Am ersten Tag des Staatsbesuchs des chinesischen Präsidenten Hu Jintao in Japan haben zahlreiche Demonstranten gegen Chinas Tibet-Politik protestiert. Hunderte versuchten, ein Restaurant zu stürmen, in dem ein offizieller Empfang Hus stattfand.

Der Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten Hu Jintao in Japan hat gleich zu Beginn zahlreiche Proteste hervorgerufen. Tausende Menschen, vor allem Tibeter und Anhänger der muslimischen Minderheit der Uiguren, gingen am Dienstag, dem ersten von fünf Besuchstagen, in Tokio auf die Straße.

Zahlreiche Gegner der chinesischen Regierung gingen in Tokio auf die Straße. (© Foto: AP)

Anzeige

Es ist der erste Besuch eines chinesischen Staatsoberhaupts in Japan seit zehn Jahren und der zweite überhaupt seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den beiden Ländern im Jahr 1972. Hu äußerte die Hoffnung, sein Besuch werde "ein neues Kapitel für eine Beziehung öffnen, von der sowohl China als auch Japan profitieren". "Ich hoffe, dass wir durch das Treffen unsere Freundschaft und unser gegenseitiges Vertrauen stärken und unsere Kooperation vertiefen können", sagte Hu.

Der Besuch des chinesischen Staatsoberhauptes wurde von strengen Sicherheitsvorkehrungen begleitet, tausende Polizisten säumten die Straßen der japanischen Hauptstadt.

Allein im Zentrum von Tokio marschierten rund 4200 Tibeter und Uiguren durch die Straßen, sie trugen Spruchbänder wie "Tötet unsere Freunde nicht" und forderten Hu auf, "den olympischen Geist zu respektieren". China, wo in Kürze die Olympischen Sommerspiele staffinden, steht angesichts seiner Haltung zur Tibetfrage weltweit in der Kritik.

Polizeiangaben zufolge verliehen jedoch auch rund 300 Anhänger der radikalen Rechten, die China für eine Bedrohung Japans halten, im Geschäftsviertel Tokios ihrem Protest Ausdruck. Am Abend versuchten zudem mehrere hundert militante Nationalisten, ein Restaurant im Hibiya-Park zu stürmen, in dem ein offizieller Empfang Hus durch den japanischen Regierungschef Yasuo Fukuda stattfand. Die Polizei drängte die Demonstranten zurück.

Am morgigen Mittwoch trifft Hu zu offiziellen Gesprächen mit Regierungschef Fukuda zusammen, der sich von dem Besuch vor allem einen Ausbau der Zusammenarbeit beider Länder in Sachen Wirtschaft und Sicherheit in der Region erhofft. Strittige Themen wie die japanische Besatzung Chinas in den 1930er Jahren oder der Territorialstreit um Erdöl- und Gasvorkommen im Ostchinesischen Meer dürften während des Besuchs nur eine untergeordnete Rolle spielen. Während des Aufenthalts sind auch drei Treffen des chinesischen Präsidenten mit dem japanischen Kaiser Akihito vorgesehen.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(AFP/dmo/cag)