Jemen Attacke auf Rekruten

Trümmerlandschaft: Der Angreifer raste in einem mit Sprengstoff beladenen Auto auf das abgeriegelte Militärgelände.

(Foto: dpa)

Ein Selbstmordattentäter der Terrormiliz IS reißt in Jemen mehr als 50 Menschen mit in den Tod. Die Attacke richtet sich gegen Rekruten.

Von Moritz Baumstieger

In der Hafenstadt Aden im Süden Jemens sind Montagmorgen bei einem Anschlag auf ein Armeegebäude mehr als 50 Menschen getötet worden, manche Quellen sprechen sogar von mehr als 60 Toten. Weitere 70 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt, wie das jemenitische Gesundheitsministerium mitteilte.

Der Anschlag galt einem Rekrutierungsbüro der Armee, die in Jemens Bürgerkrieg aufseiten von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi kämpft. Ein Selbstmordattentäter raste in einem mit Sprengstoff beladenen Auto auf das abgeriegelte Militärgelände, als dessen Tor für einen Lieferwagen geöffnet wurde. Dort saß eine Gruppe Rekruten beim Frühstück, die Explosion brachte das Dach eines Gebäudes zum Einsturz, mehrere Menschen wurden unter Trümmern begraben. Über ihre Nachrichtenkanäle bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat zu dem Attentat. In einem Bekennervideo präsentierte der IS den mutmaßlichen Attentäter, der unweit vom Anschlagsort gelebt haben soll.

In Jemen tobt seit 18 Monaten ein blutiger Bürgerkrieg zwischen schiitischen Huthi-Rebellen und der international anerkannten, sunnitisch dominierten Regierung von Präsident Hadi. Im September 2014 überrannten die Huthi-Rebellen die Hauptstadt Sanaa und in der Folge weitere Regionen. Präsident Hadi erklärte daraufhin Aden zur provisorischen Hauptstadt, seither kommt es dort vermehrt zu Anschlägen. Ein von Saudi-Arabien angeführtes Militärbündnis versucht mit heftigen Bombardements, den Aufstand niederzuschlagen, die Huthi-Rebellen beschießen saudisches Territorium mit Raketen, am Sonntag etwa sollen in der saudischen Grenzstadt Nadschran zwei Mädchen bei einem Angriff ums Leben gekommen sein. Der jemenitische Bürgerkrieg ist aber nicht nur ein Kampf um die Macht im ärmsten Land der arabischen Welt, sondern auch ein Stellvertreterkrieg der beiden stärksten Regionalmächte am Golf: Das sunnitische Saudi-Arabien unterstützt die Regierung, das schiitische Iran die Rebellen der Huthi. Seit März 2015 kamen bei den Kämpfen in Jemen nach Schätzungen der Vereinten Nationen mindestens 9000 Menschen ums Leben, mehr als drei Millionen haben ihre Heimatorte verlassen und sind innerhalb des Landes auf der Flucht.

Von dem so entstandenen Machtvakuum in den schwer zugänglichen Regionen Jemens profitierten auch die Dschihadisten: Der IS gibt an, in Jemen eine Filiale seines Kalifats errichtet zu haben, vor allem aber ist al-Qaida in Jemen präsent: Sein lokaler Ableger beherrscht größere Gebiete des Landes und gilt als mittlerweile schlagkräftigste Gruppe innerhalb der Terrororganisation. Die lokale Al-Qaida-Gruppe ist nicht nur in Jemen aktiv, sondern soll auch für das Attentat auf die Redaktion des Satireblattes Charlie Hebdo im Januar 2015 in Paris verantwortlich sein.

Vergangene Woche bemühte sich US-Außenminister John Kerry bei einem Besuch im saudischen Riad, einen neuen Friedensprozess für Jemen zu initiieren. Ende Juli waren Gespräche zwischen Regierung und Rebellen zum wiederholten Male gescheitert.