Israels Verhältnis zu Iran Peres hält Militärschlag für wahrscheinlich

"Harsche Sanktionen oder militärisches Handeln": Der israelische Präsident Peres heizt die Debatte um einen möglichen Militärschlag gegen das iranische Atomprogramm weiter an - und ruft die Staaten der Welt zum Handeln auf.

Ein Militärschlag Israels und anderer Staaten gegen das iranische Atomprogramm wird nach Einschätzung des israelischen Präsidenten Schimon Peres immer wahrscheinlicher. "Die Geheimdienste aller Länder wissen, dass die Zeit abläuft und warnen ihre Führer", zitierte die Zeitung Haaretz aus einem Fernsehinterview mit dem Staatschef. Iran könne schon in sechs Monaten einen Atombombe haben.

Israel und der Westen vermuten seit langem, dass Iran unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms auch Atombomben entwickelt. Teheran hat das stets bestritten und für den Fall eines Angriffs eine "apokalyptische" Antwort angedroht. Peres betonte zugleich, die Welt sei nun gegenüber Israel in der Pflicht, die iranischen Atombestrebungen zu stoppen. "In der noch verbleibenden Zeit müssen wir die anderen Staaten der Welt zum Handeln drängen und ihnen sagen, dass es nun Zeit ist, die uns gegebenen Versprechen einzulösen, ihre Pflicht entweder durch harsche Sanktionen oder durch militärisches Handeln zu erfüllen", betonte der 88-Jährige.

Die Drohungen aus Israel werden im Iran zwar registriert, aber nicht sehr ernst genommen. "Seit acht Jahren hören wir israelische Drohungen. Wir haben Selbstvertrauen und können unser Land verteidigen", sagte Außenministers Ali Akbar Salehi. Teheran prahlt damit, seine Schahab-3 Raketen mit einer angeblichen Reichweite von 2000 Kilometern könnten alle Landesteile des Erzfeindes erreichen. Laut Generalstabschef Hassan Firusabadi kennen die "Zionisten" die Kapazität der iranischen Raketen. Der staatliche Sender Press TV droht Israel im Falle eines Angriffs mit Konsequenzen von "apokalyptischem" Ausmaß.

In Israel wird schon seit mehr als einer Woche eine intensive Debatte über das Für und Wider eines Militärschlags gegen Iran diskutiert. Die Bevölkerung ist einer Umfrage zufolge gespalten. Die Angst, dass das Israel extrem feindlich eingestellte Land Iran Atomwaffen erlangen könnte, hält sich die Waage mit den unkontrollierbaren Folgen eines militärischen Vorgehens, das einen Flächenbrand in der gesamten Region auslösen könnte.

Immer wieder wurde in diesem Zusammenhang auf einen Bericht der internationalen Atomenergiebehörde IAEA hingewiesen, der kommende Woche vorgelegt werden soll. Die darin womöglich enthaltenen Feststellungen zum iranischen Atomprogramm seien von großer Bedeutung für das weitere Vorgehen, hieß es in israelischen Medienberichten.

Das Material soll der Nachrichtenagentur AP zufolge, die sich auf Diplomatenkreise beruft, Hinweise darauf enthalten, dass der Iran ein Computermodell eines Atomsprengkopfs entwickelt hat. Außerdem sollen Satellitenbilder gezeigt werden, auf denen ein großer Stahlcontainer zu sehen sein soll, der für Sprengstoffexperimente im Zusammenhang mit dem Atombombenprogramm genutzt worden sein soll.