Nachdem der italienische Premier Romano Prodi die Vertrauensabstimmung im Senat verloren hatte, schoss die Opposition mit Champagnerkorken auf die Regierungsbänke. Prodi reichte seinen Rücktritt ein.
Die italienische Mitte-links-Regierung unter Premier Romano Prodi ist nach 20 Monaten im Amt zerbrochen. Am Donnerstagabend verweigerte der Senat in Rom Prodi das Vertrauen. 161 Senatoren stimmten gegen den Ministerpräsidenten, 156 votierten für ihn. Prodi reichte seinen Rücktritt bei Staatspräsident Giorgio Napolitano ein.
Die Opposition feiert mit Champagner. (© Foto: AP)
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Nach der Abstimmung brachen im Senat Tumulte aus. Aus dem rechten Oppositionslager wurde mit Champagnerkorken in Richtung der Regierungsbänke geschossen. Nun muss Napolitano entscheiden, ob er Neuwahlen ansetzt oder einen anderen Politiker beauftragt, sich im Parlament eine Mehrheit zu suchen. Die Opposition unter Führung des Ex-Premiers Silvio Berlusconi dringt auf eine sofortige Neuwahl. Berlusconi kann nach Meinungsumfragen mit einer großen Mehrheit rechnen.
Napolitano hatte Prodi bis zuletzt bedrängt, freiwillig abzutreten und so die Niederlage im Senat zu vermeiden. Dadurch hätte der Präsident die Möglichkeit erhalten, Prodi erneut mit einer Regierungsbildung zu beauftragen. Der Premier lehnte dies ab. Er begründete das damit, in einer Demokratie dürfe das Schicksal der Regierung nicht in den politischen Salons entschieden werden.
Vielmehr müssten seine bisherigen Koalitionspartner im Parlament vor den Augen der Öffentlichkeit die Verantwortung übernehmen. Wenn seine Regierung scheitere, dann sollten die Italiener wissen, an wem. "Niemand darf sich der Pflicht entziehen, zu sagen, welche andere Regierungsmehrheit er an Stelle der jetzigen wünscht", sagte Prodi. "Ich bin nicht stur, sondern konsequent."
Zu Fall brachten den Premier Abtrünnige aus verschiedenen Gruppierungen seiner Koalition, die von Kommunisten bis hin zu Wirtschaftsliberalen reichte. Entscheidend war, dass die christdemokratische Partei Udeur Anfang der Woche aus der Koalition ausstieg. Einer der drei Udeur-Senatoren erklärte am Donnerstagnachmittag dennoch, er werde für Prodi stimmen.
Er wurde daraufhin von einem anderen Senator - einem christdemokratischen Parteifreund - derart attackiert, dass er kollabierte und auf einer Krankentrage hinausgebracht werden musste. Die Udeur solidarisierte sich daraufhin sofort mit dem Angreifer. Udeur-Chef Clemente Mastella - der nun zur Opposition übergelaufene bisherige Justizminister - beschimpfte den zusammengebrochenen Senator als "Verräter".
Angesichts der Krise in Italien favorisiert Napolitano nun eine Regierung der nationalen Verantwortung, die vor der nächsten Abstimmung das geltende Wahlsystem reformieren soll. Auch manche Parteipolitiker liebäugeln mit einer großen Koalition aus Berlusconis Partei "Forza Italia" und der stärksten Linkspartei "Demokraten". Der Forza-Italia-Senator Giuseppe Pisanu sagte: "Die italienische Krise ist so schwerwiegend, dass eine Regierung schon 80 Prozent Zustimmung bräuchte, um unpopuläre Maßnahmen durchsetzen zu können."
Die Europäische Union blickt indes mit Sorge auf die Instabilität in Italien. EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Joaquin Almunia sagte am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos, er hoffe, dass die italienische Regierungskrise so schnell wie möglich bewältigt werde. "Nur so lassen sich die wirklich wichtigen Punkte wie die Wirtschaftsprobleme angehen."
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(SZ vom 25.01.2008/jkr)
Das bißchen Wahlrechtsänderung hilft Italien auch nicht weiter. Gewählt werden dann sowieso wieder die alten Figuren, und die haben keinerlei Interesse an irgendwelchen Reformen, die ihnen ihre Politik zwischen Anmaßung und Illegalität verderben könnten. Und wenn ich die Bilder aus dem römischen Senat sehe, fällt mir - mit Verlaub - nur noch das Wort Saustall ein.
Eine technsiche Regierung wäre jetzt das Beste was Italien passieren könnte, um die so notwendigen Reformen, wie das Wahlsystem, durchzupeitschen und Italien endlich mehr Stabilität zu garantieren. Aber das wahlsystem ist nur eines von so vielen Reformen und änderungen die dieses Land braucht. ich hoffe wirklich dass diese Chance zum Umbruch genutzt wird.
@lavis
meine Familie wohnt in Segonzano, nicht weit von Ihnen...kleine Welt ;-)
@fieldy77: ich wohne genau dort, Nevisburg hiess das Dorf, in alten tirolerischen Zeiten.
Bossi hat sich nie so ernst fuers Föderalismus eingesetzt. Um consensus zu haben hat er immer Ausländerfeindlichkeit und andere schwachsinnige Themen bevorzugt.
Wie geht's weiter? Eine technische Regierung, mit Mario Draghi (Chef von Bankitalia) an der Spitze, die sich um wahre Reformen kümmert? Mit diesem Wahlsystem würden wir am sonsten das ewige Chaos haben.
Lavis ist ein Dorf im Trentino. Nehme an Ihren Nicknamen haben Sie daher :-)
Bin absolut dafür dass Italien sich dezentralisiert und sich die Regionen von Rom abkapseln. Die Föderalismusreform wurde von Bossi unter der letzten Berlsuconiregierung angestrebt und ich hoffe dass die nächste Regierung, wer auch immer regieren sollte, dies weiter verfolgt.
Scham.Scham.Scham. Wie kann man sich als Italiener sonst fühlen? Es gibt aber eine einfache Lösung, schmerzlos, effizient und schnell.
Im Jahre 1998 würde das Euregio (Tirol-Südtirol-Trentino) gegründet. Jetzt könnte man es eigentlich sehr dringend brauchen: ein Bund unter den 3 autonomen Provinzen, Hauptstadt Bozen, 3 anerkannte Sprachen: deutsch, italienisch, ladinisch.
Der Rest Italiens? Stichwort Föderalismus: jedes Land muss verantwortlich sein für was dort passiert. Sonst werden immer die Länder des Südens, wie Romolo und Remo, an die Brüste der Wölfin hängen.
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