Im Verfahren gegen den als "Kalif von Köln" bekannten Islamistenführer hat die türkische Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe beantragt. Sie wirft Kaplan vor, einen Umsturzversuch geplant zu haben.
Im Prozess gegen den aus Deutschland abgeschobenen Islamistenführer Metin Kaplan in der Türkei hat die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe beantragt.
Metin Kaplan im Gerichtssaal in Istanbul (© Foto: dpa)
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Die Anklagevertretung begründete dies am zweiten Prozesstag am Montag mit dem Vorwurf, Kaplan habe einen bewaffneten Umsturzversuch gegen die türkische Regierung geplant.
Der Angeklagte wies die Vorwürfe erneut zurück. Die Verhandlung soll am 30. Mai mit dem Schlussplädoyer der Verteidigung fortgesetzt werden; ein Urteil wird im Juni erwartet.
Die türkische Justiz wirft dem als "Kalifen von Köln" bekannten Kaplan unter anderem vor, er habe 1998 einen Anschlag auf die in Ankara versammelte Staatsspitze der Türkei geplant.
Kaplan leugnet Vorwürfe
Schon bei Prozessbeginn am 20. Dezember vergangenen Jahres hatte Kaplan betont, er sei zwar Islamist, lehne Gewalt aber ab. Am Montag sagte er erneut, er lehne die Schuldvorwürfe ab.
Auch die deutschen Behörden hätten im Jahr 2001 festgestellt, dass seine Organisation "Kalifatsstaat" keine terroristische Vereinigung sei. Eine Türkei, die auf dem Weg in die EU sei, dürfe die Organisation daher ebenfalls nicht als terroristisch einstufen.
Kaplans Anwalt Ismet Koc sagte, das Gericht habe den Antrag der Verteidigung abgelehnt, Kaplan für die Dauer des Verfahrens auf freien Fuß zu setzen.
Brief an den Papst
Kaplan wurde nach der Verhandlung wieder ins nordwesttürkische Hochsicherheitsgefängnis Tekirdag gebracht, wo er seit seiner Abschiebung aus Deutschland im vergangenen Oktober in Untersuchungshaft sitzt.
Ob bis zum nächsten Verhandlungstag das neue Strafgesetzbuch der Türkei in Kraft sein wird, ist ungewiss. Das türkische Parlament hatte das ursprünglich für den 1. April geplante Inkrafttreten der Strafrechtsreform vergangene Woche um bis zu zwei Monate verschoben. Anwalt Koc sagte, er rechne im Juni mit dem Urteil im Kaplan-Prozess.
Am Rande der Verhandlung sagte Kaplan, er habe den am Wochenende gestorbenen Papst Johannes Paul II im vergangenen Jahr in einem Brief aufgefordert, zum Islam überzutreten.
Er habe noch von Deutschland aus an den Papst geschrieben und ihn per Brief zum Übertritt zum Islam aufgefordert. Eine Antwort des Papstes sei aber ausgeblieben, sagte Anwalt Koc.
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(AFP)