Das System Berlusconi ist an seinem Schöpfer Berlusconi gescheitert. Aber es ist an seinem ehemaligen Partner Gianfranco Fini, ihm den letzten Stoß zu versetzen.
Ob es nur noch Tage sind oder einige Wochen bis zum politischen Aus von Silvio Berlusconi, spielt eigentlich keine Rolle mehr. Gianfranco Fini hat ihm das Messer an die Kehle gesetzt. Er will das Trauerspiel eines alternden Patriarchen und seiner gelähmten Regierung beenden, und damit das einer Partei, die sich seit Monaten selbst zerfleischt.
Bild vergrößern
Gianfranco Fini(li.) will Schluss machen mit der politischen Ausnahmestellung von Premier Silvio Berlusconi(re.). (© dpa)
Anzeige
Die Agonie der Macht von Italiens Premier hat spätestens im vergangenen Sommer begonnen. Da warf er Fini vor die Tür, den Mitgründer seiner Partei PDL. Doch Berlusconi hatte sich gründlich verrechnet mit den Mehrheitsverhältnissen im Parlament und wurde erst recht abhängig von seinem Widersacher. Es steht nun das Ende einer Ära bevor, in der Berlusconi Italien geformt und deformiert hat.
Mit großen Hoffnungen hatte der Quereinsteiger begonnen. Als Berlusconi 1994 die Politikbühne betrat, war er unbelastet von den Kungeleien des unter Skandalen zusammengebrochenen alten Parteiensystems. Mit seinem enormen Erfolg als Unternehmer erschien er vielen als ein Garant dafür, Italien voranzubringen. Vier Mal ist er seither wiedergewählt worden. Seine Versprechungen von Reformen, Entbürokratisierung, Steuersenkungen und sein Charisma überstrahlten für viele alles andere: die Justizaffären, die mafiaverstrickten Freunde, die Berlusconi von Anfang an begleitet haben - und auch seine anrüchige Doppelfunktion als größter Medienunternehmer des Landes und als Regierungschef.
Doch nach seiner Wiederwahl vor zwei Jahren war immer schwerer zu übersehen, dass vieles zum Trugbild gerät. Der Populist Berlusconi will den Italienern, ja der ganzen Welt, vorgaukeln, er habe alles im Griff und widme sich ganz dem Wohle Italiens. Die Regierung hat ihre Kraft aber bisher vor allem mit der Suche nach Gesetzeslösungen verbraucht, die den Premier vor Prozessen schützen sollen.
Fini hat es auf den Punkt gebracht: Die angebliche "Regierung der Tat" ist in Wirklichkeit eine des "Tuns als ob". Italiens Unternehmer, Arbeitnehmer, Familien und junge Leute werden von der Politik alleingelassen mit ihren Nöten und berechtigten Sorgen. Sie äußern das immer vernehmlicher und bekommen keine Antworten.
Nicht nur die Regierung ist gescheitert, sondern auch das Parteiprojekt PDL. Zusammengegossen aus Finis voriger Partei AN und Berlusconis Forza Italia, sollte sie die gesamte Rechte einen, die "liberale Revolution" schaffen. Fini gibt auch dieser Partei keine Zukunft mehr. Die PDL ist eine Partei geworden, die nur um die Person Berlusconi kreist und um den Erhalt seiner Macht um jeden Preis. Die PDL ist eine Versammlung von Leuten, die Berlusconi stützen, um selbst nicht aus dem System zu fallen, von dem sie profitieren. Es gibt keine innere Demokratie in ihr, Berlusconi beschließt alleine und damit basta.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Thema
- Silvio Berlusconi RSS
- Italien: Fini gründet Partei Revolte des Adjutanten 05.10.2010
- Italien Angriff vom einstigen Verbündeten 07.11.2010
- Italien: "Rubygate" Berlusconi sieht sich als Opfer der Unterwelt 05.11.2010
- Italien: Neue Affäre um Berlusconi Baby Baby, Bunga Bunga 29.10.2010
- Berlusconi und seine Rhetorik "Besser als schwul zu sein" 02.11.2010
- Prozess gegen Silvio Berlusconi George Clooney, Zeuge der Verteidigung 24.11.2011
- Designierter italienischer Regierungschef Monti Furchtlos gegen Privilegien 14.11.2011
insofern abwarten. Und wenn er weg sein sollte, dann hat das ihn protegierende System sicher schon einen "würdigen" Nachfolger in petto.
Die CDU in Italien? Da werden nicht nur die Italiener herzhaft lachen müssen, das hatten soe nämlich mit der DC (Democrazia Cristiana) und die haben im kleinen Stil das gemacht, was unsere heutige CDU im großen macht: Die Wirtschaftsmarionette spielen und Verbrechen ins legale biegen.
Unsere Wirtschaft besteht zu 62% aus ausländischen Firmen, weil Deutschland geographisch zentral liegt und Großunternehmen bei uns ein Steuerparadies vorfinden. Ansonsten würden wir uns heute selbst griechische Verhältnisse wünschen.
Wenn es den Italienern gelingt, den Süden an den Norden anzugleichen, dann werden sich die letzten Probleme in Luft auflösen. Früher war Italien ein Auswanderungsland, heute sind sie das Einwanderungsland schlechthin. Das kleine Dreieck Genua-Turin-Mailand erwirtschaftet 60% gemessen an unserem gesamtdeutschen Bruttosozialprodukt. Die Rechten müssen weg, erst dann kann der Weg zur Sanierung des Südens endgültig beschritten werden. Da wo Rechte oder wie bei uns Mitte-Rechtsparteien ihr unwesen treiben, wird zwar jede Menge Kohle gemacht, die verschwindet aber immer in die falschen Hosentaschen. Die einen sind Denker und die anderen eben nur, wie bereits gesagt, Wirtschaftsmarionetten.
Zitat: "Eine politische Kraft der bürgerlichen Mitte nach dem Vorbild einer Partei wie der CDU und europäisch orientiert."
Das ist definitiv falsch! Erstens haben die CDU und der Berlusconiarm der PDL Forza Italia die exakt identischen Grundstrukturen. Der Unterschied besteht in erster Linie bei den Deutschen und Italienischen Wählen, wie auch bei der Presse. Hätte Berlusconi das selbe durchgezogen wie Westerwelle, bei dem sich die Hotelbranche für 1,1 Mio die Steuersenkung erkauft hat, wäre das als größter Korr-uptionsfall der sogenannten Nuller Jahre in Italien eingegangen.
Während bei den Italienern jeder Pups von Berlusconi wochenlang diskutiert wird, wird bei uns das falsche Spiel bekannter Damen und Herren aus Wirtschaft und Politik lediglich angekratzt! Was bei uns illegal ist, wird mal eben legal gemacht - Tag für Tag - das hat Berlusconi im immunitätsverfahren versucht und wurde dafür fast gevierteilt.
Für italienische Verhältnisse ist Berlusconi eine Katastrophe, für unsere wäre er gemessen an der kor. Clique noch ein Segen. Italien hat binnen 2 Jahren das modernste und beste Autobahnnetz erschaffen, dafür hat es ein Fingerschnipp gebraucht. Wir fahren auf Feldwegen, die bestenfalls in den 70ern die Sicherheitsstandards erfüllten, siehe -> ADAC: Die schlechtesten Autobahnen und Straßen.
Natürlich muss Italien zu seinen kulturellen und intellektuellen Linkswurzeln zurückkehren, kommt Zeit, kommt Rat. Aber unsere Verhältnisse kommen für die überhaupt nicht in Frage. Das Problem ist der Süden, da müssen Leute im Handwerk z.T. mit 1200 Euro im Monat auskommen. Wäre der Süden wie der Norden, wäre Italien sogar vor Frankreich die Nr. 1 in allen Bezügen!
...hiess es einst......allein mir fehlt der Glaube, da wird sich nur irgendetwas ändern.....
die noch nicht begriffen hat, dass die Welt nicht nach Deutschem Muster funktionieren muss (zum Glück nicht).
Und dass Frau Bachstein von Polit- und Wahlverdrossenheit bei den Italienern spricht, zeigt bestens, dass sie mit Italien und der italienischen Mentalität kaum vertraut ist (vielleicht hat sie ja auch nur politverdrossene Deutsche Emigranten gefragt... ).
Berlusconi ist sicherlich eine schillernde Figur war und wie bei allen schillernden Figuren darf man darüber diskutieren (sollte dabei aber mal den Dreck von der eigenen Türe wegwischen... ). Aber seine Regierung hat das Land vorwärts gebracht, wenn auch nicht alle Probleme gelöst sind.
Während die Vorgängerregierungen relativ untätig und mit sich selbst beschäftigt waren.
Dass Fini eine "Deutsche CDU" mit Europäischer Integration möchte ist äusserst stark anzuzweifeln und wohl eher ein herbeigesehnter Wunschtraum der Autorin , die Italien immer noch typisch deutsch-überheblich als Entwicklungsland betrachtet und meint, wenn Deutsche Ruhe und Ordnung herrschen würden, das nur gut sein soll (eine Regierung die stehlen gehen muss wie die Deutsche, damit man vor dem eigenen Publikum gut dasteht...).
Viel eher will Fini den produktiven Norden international stärken, während man wohl nicht darum herum kommt, mit dem sozialistischen und korrupten Süden zu leben und vielleicht den einen oder andern kleinen Fortschritt zu erzielen. Die Europäische Integration in Italien ist nur soweit erwünscht, als dass es wirtschaftliche Vorteile bringen kann.
Paging