Von Michael Bitala

Haitis Ex-Präsident Aristide meldet sich aus dem Exil in Südafrika, kündigt seine Hilfe an - und ist nun, weil er es wohl besser weiß, doch nicht in Haiti.

Jean-Bertrand Aristide mag zwar ein gestürzter Despot sein. Aber so schnell findet sich der 56-Jährige nicht ab mit seinem Schicksal. Schon wenige Stunden nach dem Erdbeben in Haiti schickte er Grüße aus seinem südafrikanischen Exil in die Heimat: "Aus Afrika, dem Stammsitz Haitis, senden wir unser tiefstes Beileid und Liebe für die Tausenden betroffenen Kinder, Mütter, Väter, Brüder und Schwestern."

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Jean-Bertrand Aristide sieht sich noch als Staatschef. (© Foto: dpa)

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Und am vergangenen Freitag kündigte er wieder einmal an, nach Port-au-Prince zurückkehren zu wollen. Diesmal, um "das Leid meiner Landsleute zu teilen und weiteres Sterben zu verhindern". Freunde hätten ein Flugzeug mit Hilfsgütern organisiert, mit dem er und seine Frau nach Haiti fliegen könnten - geflogen aber sind sie dann doch nicht.

Der einstige Armenpriester

Aristide, der im Februar 2004 nach einem bewaffneten Aufstand und unter massivem Druck der USA zunächst in die Zentralafrikanische Republik und dann weiter nach Südafrika geflohen ist, weiß wohl selbst am besten, dass er besser nicht in seine Heimat zurückkehrt. Auch wenn er sich immer noch als legitimer Präsident Haitis betrachtet. Denn dort würde ihm sicherlich der Prozess gemacht werden. Zum einen wegen seiner Gewaltherrschaft, zum anderen weil der einstige Armenpriester Millionen unterschlagen haben soll.

Doch anders als andere gestürzte Despoten ruht sich Aristide in Südafrika nicht auf zusammengestohlenen Schätzen aus. Er lebt auf Kosten der südafrikanischen Steuerzahler in einem Gästehaus der Regierung in Pretoria. Doch er zeigt auch einen geradezu überbordenden Fleiß.

Einsichten eines Despoten

Sowohl er als auch seine Frau sind als Forscher an der University of South Africa in Johannesburg angestellt. Zwar schimpfte der stellvertretende Uni-Rektor bei der Ankunft der Eheleute Aristide, seine Universität sei nicht die "Müllhalde für abgehalfterte Diktatoren", aber schon zwei Jahre später wurde Aristide in Anwesenheit des damaligen südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki die Doktorwürde in afrikanischen Sprachen verliehen. Seitdem widmet sich der einstige Gewaltherrscher dem Thema "Afrikanische Renaissance".

Mal geht es in seinen Arbeiten um afrikanische Werte oder um die Psyche Afrikas, mal um afrikanisches Selbstbewusstsein und afrikanische Selbstbestimmung. Am interessantesten aber klingen seine Vorträge. Da legt der Mann, der sich einst nur mit Todesschwadronen in Port-au-Prince im Amt halten konnte, ausführlich dar, dass eine Voraussetzung für Frieden, Demokratie und Wohlstand in Afrika unerlässlich sei: die Teilung der Macht.

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(SZ vom 20.01.2010/lmne)