Die Nachricht vom Tod von vier Arbeitern in einem Atomkraftwerk weckt in Japan böse Erinnerungen an frühere Skandale. Das Volk ist verunsichert, doch die Regierung hält weiter an ihrer Atompolitik fest - das Klimaschutzprotokoll von Kyoto lasse dem Land keine andere Wahl.
Als die Nachricht über den Tod von vier Arbeitern in einem Atomkraftwerk der nordwestjapanischen Provinz Fukui die Fernsehschirme flimmerte, wurden Erinnerungen an den Unfall in einer Urananlage in Tokaimura wach: Vor fast genau fünf Jahren waren dort zwei Atomarbeiter gestorben. Sie waren Opfer massiver Verstrahlung, Hunderte Anwohner waren erhöhter Radioaktivität ausgesetzt gewesen.
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Der jüngste Unfall erscheint zwar im Vergleich dazu vom Ausmaß her gering. Denn Radioaktivität soll nicht ausgetreten sein, als aus einem Reaktor-Turbinengebäude extrem heißer Dampf entwich. Dennoch stellt der Zwischenfall einen weiteren Schlag für die von Pannen und Skandalen erschütterte japanische Atomindustrie dar.
"Das Äußerste tun, um die Sicherheit zu gewährleisten"
Bereits der Unfall von Tokaimura, der Ergebnis von Kosteneinsparungen und dilettantischer Arbeit war, hatte die Nation schockiert und das bisherige Vertrauen in die Atomsicherheit erschüttert. Immer wieder beteuerte die Regierung, sie werde die Sicherheit der Atomanlagen fortan gewährleisten. Dennoch kam es weiter zu Pannen.
Und dann wurde das Volk auch noch fassungslos Zeuge eines Skandals um die Vertuschung von Schäden an Reaktoren durch Japans größten Betreiber TEPCO. Tokyo Electric Power (Tepco) hatte zugegeben, dass offenbar jahrelang Berichte über Risse in Atomreaktoren, unter anderem in Reaktor-Druckbehältern, gefälscht worden waren. Tepco hat inzwischen wieder die meisten der im vergangenen Jahr notabgestellten Reaktoren am Netz und ließ gerade dieser Tage wissen, dass man im ersten Geschäftsquartal Gewinne erzielt habe.
Derweil hält die Regierung weiter an ihrer Atompolitik fest. Ministerpräsident Junichiro Koizumi erklärte nach der jüngsten Panne lediglich, es gelte, das Äußerste zu tun, um die Sicherheit zu gewährleisten. Laut dem jüngsten Jahresbericht zur Energiepolitik soll Japan seine Energiepolitik weiterhin auf Atomreaktoren konzentrieren, wobei andere Energiequellen zur Diversifizierung des Strommarktes verstärkt erschlossen werden sollen.
Zehn neue Anlagen bis 2030
Allerdings schlägt der Bericht eine Reduzierung der bisher geplanten Ausbauvorhaben vor. Gegenwärtig sind im rohstoffarmen Japan 52 Kraftwerke mit rund 45 000 Megawatt am Netz, die etwa 30 Prozent des gesamten Strombedarfs des Landes abdecken. Nun sollen bis zum Jahr 2010 anstatt der bisher anvisierten neun neuen Anlagen fünf gebaut werden und bis zum Fiskaljahr 2030 insgesamt zehn.
Zum einen werde der Energiebedarf Japans sinken. Zum anderen hätten sich seit Tokaimura die Umstände für Atomkraftwerkprojekte grundlegend verändert. Der Bau neuer Anlagen sei wegen wachsender Proteste schwieriger geworden. Die jüngste Panne gießt dabei Wasser auf die Mühlen der Atomkraftgegner.
Dennoch sieht Japan auch im Hinblick auf die im Kyoto-Klimaschutzprotokoll vorgegebene Reduktion der Treibhausgasemissionen keine andere Möglichkeit für Japans Energiepolitik, als am Atomstrom festzuhalten.
(dpa)
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