Die Politikerinnen teilen, wie deutlich wurde, heutzutage vor allem ein Problem: In eine Spitzenposition kommen sie zumeist dann und unverhofft, wenn die männlichen Kollegen den Posten für unattraktiv, aussichtslos oder beides halten.

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So widerfuhr es der SPD-Bürgermeisterin von Wismar, Rosemarie Wilcken, die 1990 als Spitzenkandidatin bei der Kommunalwahl antrat, weil sich kein anderer Bewerber fand. Als sie den CDU-Kandidaten schlug, meldeten sich plötzlich doch Interessenten, die meinten, als Spitzenkandidatin müsse man ja nicht unbedingt Stadtoberhaupt werden. Wilcken ließ sich nicht abschrecken, wurde Bürgermeisterin und 2002 im Amt bestätigt. "Frauen zu wählen ist nicht das Problem. Die Hürde ist, nominiert zu werden", sagt sie am Montag im Kanzleramt.

Und Merkel, die Parteivorsitzende wurde, weil nach der Spendenaffäre von Ex-Kanzler Helmut Kohl kein Mann nach dem Amt gierte, sagt an die Adresse der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth: "Frankfurt war für die CDU nicht unbedingt ein sicheres Terrain. Ich weiß nicht, ob Sie sich ansonsten so lang gehalten hätten."

Dass Frauen grundsätzlich bessere Politiker sind, behauptete keine der Damen. Justizministerin Brigitte Zypries (SPD), die es, wie ihre männlichen Kollegen als Innenstaatssekretärin mit ihrem Chef Otto Schily (SPD) wahrlich nicht immer leicht hatte, widersprach gar solchen Thesen: "Stress hat man mit jedem Vorgesetzten. Deshalb muss man dafür sorgen, dass man möglichst wenig hat. Es kommt weniger auf das Geschlecht als auf den Charakter an".

Sie befand zwar, dass die Kanzlerin im Kabinett stärker moderiere als ihr Vorgänger Gerhard Schröder (SPD). Doch das sei keine typisch weibliche Eigenschaft. Außenminister und Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier (SPD) sei ein ebenso guter Moderator wie Merkel. Schließlich seien sie sich beide in ihrer Struktur ähnlich.

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(SZ vom 27.1.2009/bavo)