Italien Verletzte bei Studentenprotesten

130.000 Jobs weniger - das ist nur eine Konsequenz der Bildungsreform der Regierung Berlusconi. Das Parlament hat zugestimmt und löst damit neue Proteste aus.

Bei Demonstrationen von Studenten gegen die Kürzungspläne der italienischen Regierung im Bildungsbereich ist es in Rom zu Ausschreitungen gekommen. Polizeiangaben zufolge wurden drei Studenten und ein Beamter bei den Zusammenstößen auf der historischen Piazza Navona verletzt.

Protestierende Studenten am Bahnhof von Neapel

(Foto: Foto: dpa)

Die Proteste der Studenten verliefen laut Augenzeugenberichten zunächst friedlich, bis Rechtsradikale mit Knüppeln und Ketten bewaffnet auf den Platz gestürmt seien und sich Kämpfe mit Studenten geliefert hätten. Tische und Stühle eines Cafés flogen umher und Touristen versuchten sich in Sicherheit zu bringen, bis Polizisten in Schutzausrüstung das Handgemenge beendeten. Ungefähr 15 Studenten seien festgenommen worden, teilte die Polizei mit.

Die Proteste der Studenten begannen, nachdem der italienische Senat den Gesetzentwurf der Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi gebilligt hatte. Das Gesetz soll der Regierung zufolge Verschwendungen im Bildungswesen reduzieren und die italienischen Schulen im europäischen Vergleich verbessern. Die Mitte-Links-Opposition will die Maßnahmen durch ein nationales Referendum verhindern.

"Die meisten meiner Studenten realisieren, dass sie ins Ausland gehen müssen, entweder in die USA oder sonst irgendwo in Europa, wenn sie ihre Karriere voranbringen wollen", sagte der Physikprofessor Carlo Maria Bertoni, der seine Vorlesung aus Protest gegen die Regierungspläne auf der Piazza Navona gehalten hatte. Auch in anderen italienischen Städten kam es zu Protesten von Studenten, Schülern und Lehrern.

Der Senat hatte in der Schlussabstimmung mit 162 Stimmen für die umstrittene Bildungsreform votiert, mit der auch der Einheitslehrer - statt eines Pädagogenteams - in den Grundschulklassen wieder eingeführt wird. Die Reform soll auch den Abbau von bis zu 130.000 Lehrer- und Verwaltungsstellen in den kommenden Jahren mit sich bringen. 134 Senatoren stimmten gegen das Gesetz der 35-jährigen Bildungs- und Forschungsministerin Mariastella Gelmini, drei enthielten sich. Die Regierung von Silvio Berlusconi hat im Parlament eine klare Mehrheit.

Für Donnerstag haben die Gewerkschaften einen Generalstreik in den Schulen und Universitäten ausgerufen. Am vergangenen Samstag hatten in Rom Hunderttausende Menschen bei einer Großdemonstration der Opposition gegen die Politik der Regierung Berlusconi protestiert.