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60 Jahre BRD: 1970er Jahre – Versöhnliche Gesten und blutiger Terror
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"Deutschland ist freigesprochen" - so lautet die Schlagzeile der französischen Zeitung Combat, als das Nobel-Komitee in Oslo Kanzler Brandt zum Friedensnobelpreisträger erklärt. Bundestagspräsident Kai-Uwe von Hassel unterbricht an jenem 20. Oktober 1971 die Debatte über den Haushalt für 1972, um den Kanzler die Glückwünsche des Hauses auszusprechen. Die Union ist sich unsicher, wie sie mit dem frisch Gekürten weiter umgehen soll. Die erbitterte Gegnerschaft, die sich vor allem an Brandts Ostpolitik entzündet - eben jene, für die der Kanzler nun den Friedensnobelpreis erhalten sollte - ist zumindest für einen Augenblick vergessen. Wenn auch nicht so ganz: Während sich die SPD- und FDP-Abgeordneten sowie die Ministerriege von ihren Plätzen erheben, um ihrem Kanzler applaudierend die Ehre zu erweisen, bleibt die Union sitzen. Nur Oppositionsführer Barzel verlässt seinen Platz, um seinem Kontrahenten persönlich die Hand zu geben. Brandt selbst, der von einem Parteigenossen zu mehr Kampfeslust gegen Barzel ermuntert wird, bleibt ironisch gelassen: "Damit habe ich jetzt nichts mehr zu tun. Ich bin nur noch zuständig für große Dinge, für Frieden und so."
Foto: dpa
6. April 2009, 16:00 2009-04-06 16:00:00