime. Allen drei monotheistischen Weltreligionen ist diese Stadt heilig: Für die Juden ist es Zion, das Zentrum jüdischer Religiosität; für Muslime Al Quds, die Heilige; für Christen die Stadt der Passion Jesu.

Greifbare Geschichte in Jerusalems Altstadt

Nirgendwo sonst verdichtet sich Historizität so intensiv wie in der Altstadt, die sich nur auf einer Fläche von einem Quadratkilometer erstreckt und durch die Stadtmauern aus dem 16. Jahrhundert begrenzt ist. Die vier Viertel, das muslimische, das christliche, das jüdische und das armenische, erinnern an Zeiten, als die Gruppen noch streng voneinander getrennt lebten. Aber viel Austausch gibt es auch heute nicht.

Die historisch einigermaßen greifbare Geschichte beginnt mit König David vor rund 3000 Jahren. David erhebt Jerusalem zur Hauptstadt des ersten jüdischen Staates. Davids Sohn, König Salomo, errichtete den ersten Tempel, der ebenso wie der zweite zerstört wurde. Die Überreste der westlichen Stützmauer des antiken Tempelplateaus bilden heute die Klagemauer.

Der Tempelberg, um den sich viele Konflikte in der Gegenwart entzünden, ist für Muslime "Al Haram al Scharif - das edle Heiligtum". Nach islamischer Überlieferung stieg der Prophet Mohammed hier in den Himmel auf. Auf dem Tempelberg steht neben dem Felsendom die Al-Aqsa-Moschee, nach Mekka und Medina die drittwichtigste Moschee im Islam.

1099 zogen die christlichen Kreuzfahrer in Jerusalem ein. Die kürzlich renovierte Grabeskirche, die an der überlieferten Stelle der Kreuzigung und des Grabes Jesu steht, zählt zu den wichtigsten Heiligtümern des Christentums. Doch schon 1187 vertrieb Sultan Saladin die Kreuzritter wieder aus der Stadt, die sie für das Zentrum der Welt hielten.