Junckers Fahrer biegt von der Autobahn ab, der schwere Hybrid-BMW hält vor einem schwarzen Metallzaun, dahinter steht ein schlichtes Wohnhaus, kein Name an der Tür. "Es wissen sowieso alle, wo der Premier wohnt", sagt der Fahrer. Die Polizei residiert in Rufweite. Juncker trägt den Koffer ins Haus und warnt vor dem Hund. Plato, ein griechischer Straßenköter, von Tierfreunden gekauft, die herrenlose Hunde auf Samos vermitteln, belle gelegentlich Besucher an. Jetzt wedelt er mit dem Schwanz. Junckers Frau Christiane Frising bringt Kirschen, dann geht's in Büro.

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Ein hübsches Haus, mitten im Zentrum von Luxemburg. Die kleine Klingel ist neben der schweren Holztür, der Besucher macht drei Schritte gerade aus, dann ein paar nach rechts - und steht vor dem mit Akten, Zeitungen und einem riesigen Telefon bepackten Schreibtisch des Premiers. Der Hausherr bittet in die gemütliche Ecke, zwei Sofas, auf dem Tisch ein Aschenbecher und eine Eieruhr ("gelegentlich ermüdet die Regierungsarbeit"). Direkt davor steht Willi Brandt, gegossen, eine kleinere Ausführung des lebensgroßen Originals aus der Berliner SPD-Zentrale. Ist das nicht die falsche Partei? Juncker lacht. Keiner seiner Gäste störe sich daran, dass ein Sozialdemokrat im Büro eines konservativen Premiers stehe. "Nur wenn Angela kommt, lasse ich sie wegräumen", grinst er.

Jetzt, kurz vor dem nächsten EU-Gipfel, machen Banken-Chefs ihre Aufwartung. Martin Blessing von der Commerzbank, Yves Mersch von der Luxemburger Zentralbank, Bundesbankchef Jens Weidmann. Sie treibt der deutsche Wunsch um, private Banken, Versicherungen oder Rentenfonds an den Kosten der Krise in Griechenland zu beteiligen. "Wir spielen mit dem Feuer", sagt Juncker. Im schlimmsten Fall könnten die Ratingagenturen dann auf "zahlungsunfähig" plädieren, mit extremen Folgen für die Währungsgemeinschaft. "Die Pleite kann Portugal anstecken und Irland, und dann wegen der hohen Schulden auch Belgien und Italien, noch vor Spanien." Juncker wird wieder ungehalten. Und das sei nicht alles. Weil die griechischen Banken am stärksten von einer Umschuldung betroffen seien, müssten sie ein zusätzliches Finanzpaket erhalten. "Weil wir aus deutschen innenpolitischen Gründen private Gläubiger beteiligen sollen, wird alles noch teurer."

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(SZ vom 18.06.2011/wolf)