Istanbul Staatsanwalt stirbt nach Geiselnahme

  • Die türkische Polizei hat eine Geiselnahme in einem Istanbuler Gericht beendet und zwei Linksextremisten erschossen.
  • Der befreite Staatsanwalt stirbt wenig später im Krankenhaus.
  • Der Strafverfolger war zuständig für das Verfahren gegen Polizisten, die für den Tod des Teenagers Berkin Elvan verantwortlich sein sollen.
  • Berkin Elvan war 2013 bei Protesten im Istanbuler Gezi-Park von einem Tränengasgeschoss getroffen worden und starb später an den Folgen seiner Verletzungen.

Staatsanwalt erliegt seinen Verletzungen

Die Polizei in Istanbul hat die Geiselnahme des Staatsanwalts Mehmet Selim Kiraz durch Linksextremisten nach neun Stunden gewaltsam beendet. Die beiden Täter seien bei dem Zugriff im zentralen Justizgebäude der türkischen Metropole am Dienstagabend getötet worden, sagte Istanbuls Polizeichef Selami Altinok.

Der Staatsanwalt hatte die Geiselnahme zunächst überlebt, erlag den lebensbedrohlichen Verletzungen aber wenig später in einem Istanbuler Krankenhaus, wie der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu erklärte. Die Täter seien inzwischen identifiziert worden. Sie seien 24 und 28 Jahre alt gewesen, sagte Davutoğlu weiter.

Zuvor hatten die Mitglieder der Revolutionären Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) den Staatsanwalt Kiraz im Istanbuler Justizpalast in ihre Gewalt gebracht. Er war zuständig für die Ermittlungen im Fall des 15-jährigen Teenagers Berkin Elvan, der 2013 bei Protesten im Istanbuler Gezi-Park von einem Tränengasgeschoss getroffen wurde und in der Folge an seinen Verletzungen starb. Sein Tod löste in der Türkei neue massive Proteste aus.

Geiselnehmer wollten Schuldbekenntnis erzwingen

Die Geiselnehmer hatten verlangt, dass die Polizisten, die für den Tod von Berkin Elvan verantwortlich sein sollen, sich öffentlich dazu bekennen. Außerdem hatten sie die Polizisten aufgefordert, sich einem "Volksgericht" zu stellen. Zudem sollten alle Menschen, die im Zusammenhang mit Solidaritätsbekundungen für den getöteten Teenager verurteilt wurden, freigesprochen werden. Unklar blieb, wie die bewaffneten Geiselnehmer in das gesicherte Gebäude eindringen konnten.

Die linksextreme DHKP-C wird von der EU, den USA und der Türkei als terroristische Organisation eingestuft. Die Gruppierung soll für einen Anschlag auf die US-Botschaft in der Türkei im Jahr 2013 verantwortlich gewesen sein.