Atomkatastrophe in Fukushima-1 Strom in vier Reaktoren soll bald wieder fließen

Im Kraftwerk Fukushima-1 wurden fast 1,5 Kilometer Kabel verlegt, um die Kühlaggregate wieder mit Strom versorgen zu können. Im Eingangsbereich des AKW gibt es bereits wieder Elektrizität, noch am Samstag sollen vier Reaktoren wieder ans Stromnetz angeschlossen werden.

Alle Entwicklungen im Newsticker.

Japans Atombehörde wertet das Ausmaß des Störfalls in Fukushima-1 neu und sieht darin nun einen "Unfall mit weitreichenden Konsequenzen". Die Betreiber des havarierten Atomkraftwerks Fukushima-1 erwägen unterdessen eine radikale Lösung: Falls alle Bemühungen, die Reaktoren abzukühlen, erfolglos bleiben, könnte das Kraftwerk unter einer Schicht aus Sand und Beton begraben werden.

09:32 Uhr

Ungeachtet ihrer Überlegungen eines Grabs für Fukushima-1 hofft die Betreiberfirma Tepco, die Reaktoren 1 und 2 am Samstag mit Strom versorgen zu können. Das berichtete der Sender NHK. Zuvor hatte es geheißen, mit der Arbeit solle an diesem Freitag begonnen werden. Für Sonntag sei auch ein Anschluss der Reaktoren 3 und 4 an das Stromnetz geplant, teilte ein Sprecher der japanischen Atomsicherheitsbehörde Nisa mit. Über den Zustand der Technik in den teilweise völlig zerstörten Reaktorhallen gab es keine genauen Angaben.

09:38 Uhr

Die erneuten Kühlversuche am Reaktor 3 des Atomkraftwerks Fukushima-1 sind erfolgreich. Das sagte Regierungssprecher Yukio Edano auf einer Pressekonferenz. Ein japanischer Fernsehsender zeigte auch einen Armeesprecher, der berichtete: "Wir haben das Ziel getroffen." Seit dem Nachmittag sind Wasserwerfer erneut im Einsatz. Das Wasser soll die Kernschmelze verhindern. Die Brennelemente im Block 3 enthalten das hochgiftige Plutonium.

09:42 Uhr

Sie werden die "Fukushima 50" genannt - die Männer, die im havarierten Atomkraftwerk gegen den Super-GAU ankämpfen. Jetzt bekommt die Truppe bei ihrem lebensgefährlichen Einsatz Verstärkung. Inzwischen seien mehr als 120 Männer am Ort des Geschehens, sagte ein Sprecher der Betreibergesellschaft Tepco der Nachrichtenagentur dpa. Darunter seien auch Spezialisten anderer Atomkonzerne. Japanische Medien berichteten nun, es seien rund 140 Feuerwehrleute auf dem Weg zum Kraftwerk, um die Armee zu unterstützen.

09:47 Uhr

In der havarierten Nuklearanlage in Fukushima-1 hat sich die Lage weiter verschärft. Im Reaktor 1 ist der Wasserpegel nach Angaben der japanischen Atomaufsicht Nisa inzwischen derart niedrig, dass er von den Messgeräten nicht mehr eindeutig erfasst werden kann. "Es ist dort zu wenig Wasser vorhanden", sagte eine Nisa-Sprecherin der Nachrichtenagentur dapd. Der Wasserstand in dem Reaktor wird indirekt durch den Vergleich des Drucks an zwei Punkten im Reaktordruckbehälter gemessen. An einer Stelle der Anlage liegt der mit diesem Verfahren ermittelte Wasserstand jetzt unterhalb der Messbarkeit, erklärte die Nisa-Sprecherin. In den Reaktoreinheiten 2 und 3 habe sich die Lage weiter nicht verbessert. Dort lägen die Brennstäbe nach wie vor auf 1,40 Meter beziehungsweise auf bis zu 2,30 Meter Länge frei. Die Gefahr einer Kernschmelze bleibt damit akut.

10:06 Uhr

Japans Atombehörde stuft die Schwere des Unfalls in Fukushima-1 herauf. Der Störfall wurde von der Stufe 4 auf die Stufe 5 der internationalen Bewertungsskala Ines eingeordnet, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Die Bewertungsskala ist in 7 Stufen unterteilt. Danach beschreibt Stufe 4 einen "Unfall mit lokalen Konsequenzen", Stufe 5 einen "Unfall mit weitreichenden Konsequenzen". Schon vor Tagen hatten die französische Atomsicherheitsbehörde (ASN) und das unabhängige US-Institut für Wissenschaft und Internationale Sicherheit (Isis) den Unfall auf der zweithöchsten Stufe 6 - "ernster Unfall" - eingeordnet.

10:47 Uhr

Nach Angaben der japanischen Atomaufsicht ist es zum jetzigen Zeitpunkt nicht nötig, die Evakuierung auszuweiten. Diese beläuft sich derzeit auf 30 Kilometer im Umkreis des Atomkraftwerks Fukushima-1. US-amerikanische Experten haben gestern demgegenüber für eine Sicherheitszone von mindestens 80 Kilometern plädiert.

10:55 Uhr

Erhöhte Explosionsgefahr in Reaktor 4: Über dem Abklingbecken von Reaktor 4 des Kernkraftwerkes Fukushima-1 wurde jetzt Wasserstoff festgestellt. Das meldete die Vertretung der japanischen Atomwirtschaft JAIF (Japan Atomic Industrial Forum). Wasserstoff führte in den Reaktoren 1, 2 und 3 der Anlage in den vergangenen Tagen zu mehreren Explosionen. Diese beschädigten die Reaktorgebäude und vermutlich auch die Containments, die Sicherheitsbehälter, der Reaktoren 2 und 3. Wasserstoff entsteht bei Temperaturen über 800 Grad Celsius durch einen Aufspaltprozess aus dem Kühlwasser im Becken.

10:59 Uhr

Nach den der IAEA vorliegenden Daten scheinen die Kühlungsversuche bei den Abklingbecken am Donnerstag nur wenig Wirkung gehabt zu haben: Die Temperatur im Abklingbecken im Reaktor 5 sei vom frühen Donnerstagmorgen mitteleuropäischer Zeit von 64,2 Grad auf 65,5 Grad gestiegen. Im Abklingbecken des Reaktors 6 ging die Temperatur im gleichen Zeitraum sehr leicht von 62,5 auf 62 Grad Celsius zurück. Die normale Betriebstemperatur der Abklingbecken liegt bei 25 Grad Celsius. Für die gebrauchten Brennstäbe im Reaktor 4 liegen seit Anfang der Woche keine Daten mehr vor, damals war die Temperatur kurz vor dem Siedepunkt.

11:01 Uhr

Neben Wasserwerfern und Hubschraubern ist zur Kühlung der Reaktoren im Atomkraftwerk Fukushima-1 jetzt auch ein Diesel-Generator im Einsatz. Der Generator sorge von Reaktor 6 aus für die Wasserzufuhr in den Abklingbecken mit gebrauchten Brennstäben der Reaktoren 5 und 6, berichtete die Internationale Atomenergiebehörde IAEA unter Berufung auf japanische Behörden.

11:44 Uhr

Gefahrenpotential für Tokio: Der Wind am japanischen Unglücksreaktor soll zu Beginn kommender Woche wieder in Richtung der Millionen-Metropole drehen. "Wie weit sich die Radioaktivität dann ausbreitet, kann man aber noch nicht sagen", sagte Christina Speicher vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Am Dienstag soll der Wind aber erneut seine Richtung ändern und wieder auf Nord/Nordwest umschwenken. Bislang werden die am Atomkraftwerk Fukushima-1 freigesetzten radioaktiven Partikel nordostwärts aufs Meer getragen. Die Strahlenbelastung in Tokio ist nach den Worten des Chefs der Internationalen Atomenergiebehörde, Yukiya Amano, nicht schädlich.

12:06 Uhr

Über den Zustand der AKW-Technik von Fukushima-1 gibt es derzeit keine neuen Angaben, Betreiber Tepco hat aber den Zeitplan zur Versorgung mit Strom erneut angezogen. Die Firma hofft laut Reuters nun, den Reaktorblock 4 am Samstag anschließen und dann kühlen zu können. Zuvor hieß es bereits, die Reaktoren 1 und 2 sollten am Samstag mit Strom versorgt werden.

12:18 Uhr

Die USA weitet ihre Hilfsangebote für Japan angesichts der nuklearen Bedrohung massiv aus: Nun wurde die Unterstützung von 450 Strahlenexperten in Aussicht gestellt. Die Einheit könne dem Land bei der Bewältigung seiner Nuklearkrise helfen, sagte der Befehlshaber des US-Pazifikkommandos, Admiral Robert Willard, am Freitag nach Angaben der japanischen Agentur Kyodo. Neun US-Nuklearspezialisten sind bereits in Japan im Einsatz.

12:21 Uhr

Premier Naoto Kan wendet sich im japanischen Fernsehen erneut an die Menschen Japans: Er bestärkte die Bevölkerung in ihrem Kampf gegen die Tragödie. Es gebe keine neue Faktenlage, die Regierung halte keine Information zurück, die Situation sei weiterhin "sehr ernst". "Wir haben keine Zeit, um pessimistisch zu sein", sagte Kan laut der Übersetzung des Fernsehsenders NHK World. Angesprochen auf seine Prognose für die nächste Zeit antwortete der Regierungschef ausweichend, in einer nicht zu fernen Zukunft werde die Lage unter Kontrolle sein. "Japan als Land wird die Katastrophe überwinden und sich erholen", betonte er. "Wir werden Japan neu aufbauen."

12:52 Uhr

Erhöhte radioaktive Strahlung: Noch mehr als 30 Kilometer vom Katastrophen-AKW Fukushima-1 entfernt ist eine deutlich erhöhte Strahlenbelastung festgestellt worden. Die Verstrahlung nordwestlich der havarierten Anlage lag am Donnerstag bei 170 Microsievert und am Freitag bei 150 Microsievert, wie das japanische Wissenschaftsministerium mitteilte. Das berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Die höchste Belastung habe dabei in einer Zone gelegen, die bisher nicht evakuiert worden ist. Die Menschen hier wurden lediglich aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben. Nach Expertenmeinung nehmen Menschen bei der gemessenen Belastung innerhalb von sechs bis sieben Stunden so viel Strahlung auf, wie sonst innerhalb eines Jahres gerade noch verträglich wäre. Die Strahlung direkt am Reaktor ist um ein Vielfaches höher: Erst am Donnerstag hatten die Betreiber nach eigenen Angaben wieder 400 Millisievert am Block 3 gemessen.

13:26 Uhr

Die Zahl der Opfer der Naturkatastrophe in Japan wird noch einmal deutlich nach oben korrigiert. 6911 Menschen starben, meldet die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf Polizeiangaben. Insgesamt beläuft sich die Zahl der Toten und Vermissten derzeit auf 17.227 Menschen.

14:31 Uhr

Reisende aus Japan können sich an Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt auf radioaktive Strahlung untersuchen lassen. Für Passagiere von Direktflügen aus dem Land gebe es von 15.00 Uhr an ein entsprechendes Angebot, kündigte Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) in Wiesbaden an. Bereits seit Anfang der Woche werden Lieferungen aus Japan auf eine Strahlenbelastung getestet, seit Mittwoch gilt das auch für allen pflanzlichen und tierischen Lebensmittel.

15:05 Uhr

Patrick Fuller, Sprecher des Roten Kreuzes, hat der Agentur Reuters die Lage im Erdbebengebiet beschrieben. Das eigentliche Problem sei derzeit nicht die atomare Gefahr, sondern neben der Bergung der Toten vor allem die Versorgunng von 380.000 Personen, die ihr Heim verloren hätten. "Hilfe kommt durch, aber viel mehr ist nötig." Es gäbe angesichts des Ausmaßes der Katastrophe logistische Probleme mit Hilfsgütern. Stromausfälle und Benzin-Rationierungen hätten zur Folge, dass weniger Lebensmittel transportiert werden könnten. "So weit ich gesehen habe, hungert aber niemand", erklärte Fuller. Dennoch gab es bereits Todesopfer: Bei winterlichen Temperaturen litten vor allem Ältere und Kranke in den oft ungeheizten Notunterkünften; mehr als 20 Menschen starben bereits - wohl auch wegen der Eiseskälte in der Region.

15:14 Uhr

Zahlen zum Großeinsatz der Feuerwehr am Krisenmeiler: Fast 140 Feuerwehrleute aus Tokio sind zum Einsatz gekommen - zusätzlich zu der derzeit aus 120 Arbeitern bestehenden AKW-Mannschaft. Die Feuerwehr rückte mit 30 Fahrzeugen an, berichtete das staatliche Fernsehen NHK am Freitagabend (Ortszeit). Sie verspritzten 50 Tonnen Wasser auf den havarierten Reaktor 3, um eine Kernschmelze darin zu verhindern - mit Fahrzeugen, die normalerweise an hohen Gebäuden zum Einsatz kommen und das Wasser bis zu 22 Meter hoch schleudern können.

15:28 Uhr

Aktuelle Informationen zur Situation in Fukushima-1 bietet die deutsche Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit unter dem Link http://www.grs.de/informationen-zur-lage-den-japanischen-kernkraftwerken-fukushima-onagawa-und-tokai. Eine übersichtliche Zusammenfassung des Zustands gibt es hier: http://www.grs.de/sites/default/files/Status%20KKW%20Fukushima%20Daiichi%200800%20Uhr%20am%2018-03-2011_0.pdf

15:50 Uhr

Das japanische Gesundheitsministerium will alle Krankenhauspatienten aus der 30-Kilometer-Sicherheitszone um das havarierte Kernkraftwerk Fukushima-1 herausholen. Das berichtet der Fernsehsender NHK. Insgesamt wurden in den dortigen Kliniken 1100 Patienten behandelt. Noch an diesem Freitag wollten Helfer 300 Patienten in sichere Krankenhäuser verlegen. Die restlichen 800 Patienten sollen in den nächsten Tagen mit Helikoptern und Sanitätswagen unter anderem nach Tokio und Yamagata gebracht werden.

17:08 Uhr

Trauriger Rekord: So viele Nachbeben wie nach der Naturkatastrophe vor einer Woche wurden seit Beginn der Aufzeichnungen in Japan noch nie registriert. Dem 9.0-Beben vor der Ostküste Japans folgten mittlerweile 262 schwächere Beben nach. Und die Erde kommt noch immer nicht zur Ruhe, auch wenn die Wahrscheinlichkeit starker Beben nun abnimmt.

17:28 Uhr

Reuters meldet, dass jetzt auch erste radioaktive Partikel an der Westküste der USA gemessen wurden. Die Agentur beruft sich auf nicht näher genannte Quellen.

17:59 Uhr

Deutschland bietet Japan die Lieferung von Robotern für den Einsatz im Atomkraftwerk Fukushima an. "Die Geräte stehen bereit“, sagt ein Sprecher des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Jetzt warte das Ministerium auf eine Entscheidung der japanischen Atomsicherheitsbehörde (NISA), welche Roboter konkret benötigt würden. Japan hat nach Angaben des Sprechers über die Internationale Atomenergieorganisation eine Anfrage an alle Mitgliedsstaaten zur Bereitstellung fernlenkbarer Gerätschaften gerichtet. In Deutschland verfügt die Kerntechnische Hilfsdienst GmbH, eine gemeinsame Einrichtung der AKW-Betreiber, über solche Geräte für den Einsatz bei nuklearen Störfällen. Bei den Robotern handelt es sich um Maschinen, die aus sicherer Entfernung in verstrahlte Anlagen gesteuert werden können. Ihr Aufgabenbereich erstrecke sich auf "alles, was in verstrahlten Bereichen bewegt werden muss", erklärte der Ministeriumssprecher.

18:29 Uhr

Die Tokioter Feuerwehr hat am Freitag erneut damit begonnen, Wasser auf Reaktorblock 3 des Atomkraftwerks Fukushima zu spritzen. Damit soll die Reaktorhülle gekühlt werden, um eine drohende Kernschmelze zu verhindern. Am Vortag war zeitweise versucht worden, die Reaktoren mit Wasser aus Hubschraubern zu kühlen.

19:25 Uhr

Die Situation im und um das Atomkraftwerk Fukushima Eins hat sich nach Einschätzung der IAEA weiter stabilisiert. "Ich würde es so beschreiben, dass es sich hin zu einer stabilen Lage entwickelt - was positiv ist", sagte der Experte der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEA), Graham Andrew, in Wien. Dass dies Grund für Optimismus sein könnte, wollte Andrew jedoch nicht bestätigen: "Es ist weiterhin sehr ernst, aber es ist nicht bedeutend schlimmer geworden."

20:24 Uhr

Die Nachrichtenagentur Reuters meldet, dass es Technikern der AKW-Betreiberfirma Tepco gelungen sei, die Stromversorgung für das Kraftwerk Fukushima-1 wiederherzustellen. Noch gibt es dafür jedoch keine offizielle Bestätigung.

21:12 Uhr

Jetzt bestätigt auch Tepco selbst: Eine temporäre Starkstromleitung sei erfolgreich installiert worden, Fukushima-1 habe wieder Elektrizität. Damit sollen jetzt die Pumpstationen für das ausgefallene Kühlsystem wieder in Gang gesetzen werden. Unklar ist aber, ob die Technik der Kühlsysteme nach den Explosionen in den Reaktorblöcken 1 bis 3 und dem Brand im Reaktor 4 überhaupt noch funktionsfähig ist.

21:33 Uhr

Nach dem massiven Wasserwerfereinsatz im Block 3 des Atomkraftwerks Fukushima ist der Druck in der Reaktorkammer etwas gesunken. Das geht aus dem jüngsten Bericht der japanischen Atomsicherheitsbehörde (NISA) hervor. In den beiden anderen Blöcken aber, die nach dem Erdbeben vor einer Woche automatisch abgeschaltet wurden, zeigen die am Samstagmorgen (Ortszeit) veröffentlichten Werte eine leicht steigende Tendenz. Die NISA gibt lediglich Zahlenwerte an und bewertet diese nicht.

22:09 Uhr

Insgesamt 1,480 Meter Kabel wurden in einer Zone von zwölf Kilometern rund um das Kernkraftwerk Fukushima-1 neu verlegt. Ziel ist es, damit als erstes das Kühlaggregat von Reaktor 2 wieder mit Strom zu versorgen, danach sollen an diesem Wochenende die Reaktoren 1, 3 and 4 folgen.

22:42 Uhr

Der US-Internetkonzern Google will die Suche der Erdbeben- und Tsunamiopfer in Japan nach ihren verschollenen Angehörigen mit Youtube-Videos erleichtern. Das Unternehmen stellte auf seinem Videodienst dazu am Freitag bereits kurze Filme von Katastrophenopfern online, die auf Nachrichten von Freunden und Familienmitgliedern warten. Die Videos, die meist kürzer als eine Minute sind, wurden in Notunterkünften gedreht und sind über die Internetseite youtube.com/shousoku abrufbar.

22:59 Uhr

In Kalifornien ist nach Angaben der US-Umweltbehörde Epa eine minimale, offenbar aus Japan stammende radioaktive Strahlung gemessen worden. Es handele sich um Spuren eines Isotops, welches dem entspreche, das aus dem Atomkraftwerk Fukushima in Nordjapan ausgetreten sei. Die Stärke der Strahlung stelle aber absolut kein Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung dar, hieß es in einer Epa-Mitteilung von Freitag.

23:53 Uhr

Eine Rekordzahl von Nachbeben hat Japan seit dem Jahrhundert-Erdbeben mit der Stärke 9,0 vom vergangenen Freitag erschüttert. 262 Mal habe die Erde in der Woche danach mit der Stärke 5 oder höher gebebt, teilt das Meteorologische Institut in Japan mit. Die Häufigkeit der Nachbeben dieser Stärke war die größte, die jemals aufgezeichnet worden sei. Sie habe um das Zweieinhalbfache höher gelegen als nach dem Beben der Stärke 8,2 im Osten der Insel Hokkaido 1994. Mittlerweile sei die Wahrscheinlichkeit weiterer starker Nachbeben gesunken, hieß es.

00:27 Uhr

Mit jedem weiteren Tag werden in Japan Hunderte neue Todesopfer gemeldet: Die Polizei nannte am Samstagmorgen (Ortszeit) die Zahl von 6911 offiziell registrierten Toten. Damit haben das Erdbeben und der folgende Tsunami mehr Menschen das Leben gekostet, als das verheerende Erdbeben, das am 17. Januar 1995 die japanische Hafenstadt Kobe verwüstete. Damals starben mehr als 6400 Menschen. Außerdem werden gut eine Woche nach der Naturkatastrophe noch immer 10.692 Menschen vermisst.

01:25 Uhr

Auch Stunden nach dem Wasserwerfereinsatz am Reaktor 3 des havarierten Atomkraftwerkes Fukushima steigt noch immer Rauch auf. Der japansiche Fernsehsender NHK zeigte Luftaufnahmen, auf denen weißer Qualm oder Wasserdampf zu sehen war. Die helle, viele Meter hohe Fahne waberte kontinuierlich nach oben.

02:01 Uhr

Die Nachrichtenagentur Kyodo meldet, eine Elite-Einheit der Tokioter Feuerwehr, das sogenannte "Hyper Rescue Team" habe damit begonnen, Wasser auf den Block 3 zu sprühen. 90 Tonnen seien bereits versprüht worden.

02:17 Uhr

Eine der seltenen positiven Nachrichten, acht Tage nach dem verheerenden Tsunami: Rettungskräfte haben einen Überlebenden entdeckt. Das berichtet der Fernsehsender NHK unter Berufung auf das Militär. Der Mann wurde in der Katastrophenregion Miyagi aus den Trümmern gezogen.

02:20 Uhr

NHK berichtet weiter, dass der AKW-Betreiber Tepco die Obergrenze für die Arbeiter an den havarierten Reaktoren auf jetzt 150 Millisievert pro Einsatz angehoben hat. Vorher waren 100 Milisievert pro Schicht das Limit gewesen, die Arbeiter überschritten diesen Wert aber regelmäßig. "Die aktuellen Probleme seien beispiellos und erforderten sofortige Maßnahmen, zitierte NHK die Begründung des Energieversorgers. 150 Millisievert sind so viel, wie in Deutschland verteilt über die Spanne von 150 Jahren als gerade noch verträglich angesehen werden. Laut Bundesamt für Strahlenschutz verstärken höhere Dosen das Risiko von Krebserkrankungen.

02:58 Uhr

Die Nachrichtenagenturen Kyodo und Jigi berichten weitere Details über den geretteten jungen Mann: Der Überlebende heiße Katsuharu Moriya und sei zwischen 20 und 30 Jahren alt. Er sei in Kesennuma entdeckt worden, einem der am schwersten zerstörten Orte in der Region Miyagi im Nordosten des Landes. Der Gerettete habe unter Schock gestanden und nicht sprechen können. Er sei in ein Krankenhaus gebracht worden.

03:09 Uhr

Techniker haben der Nachrichtenagentur Jiji zufolge am AKW Fukushima mit der Kühlung des Reaktorblocks 5 begonnen. Auch die Wasserpumpe werde eingesetzt. Das lässt darauf schließen, dass wieder Strom zum Atomkraftwerk fließt.

03:12 Uhr

Die japanischen Polizeibehörden haben die Zahlen der Toten und Vermissten noch einmal nach oben korrigiert. Das berichtet die britische BBC. Demnach verloren bei dem Erdbeben vor acht Tagen 7197 Menschen ihr Leben. Aktuell sind noch 10.905 Vermisste gemeldet.

03:25 Uhr

In Japan hat der Bau von Baracken für die Überlebenden von Erdbeben und Tsunami begonnen. 200 Behelfswohnungen werden in der besonders zerstörten Küstenstadt Rikuzentakata aufgestellt, wie die Nachrichtenagentur Kyodo meldete. Die 30 Quadratmeter großen Fertighäsuer seien als Unterkunft für jeweils zwei bis drei Überlebende vorgesehen. In der Stadt Kamaishi, die wie Rikuzentakata in der Präfektur Iwate liegt, wurde der Bau von Behelfswohnungen unterdessen verschoben. Wegen des Treibstoffmangels in der Region habe das Baumaterial nicht geliefert werden können, berichtete Kyodo unter Berufung auf die lokalen Behörden.

03:32 Uhr

Offenbar fließt doch noch kein Strom zum Atomkraftwerk. Die Kühlung des Reaktorblocks 5 erfolgt nach mehreren Berichten japanischer Medien bisher noch über ein Dieselaggregat und nicht über ein stromgetriebenes Kühlsystem.

03:44 Uhr

Jetzt meldet die japanische Behörde für Atomsicherheit nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP, dass noch dieses Wochenende an allen sechs Reaktoren die Stromversorgung wieder in Gang gesetzt werden soll. An den Reaktoren 1, 2, 5 und 6 solle die Stromversorgung am Samstag wieder hergestellt werden, am Sonntag sollten die Reaktoren 3 und 4 wieder ans Stromnetz angeschlossen werden.

04:05 Uhr

Die Betreibergesellschaft Tepco hat vor Journalisten mitgeteilt, die Stromversorgung im Eingangsbereich sei wiederhergestellt worden. Dies sei ein wichtiger Schritt bei dem Versuch, die Kühlsysteme der Reaktoren wieder in Gang zu setzen.

04:32 Uhr

Der aus den Trümmern seines Hauses in Japan geborgene Mann war doch nicht acht Tage lang verschüttet. Das meldeten die Nachrichtenagenturen Kyodo und Jiji. Sie korrigierten damit erste eigene Angaben. Der Mann war Kyodo zufolge von einem Notaufnahmelager am Freitagmittag nach Hause zurückgekehrt, um dort aufzuräumen. Dort fanden die Retter ihn dann am Morgen. Er habe nicht sprechen können, hieß es zunächst.