Die Christsozialen in Bayern widersetzten sich von Beginn an einem Führungsanspruch der CDU. Ohnehin hatten sie noch über Jahre damit zu tun, die Bayernpartei als lästige Konkurrenz abzuschütteln, ehe sich die CSU zur dominanten politischen Kraft in Bayern entwickelte und mithin zur wohl einzigen Partei in Deutschland, die den Anspruch zu erheben schien, dass Land und Partei ein und dasselbe seien und die CSU nicht nur die Regierung, sondern in den eigenen Reihen auch gleich die wichtigste Opposition stelle.
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Die erstaunliche Stabilität des Parteiensystems hatte formale wie realpolitische Gründe. So wurde schon bei der zweiten Bundestagswahl 1953 die Fünf-Prozent-Hürde eingeführt. Sie reduzierte die im Parlament vertretenen Parteien trotz des speziellen bundesdeutschen Wahlrechts, einer Mischform aus Verhältnis- und Persönlichkeitswahl. Selbst ausgewiesene Befürworter eines Mehrheitswahlrechts wie der Publizist Dolf Sternberger, diagnostizierten ein "Wahlwunder", das nicht nur begrifflich mit dem Wirtschaftswunder verwandt war.
Die schnelle ökonomische Erholung steigerte die Integrationskraft der großen, insbesondere der Kanzlerpartei. Bürgerliche Splitterparteien wurden von der CDU in einer Art Blockbildung eingebunden, was sich für die allermeisten als "tödliche Umarmung" (Edgar Wolfrum) erwies. Als besonders erfolgreich gilt vor allem die politische Integration der Vertriebenen, die sich zu großen Teilen im Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) organisierten, wobei hier auch alte Nationalsozialisten mitmischten.
In Schleswig-Holstein lag diese Partei bei der Landtagswahl 1950 noch mit 23,4 Prozent der Stimmen vor der CDU. Bei den Bundestagswahlen 1953 schaffte sie noch 5,9 Prozent, wurde von Adenauer an der Regierung beteiligt und damit marginalisiert: 1957 zog sie nicht mehr in den Bundestag ein.
Je stabiler das Parteiensystem, desto mehr nahmen sich allerdings auch die Parteien selbst heraus. Konnten die Versuche Adenauers, ein Staatsfernsehen einzurichten, noch abgewehrt werden, so ist der Einfluss der Parteien im öffentlich-rechtlichen Rundfunk noch massiv, wie einmal mehr der Streit um ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender offenbart. Patronage gehört zu den Auswüchsen in einer politischen Landschaft, die auch die Wirtschaft in ihrem Sinne zu pflegen versuchte, wie kleine und große Parteispenden-Skandale zeigten. 1992 kritisierte der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker, die Parteien seien machtversessen mit Blick auf Erfolge und machtvergessen bei der Lösung politischer Probleme.
So wie die Vermehrung des Wohlstandes das Parteiensystem konzentrierte, beförderten das Wachstum selbst und später auch seine Verknappung eine Tendenz nicht zu einem zersplitterten, aber doch zu einem aufgefächerten politischen Spektrum. Die Grünen bildeten sich als Antwort auf die Hemmungslosigkeit des ökonomischen Fortschritts, die Linke erstarkte im Protest gegen das Ende des Verteilungsstaates, der seine Bürger jahrzehntelang verwöhnen konnte und nun an das Ende seiner Möglichkeiten gekommen war.
Mit der Vermehrung der Parteien im Parlament ist deren Lösungskompetenz nicht gestiegen. Die erforderlichen Anpassungen an veränderte weltwirtschaftliche und sozialstaatliche Herausforderungen seien zu lange verschleppt worden, diagnostiziert der Parteienforscher Elmar Wiesendahl. Dies mache sich jetzt als "Problemüberlast für die überforderten Parteien bemerkbar". Und dieser Satz wurde noch vor der Pleite der Lehman Brothers geschrieben.
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(SZ vom 21.03.2009)
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