Russland und Polen gedenken in Katyn der Opfer des Stalin-Terrors. Von russischer Schuld ist nicht die Rede - Putin spricht von den Opfern eines "totalitären Regimes".
Der russische Regierungschef Wladimir Putin und sein polnischer Kollege Donald Tusk haben am Donnerstag auf dem Gräberfeld in der Nähe des russischen Dorfes Katyn der Opfer des Stalin-Terrors gedacht. Anlass war der 70. Jahrestag der Exekution von mehr als 4000 polnischen Reserveoffizieren durch den sowjetischen Geheimdienst NKWD im Zweiten Weltkrieg.
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Der russische Regierungschef Wladimir Putin und sein polnischer Kollege Donald Tusk in Katyn. (© Foto: dpa)
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18.000 weitere Polen waren an anderen Orten in der Sowjetunion ermordet worden. Es war nun das erste Mal, dass ein russischer Regierungschef nach Katyn kam. Das Verbrechen, das die kommunistische Propaganda stets den deutschen Besatzern zugeschrieben hatte, gilt in Warschau als Symbol für die Unterdrückung der Polen durch die russischen Nachbarn.
Putin machte allerdings bei seiner kurzen Rede auf dem polnischen Teil des Friedhofs deutlich, dass er den Massenmord von Katyn nicht nach nationalen Kategorien bewertet sehen möchte. Er sprach allgemein von Opfern eines "totalitären Regimes".
Die polnischen Offiziere waren nach seinen Worten eine von vielen Opfergruppen des Terrorapparats von Josef Stalin, darunter waren auch Offiziere der Armee des Zaren, Kosaken, orthodoxe Priester, Intellektuelle. Er bezog sich damit auf die sogenannten Säuberungen in der zweiten Hälfte der 30er Jahre, als Tausende exekutierte Sowjetbürger im Wald von Katyn verscharrt worden waren. Die Verschleierung der Wahrheit über die polnischen Opfer sei einhergegangen mit dem Verschweigen des Loses des russischen Volkes.
Mit keinem Wort ging Putin auf die von zahlreichen polnischen Politikern erhobene Forderung ein, Moskau müsse sich für die Ermordung der Offiziere entschuldigen. Stattdessen wandte er sich entschieden dagegen, dem "russischen Volk" die Verantwortung für Katyn aufzubürden. Er erklärte, es sei die Aufgabe polnischer und russischer Historiker, die Verbrechen gründlich aufzuklären.
Beide Nationen hätten unter totalitären Systemen gelitten, doch dürften sie nicht in der Vergangenheit verharren. Sie müssten die Aufrechnungen beenden. "Es gibt keine Alternative zu guten nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und Polen", schloss er seine Rede.
Tusk bezog in seine Rede das Gedenken an die ermordeten Sowjetbürger ein. Er wies darauf hin, dass Katyn der "verlogene Gründungsmythos des kommunistischen Staates" gewesen sei.
Er spielte mit diesen Worten darauf an, dass der Diktator Stalin die Forderungen nach Aufklärung des Verbrechens zum Anlass genommen hatte, noch während des Zweiten Weltkrieges mit der prowestlichen polnischen Exilregierung zu brechen. Entsprechend sei der Kampf um die Wahrheit über Katyn der "Gründungsmythos des freien Polen". Tusk vermied Schuldzuweisung an Moskau.
Nach den beiden Reden legten die beiden Regierungschefs gemeinsam den Grundstein für eine russisch-orthodoxe Kirche, die am Rande des ausgedehnten Gräberfeldes gebaut werden soll. An der Feier nahmen Vertreter der großen christlichen Kirchen teil, darunter der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill, sowie der jüdischen und moslemischen Gemeinschaften.
Nach Katyn gekommen waren auch der frühere polnische Präsident Lech Walesa, der erste nicht kommunistische Premierminister Tadeusz Mazowiecki und der Filmregisseur Andrzej Wajda, dessen Kinoepos über das Verbrechen von 1940 am Karfreitag erstmals im russischen Fernsehen ausgestrahlt worden war.
Mazowiecki hatte im November 1989 als erster polnischer Regierungschef Katyn besucht. Bei beißendem Frost las ein Priester aus der polnischen Delegation damals eine Messe, es war so kalt, dass bei der Opferung das Wasser im Kelch gefror.
Damals galt in Moskau noch, dass die Deutschen für das Verbrechen verantwortlich seien, die polnische Delegation wurde auf dem erst kurz zuvor angelegten Friedhof mit der sowjetischen Nationalhymne empfangen. Als bei der jetzigen Feier die russische Hymne ertönte, versäumten die polnischen Kommentatoren nicht, darauf hinzuweisen, dass die Melodie dieselbe sei wie bei der von Josef Stalin eingeführten sowjetischen Hymne.
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(SZ vom 08.04.2010)
Werter @ganzkleingeist,
leider haben sie etwas Wichtiges vergessen, wissen sie wie viele
ostdeutsche Menschen grossen Schaden erlitten haben, die aus
welchen Quellen auch, die Morde nicht den Deutschen zuordneten,
sondern den Sowjetischen Speziatruppen. Besonders haben sich
viele SED-Parteigenossen, die nachweislich heute Funktionen in der Partei der Linken inne haben auf das erbärmlichste gegen diese
"Verleumder " der Sowjetischen Truppen gewandt. Von diesen Damen und Herren habe ich bis heute keine Entschuldigung wahrnehmen können, dass sie gefehlt haben. Feine Leute !!!!
Quod licet jovi, non licet bovi.
Putin verhält sich hier richtig. Russland muss auf Polen zu gehen. Das Land hat so sehr gelitten. Die Aussöhnung ist jetzt leichter, weil Polen zur EU gehört und nie wieder in die Situation kommen wird, zwischen die Fronten zu kommen - Deutschland und Polen sind sich sehr nah geworden in den letzten Jahren und die alten Wunden heilen langsam.
Für Putin ist innenpolitisch Vorsicht geboten, da jede kritische Äußerung zur russischen Geschichte das Potential hat, als Verrat am eigenen Volk gebrandmarkt zu werden. Insofern ist die klare Aussage des russischen Ministerpräsidenten zu den stalinistischen Verbechen eine positive Nachricht, erst recht wenn sie in Katyn zusammen mit Vertretern Polens geäußert wird.
Natürlich waren die polnischen Militärs eine von vielen Gruppen, die unter Stalin zu leiden hatten. Aber der Mord richtete sich gezielt gegen die Wehrfähigkeit des Nachbarlandes und hat insofern eine weitere, internationale Dimension. Insofern liegt Putin falsch.
Aber dass man in den russisch-polnischen Beziehungen so weit kommen kann, zeigt, wie sehr sich die russische Bevölkerung in Richtung einer kritischen Öffentlichkeit gewandelt hat, die Geschichtsfälschung, Leugnung oder Überhöhung weniger nötig hat als früher.
weil eben nunmal nicht sein kann, was nicht sein darf!
So einfach ist das!
Wir schreiben die Geschichte um, ist ja nicht das 1. Mal.
До свидания, товарищ Stalin
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