Israelischer Ministerpräsident US-Beamter nennt Netanjahu einen "Schisser"

Netanjahu sei ein Schisser, sagt ein hochrangiger US-Beamter. Der israelische Ministerpräsident wehrt sich.

(Foto: dpa)
  • Ein hochrangiger US-Beamter nennt den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu im Magazin The Atlantic einen "chickenshit" - übersetzt in etwa "Schisser".
  • Der Angegriffene wehrt sich in einer Rede vor der Knesset. Die Beziehungen zwischen den USA und Israel verschlechtern sich zunehmend.

"The thing about Bibi ..."

Ein Zitat sorgt für Wirbel in Israel. Es stammt aus amerikanischen Regierungskreisen und lässt jegliches diplomatische Feingefühl vermissen. "The thing about Bibi is, he's a chickenshit", sagt ein hochrangiger, namentlich nicht genannter Beamter der Obama-Administration dem US-Magazin The Atlantic. Mit Bibi meint er Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu - und "chickenshit" lässt sich am besten mit "Schisser" übersetzen.

Netanjahu hat inzwischen Stellung genommen und die Kritik in einer Rede vor der Knesset zurückgewiesen. "Ich werde angegriffen, weil ich den Staat Israel verteidige", sagte der Ministerpräsident vor dem Parlament. Er werde aber nichts tun, das Israels Sicherheit gefährden könnte, so Netanjahu. "Die Sicherheit Israels bedeutet denen, die mich anonym und persönlich attackieren, nichts."

Beziehungen zwischen Israel und USA verschlechtern sich

Hintergrund der Auseinandersetzung sind die sich verschlechternden Beziehungen zwischen Israel und den USA. Während Israel tausend weitere Siedlerwohnungen im besetzten Ostjerusalem plant, und damit nicht nur die Palästinenser, sondern auch die internationale Gemeinschaft vor den Kopf stößt, setzt Amerika inzwischen eher auf Deeskalation - etwa im Atomstreit mit Iran.

Israel und die USA stünden kurz vor einer "voll entfalteten Krise", heißt es in dem Atlantic-Artikel weiter. Und der US-Beamte führt seine Kritik an Netanjahu aus. Dieser sei zu ängstlich, um einen Krieg anzufangen. Er tue aber auch nichts, um einen Ausgleich mit den Palästinensern oder den sunnitischen arabischen Staaten zu erreichen. Netanjahu sei lediglich daran interessiert, "sich selbst vor politischen Niederlagen zu schützen".

Widerstand auch innerhalb Israels

Auch im eigenen Land stößt Israels Ministerpräsident indes auf Widerstand. So lehnt Finanzminister Jair Lapid die Finanzierung von Infrastrukturmaßnahmen in kleineren jüdischen Siedlungen im Westjordanland ab. Ein Treffen zu diesem Thema mit mehreren israelischen Ministern scheiterte. Lapids Weigerung könnte in der Regierung Netanjahus eine Krise auslösen, schreibt die Jerusalem Post.

Lapid argumentierte demnach, die Gelder würden dringender in Israel selbst gebraucht. Zudem sei es angesichts internationaler Kritik an Israels Siedlungspolitik der falsche Zeitpunkt für weitere Baunmaßnahmen. Baupläne im palästinensischen Ostjerusalem und eine Verbesserung der Infrastruktur in den größeren jüdischen Siedlungen im besetzten Westjordanland unterstütze er aber, gab die Zeitung einen Sprecher Lapids wieder.