50 Jahre nach Schweinebucht-Invasion Kuba 2011 - Capitalismo o muerte

Die alten Revolutionäre haben Sinn für symbolische Daten: 50 Jahre nach dem Sieg in der Schweinebucht kommt Kubas Kommunistische Partei zusammen. Doch ihr wird nichts anderes übrig bleiben, als die Insel weiter zu öffnen - in Richtung Kapitalismus.

Von Peter Burghardt

Die verkorkste Attacke der Großmacht war schon im Gange, als sich Kuba offiziell zum Sozialismus bekannte. Am 15. April 1961 erklärte Fidel Castro "den sozialistischen Charakter der Revolution". Er sprach auf einer Trauerfeier für die Opfer von US-Luftangriffen auf kubanische Flugplätze.

Seit seiner Rebellion 1959 hatte sich der Chefkommandant immer mehr von den zunehmend feindseligen USA abgewandt und der Sowjetunion angenähert. US-Firmen verstaatlichte er. Washington brach die diplomatischen Beziehungen ab und verhängte bald das bis heute geltende Wirtschaftsembargo. Die UdSSR schickte Öl und kaufte der Insel den Zucker ab. Mitten im Kalten Krieg bekam Moskau einen Verbündeten in der Karibik, keine 150 Kilometer von Florida entfernt. "Eine Invasion Kubas durch die Streitkräfte der USA wird nicht stattfinden", behauptete US-Präsident John F. Kennedy dennoch. Doch das war nur die halbe Wahrheit.

Am 16. April 1961 begann das amerikanische Debakel in der Schweinebucht, am sumpfigen Strand von Girón. In Guatemala hatte die CIA Exilkubaner ausgebildet, von Nicaragua aus machten sich die 1400 Mann der Brigade 2506 auf den Weg. Die Landung geriet zum Fiasko. Nach 72 Stunden war die Söldnertruppe besiegt, Fidel Castro kämpfte auf einem Panzer. US-Kriegsschiffe griffen nicht ein, Kennedy wollte keinen Weltkrieg riskieren.

Später wurden die Kriegsgefangenen gegen Medikamente abgeschoben. Für die Sieger war es ein Triumph, der Castro endgültig zum Mythos machte. Die Verlierer fühlten sich vom später ermordeten Kennedy im Stich gelassen. "Girón, erste Niederlage des Yanqui-Imperialismus in Lateinamerika", steht auf einer Tafel, 50 Jahre ist das her.

Großer Gesprächsbedarf

Ein halbes Jahrhundert nach der Invasion trifft sich die Kommunistische Partei Kubas (PCC) nun in Havanna zu ihrem VI. Kongress, vom 16. bis 19. April 2011. Die alten Revolutionäre haben Sinn für symbolische Daten. Außerdem gibt es 14 Jahre nach dem V. Kongress viel zu besprechen. Zum Jubiläum geht es um die Frage, ob der tropische Sozialismus teilprivatisiert werden muss. Und ob Fidel Castro auch seinen Posten an der Parteispitze räumt.

Seine Ämter als Staats- und Regierungschef hatte er nach einer Darmerkrankung 2006 seinem jüngeren Bruder Raúl übertragen. Auf der Internetseite der PCC allerdings wird der bald 85-Jährige noch als Erster Parteisekretär geführt. Auch war Fidel zuletzt öfter bei Reden und in Uniform zu sehen gewesen. In einer seiner Kolumnen in der Parteizeitung Granma ("Reflexionen des Genossen Fidel") indes wies der ältere Castro darauf hin, dass er auch den KP-Job aufgegeben habe und nur noch einfacher Revolutionssoldat sei.

Supermacht im Sumpf

mehr...