Von Thorsten Denkler, Berlin

Die Vertriebenen-Präsidentin Steinbach nutzt den Jahresempfang ihres Verbandes, um eines klarzustellen: Ausgestanden ist der Streit um ihre Person noch lange nicht.

Erster Stock im Berliner Opernpalais Unter den Linden. Goldverzierter Stuck an der Decke, Brokatvorhänge, Kristallleuchter, Mustertapete in zarten Rosa-Tönen. Hier feiern die, die es geschafft haben. An diesem Abend ist das der Bund der Vertriebenen.

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Alles wird gut: Erika Steinbach herzt Bundeskanzlerin Angela Merkel. (© Foto: Reuters)

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Nun, geschafft trifft es nicht ganz. Das Zentrum gegen Vertreibung, seit Jahren ein Herzensprojekt der BdV-Präsidentin Erika Steinbach steht kurz vor der Umsetzung. Aber der BdV kann vorerst seine Chefin nicht in den Stiftungsrat schicken. Zu groß der öffentliche Druck, sagen die einen. Zu groß der Widerstand der SPD, ist die Lesart der BdV-Präsidentin.

Es ist der Jahresempfang des BdV am Abend vor seiner alljährlichen Bundesversammlung. Steinbach spricht ein Grußwort und auch die "Bundeskanzlerin unseres Vaterlandes" (Steinbach) Angela Merkel (CDU) wir ein paar Worte sagen. Sie ist zum dritten Mal hier. Keiner ihrer Vorgänger hat es je hierher geschafft. Entsprechend groß die Dankbarkeit.

Und dennoch dürften nicht alle im Saal der Kanzlerin in Dankbarkeit erlegen sein. Sie soll es schließlich gewesen sein, die Steinbach dazu gebracht hat, den Posten im Stiftungsrat nicht anzunehmen.

Es hieß erst, Merkel habe Steinbach dafür einen anderen Posten angeboten, möglicherweise in einer kommenden schwarz-gelben Bundesregierung. Aber wahrscheinlich war wohl doch Merkels Argument überzeugender, dass die Stiftung mit Steinbach im Stiftungsrat zu scheitern drohte. Es wäre ein Scheitern von Steinbachs Lebenswerk auf der Zielgeraden gewesen. Wie auch immer: Steinbach hat nachgegeben, weil die Kanzlerin es wollte.

Steinbach geht ans Pult. Sie muss nach jedem Halbsatz nach Luft schnappen, als hätte sie gerade einen Hundert-Meter-Sprint hingelegt. Sie wirkt angefasst. Ihre kurze Rede liest sie ab. Eine inszenierte Vorstellung. Am Anfang erlaubt sie sich, erst alle anderen im Saal zu grüßen, nur nicht die Kanzlerin. Anfangs lächelte Merkel noch. Nachdem Steinbach dann auch den dritten und den vierten Gast aus der fünften Reihe begrüßt hat, lächelt sie nicht mehr.

Steinbach löst die Situation auf, indem sie mitteilt, sich das Beste immer zum Schluss aufzuheben. Es folgt eine Lobeshymne auf die Kanzlerin, die immer zu den Unterstützern des BdV gehört habe, die die Idee einer Bundesstiftung gegen Vertreibung immer mitgetragen habe. "Die deutsche Bundeskanzlerin steht an unsere Seite", sagt Steinbach. Den Eindruck hatten in den vergangenen Monaten nicht alle.

Steinbach will davon nichts wissen. Trotzig klingt es, als sie davon berichtet, es werde "vermeldet, dass ich nach heftiger Kritik aus Polen auf den Sitz verzichtet habe". Dies sei mitnichten der Fall. Der dritte Stuhl des BdV bleibe ausschließlich wegen der Blockadehaltung der SPD frei.

Das kann auch so verstanden werden: Regiert die SPD nicht mehr mit, kann sie auch nicht länger blockieren. Steinbach: "Wir behalten uns vor, eine Wiederbenennung vorzunehmen." Wer das nicht als Drohung verstanden hat, dass auch sie selbst es sein könne, die da wiederbenannt wird, der muss sich gehörig verhört haben.

Nach Monaten des Schweigens in der Causa Steinbach fand Angela Merkel zumindest an diesem Abend mit viel Beifall bedachte Worte. "Für mich war immer klar, dass der BdV das Recht der Benennung seiner Vertreter hat", sagte Merkel. Etwas umständlicher formulierte sie dann, warum es doch anders kam. Es sei eben zu erkennen gewesen, dass es unter diesen Umständen nicht möglich gewesen wäre, die Stiftung voranzubringen.

Der jetzt gefundene Weg, wendet sich Merkel an die Vertriebenen-Vertreter, "ist eine Entscheidung, die ihnen Schmerzen verursacht, aber das Projekt zu festigen und zu verankern und für die Zukunft zu sichern" geholfen habe.

Vor allem aber ist es wohl eine Lösung, die dem BdV und seiner Präsidentin alle Optionen nach den Bundestagswahl offenhält. Das Land kann sich offenbar schon mal auf eine zweite Steinbach-Debatte vorbereiten. Das dürfte nach diesem Abend klar sein.

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(sueddeutsche.de/vw)