Opus Dei, Mafia, Geldwäsche: Ein Buch erforscht die unglaubliche Karriere des Medien-Premiers Silvio Berlusconi - vom Staubsauger-Verkäufer zum Regierungschef.
Seine Tanten waren ins Kloster gegangen, und sie sagten immer wieder, er hätte "einen guten Kardinal abgegeben". Die weihevolle Inszenierung, das Patriarchalische, liegt ihm. Und so meint Silvio Berlusconi über sich selbst: "Tatsächlich hätte ich der heiligen Mutter Kirche wohl vieles geben können."
Er war schon immer ein Mann der Gesten: Silvio Berlusconi, amtierender Regierungschef und mächtigster Mann im italienischen Fernsehen. (© Foto: dpa)
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Seit 2001 sitzt dieser Mann als Ministerpräsident in Rom, in der Gründungsstadt der Europäischen Gemeinschaft, und hat doch vieles ins Lachhafte gezerrt, was Grundprinzip der Demokratie war.
Er kontrolliert das Privatfernsehen Italiens, beaufsichtigt das Staatsfernsehen Rai, besitzt mit seiner Familie den größten Verlag Mondadori und darüber hinaus Zeitungen, setzt verbliebene freie Blätter unter Druck, nennt den Fußballklub AC Mailand sein Eigen - und erlässt Gesetze, die ihn vor Strafen für Delikte wie Bilanzfälschung schützen. Alles im Dunstkreis von Leuten mit Mafia-Kontakten und mit dem Segen vieler im Vatikan.
"Europa schaut gelangweilt zu, während in Italien die Demokratie in Gefahr geraten ist", schreiben Udo Gümpel und Ferruccio Pinotti in ihrem jetzt im Bertelsmann-Verlag Riemann erschienenen Buch Berlusconi Zampano - die Karriere eines genialen Trickspielers.
Es ist nicht erstaunlich, dass sich Berlusconi so gut mit Putin versteht
Die Autoren haben das Ungeheuerliche aus 500.000 Seiten Untersuchungsbericht der Mailänder Richter zusammengetragen, die seit Jahren der Korruption den Kampf angesagt haben. Der Buchband präzisiert, was der Publizist Alexander Stille in seinem jüngst von C.H. Beck herausgegebenen Werk Citizen Berlusconi feuilletonistisch beschrieb: den permanenten Missbrauch von Macht und die schlimmsten Auswüchse übler Medienkonzentration.
Es ist nicht erstaunlich, dass dieser 68-jährige, 1,68 Meter große Potentat, der sich Haarteile verpflanzen ließ, so gut mit dem russischen Regierungschef Wladimir Putin harmoniert, der mit Staatsfirmen ebenfalls das Fernsehen seines Landes beherrscht.
Die gute Beziehung zu seinem englischen Kollegen Tony Blair, der auf Berlusconis sardischer Familienresidenz Familienurlaub machen durfte, wird verständlicher, wenn man um die Rolle des Labour-Anhängers David Mills weiß, des Mannes von Blairs Kulturministerin Tessa Jowell: Der Anwalt, der in Downing Street No. 10 ein und aus geht, entwarf für Berlusconi ein riesiges Schattenreich mit Dutzenden von Geheimfirmen und Hunderten schwarzer Kassen, einen Konzern B neben dem 1974 gegründeten offiziellen Unternehmen Fininvest.
Geschäftszweck: "Friseursalon und Kosmetikinstitut"
Mills, den bald in Mailand sein Prozess erwartet, hat sich um Scheinverträge gekümmert, die regelten, wie TV-Senderechte zwischen einzelnen Firmen der Fininvest hin und her geschoben wurden. Der Wert der Rechte wurde so um 150 Millionen Euro aufgebläht. In Mills Londoner Büro fand die Polizei Dokumente; sie belegen, wie sich dank Advokats Hilfe Schwarzgeldkonten mit mehr als 45 Millionen Euro füllten.
Ein globales Imperium - von Panama bis zu den Virgin Islands - zur Steuervermeidung entstand. Vergeblich klagte Berlusconi dagegen, dass die Mailänder Richter die brisanten Dokumente aus London benutzen dürfen. Mills hat bestätigt, 1988 auf Jersey die erste Off-Shore-Firma All Iberian gegründet zu haben.
Die Gruppe Berlusconi, die heute 90 Prozent des TV-Markts und 40 Prozent der Presse kontrolliert, wird von 38 Holdings gelenkt. Sie firmieren unter "Holding Italiana", als Geschäftszweck wurde "Friseursalon und Kosmetikinstitut" angegeben. Als Verwalter ist die dubiose Treuhandfirma Par.Ma.Fid aufgetreten, die zur gleichen Zeit auch das Vermögen von Antonio Virgilio betreute, einem Finanzier der sizilianischen Cosa Nostra.
Transparenz über Fininvest gibt es nicht. Berlusconi setzte als "Staatsmann" durch, dass er über die Kapitalverflechtungen nicht Auskunft geben müsse.
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