Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war mit Abschluss des Hitler-Stalin-Pakts nur noch eine Frage der Zeit. Auch die Sowjetunion hat dies so gesehen, wie Molotow in einer öffentlichen Rede am 31. August unumwunden zugegeben hat. Skrupel kannte auch Stalin nicht.

Der Historiker Ulrich Schlie, Jahrgang 1965, unterrichtete an Universitäten in Berlin und Paris. Derzeit leitet er den Planungsstab des Bundesministeriums der Verteidigung in Berlin. (© Foto: oH)

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Als sich nach dem deutschen Angriff auf Polen am 1. September gegen Monatsmitte der militärische Zusammenbruch Polens abzeichnete, nahm sich Stalin seinen Teil. Die Rote Armee rückte am 17. September nach Ostpolen ein. Als Begründung wurde noch nachgeschoben, der polnische Staat habe aufgehört zu existieren.

Den ersten Zug überließ Stalin stets Hitler, und dieser hatte nun seinen Freibrief zum Krieg. Hektische diplomatische Aktivitäten selbsternannter und neutraler Mittelsmänner hätten Hitler in der letzten Woche vor Kriegsausbruch die Chance eröffnet - getreu dem bis dahin bewährten Rezept - , die mit dem Pakt deutlich verbesserte strategische Lage zu nutzen, um politische und territoriale Zugeständnisse einzuheimsen. Hitler aber schlug dies aus. Er wollte "seinen" Krieg.

Die Fehleinschätzung, Großbritannien würde wegen Polen nicht kämpfen, die Unterschätzung der immer mehr auf Intervention ausgerichteten Vereinigten Staaten und die Überschätzung der eigenen Kräfte haben dazu beigetragen. Was spätestens seit Anfang 1942 offenkundig wurde, dass es Hitler nie verstanden hat, militärische Erfolge in politische Siege umzumünzen, das galt schon für den Sommer 1939. Hitler verzichtete auf Politik, weil er dazu nicht in der Lage war.

Den großen Krieg, die Ausweitung der zunächst europäischen Auseinandersetzung mit dem Angriff auf die Sowjetunion und dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten 1941 ins Globale, hat Hitler so zwar nicht gewollt, aber bewusst in Kauf genommen. Die Geschichte in ihrem Verlauf ist grundsätzlich nie ohne Alternativen. Hitler indes hat mit seinem Verzicht auf Politik alles getan, um die Offenheit geschichtlicher Konstellationen außer Kraft zu setzen.

Er bekam seinen Krieg, und dieser musste mit einer vollständigen militärischen Niederlage und einer moralischen Katastrophe ohnegleichen enden. Auf die Hybris folgte die Nemesis. Am Ende steht der 8. Mai 1945.

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(SZ vom 27.8.2009/mati)