Kleingeist in einem historischen Moment: Eigennutz und parteipolitisches Kalkül prägten die Verhandlungen zum Einigungsvertrag. Dass die Ostdeutschen zurückgewiesen wurden, vergiftete die Atmosühäre.
Wenn sie über die Einheit streiten, dann ergreifen Deutsche aus allen Himmelsrichtungen gern die Gelegenheit, einmal einzuschnappen, von Herzen übelzunehmen, beleidigt zu sein. Noch lieber erklären sie, dass sie schon immer recht gehabt haben. Daher ist die öffentliche Diskussion über Geschichte und Gegenwart der Vereinigung im routinierten Austausch von Rechthaber-Floskeln erstarrt. Das aber schadet der Einheit. Dieses größte und noch unvollendete politische Projekt der deutschen Nachkriegsgeschichte hätte mehr Aufmerksamkeit, mehr Diskussion, vor allem aber mehr Sorgfalt beim Streiten verdient.
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Am 31. August 1990 wird Geschichte geschrieben: Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (links) und DDR-Staatssekretär Günther Krause unterzeichnen die Urkunden zum Einigungsvertrag. (© dpa)
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Man sollte also genau hinhören, wenn Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck, einer der anständigsten und erfolgreichsten Politiker in Ostdeutschland, zu erklären versucht, warum er nun nicht das 20. Jubiläum der Unterzeichnung des Einigungsvertrags feiert. Er war 1990 grüner Volkskammer-Abgeordneter und mithin gegen den Beitritt zur Bundesrepublik nach Artikel 23 des Grundgesetzes. "Wir wollten ein gleichberechtigtes Zusammengehen mit neuer Verfassung und neuer Hymne", hat er jetzt gesagt. Am Tag des Beitritts habe "auch die gnadenlose De-Industrialisierung Ostdeutschlands" begonnen.
Voll Unbehagen kommt Platzeck immer wieder auf die "westdeutsche Haltung des Jahres 1990" zu sprechen: "Diese 'Anschlusshaltung' ist verantwortlich für viele gesellschaftliche Verwerfungen bei uns nach 1990. Es fehlten selbst kleinste symbolische Gesten gen Osten."
Diese inzwischen eifrig kritisierten Äußerungen klingen zunächst seltsam verquer. Denn es gab 1990 in den Bundesländern, die sich anschickten, die "alten" zu werden, keine "Anschlussgesinnung". Im Gegenteil. Sehr viele der damals befragten Bundesbürger standen der Vereinigung skeptisch, distanziert, abwartend gegenüber. Anders als im Osten überwogen Sorgen. Unter halbgebildeten Wessis wurde es Mode, wortreich darzutun, dass Florenz, Paris oder Venedig dem eigenen Gemüt so viel näher lägen als Leipzig, Rostock oder Halle.
Die Ministerpräsidenten der alten Bundesrepublik sorgten dafür, dass partikularistischer Kleingeist die Verhandlungen zum Einigungsvertrag vergifteten. Das hatte mit der schäbigen Kampagne des SPD-Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine gegen Übersiedler aus dem Osten begonnen und setzte sich fort bis hin zur Debatte über die Regelung des Schwangerschaftsabbruchs oder den Sitz der Hauptstadt.
Die von allen damals empfundene Einzigartigkeit des historischen Geschehens schloss selbstsüchtiges Agieren keineswegs aus. Eigennutz und partei- oder länderpolitisches Kalkül prägten auch 1990 Diskussionen und Verhandlungen. Jedermann gönnte den Ostdeutschen den Reisepass sowie das Ende von Zensur und Überwachung, aber dass sie den Auftrag des Grundgesetzes zur Einheit ernst und wörtlich nahmen, missfiel gar nicht so wenigen.
Lesen Sie weiter, wie die gesamte ostdeutsche Volkswirtschaft verhökert wurde und welche Kräfte den Einigungsvertrag prägten.
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... (des Kanzlers Kohl), die den Einigungsvertrag diktitiert hat und die der Kohl-Gesandte Schäuble brutal umsetzte. Ich habe als "Wessi" großen Respekt vor der Langmut der "Ossis", dass sie sich in den letzten 20 Jahren trotz permanenter Missachtung ihrer Lebensleistungen durch die "Siegermacht" BRD zurückgenommen und bescheiden gezeigt haben.
Es ist schon so: Viel Nachahmenswertes aus der DDR wurde in der BRD niedergemacht, nur weil es nicht in den ideologischen Kram der westdeutschen Machthaber passte...
Das war ein Schlachtfest für Heuschrecken und Gewinnler!Die Treuhand hat die DDR verramscht!Wer in erster Linie davon provitierte war die Westliche Industrie !Sie konnte Konkurrenz ausschalten und rentable Teile für den Symbolische Euro ein sacken!
Breuel war die falsche CDU Politikerin für den Job!Was der Vater kann ,kann die Tochter noch lange nicht!
Das hat sie ja später noch bei der Expo gezeigt das sie nicht einmal einen Kindergarten verwalten kann!
Leider enthält er wie üblich eben auch einen Teil der Lügen, unter denen die DDR begraben liegt. Ich will sie nicht benennen, das würde den Rahmen sprengen.
Eines jedoch muß angemerkt sein: Die Ostdeutschen sind den Westdeutschen z.T. doch noch immer nicht gut genug. Beispiele werden bekannt sein.
Dummerweise waren eben nicht alle DDR-Bürger Ärtzte oder andere hohqualifizierte Leute, die man doch seit Existenz dieses Staates immer sehr gern genommen hat, genauso wie die bis 1989 in den "technologisch maroden" Betrieben produzierten Waren, die in den großen Versandhäusern zum Sortiment gehörten.
Das von der Treuhandanstalt verursachte Defizit beruht doch, wie bekannt sein dürfte vor allem darauf, daß sich die dort Organisierten die Taschen füllten.