Israelische Luftangriffe Libanon von Hilfslieferungen abgeschnitten

Mit der Bombardierung der Brücken nördlich von Beirut hat die israelische Luftwaffe die letzte verbliebene Verbindung vom Libanon nach Syrien zerstört.

Israelische Kampfflugzeuge bombardierten am Morgen vier Brücken an der Küstenstraße von Beirut nach Syrien; dabei kamen nach Angaben des libanesischen Roten Kreuzes vier Zivilisten ums Leben.

Die zerstörte Halat-Brücke im Norden Beiruts

Die zerstörte Halat-Brücke im Norden Beiruts.

(Foto: Foto: dpa)

UN-Hilfsorganisationen beklagten, das Hilfskonvois nun nicht mehr über Syrien in den Libanon fahren könnten. Auch Beirut selbst wurde erneut von israelischen Flugzeugen bombardiert. I

Mit ihren Bombardements der Brücken nördlich von Beirut legte die israelische Luftwaffe die letzte verbliebene Verbindung vom Libanon nach Syrien lahm. Die Straße in östlicher Richtung nach Damaskus war zuvor wegen der Angriffe bereits unterbrochen.

Zwei der Brücken - eine am Hafen Fidar - wurden vollständig zerstört. Auf der Brücke in der Nähe des Hafens Dschunije war eine Fahrtrichtung nicht mehr nutzbar. Auch die so genannte "Casino von Libanon"-Brücke wurde beschädigt.

Die Straße zum Norden sei die "wichtigste Versorgungsroute" für Hilfsleistungen gewesen, kritisierte eine Sprecherin des UN-Flüchtlingskommissariats UNHCR in Genf. Die Angriffe kämen einem Zerschneiden der "Nabelschnur" des Landes gleich.

Auch ein Sprecher des UN-Welternährungsprogramms beklagte, wegen der "bedeutenden Schäden" an der Straße werde es nicht mehr möglich sein, von Syrien aus Hilfsmittel nach Beirut zu transportieren.

Die EU-Kommission bedauerte, dass eine "sichere Route" für Hilfskonvois getroffen worden sei.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen forderte den uneingeschränkten Zugang für humanitäre Helfer im Libanon. Im Süden des Landes sei es für Zivilisten fast unmöglich, die stark umkämpften Gebiete zu verlassen und Hilfe in Krankenhäusern zu suchen, sagte der Vorstandsvorsitzende von Ärzte ohne Grenzen Deutschland, Stefan Krieger, in Berlin.

Die Ärzteteams kämen nicht in die am stärksten betroffenen Regionen durch. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef rief zu Spenden auf.

Luftangriffe und Bodenkämpfe

Trotz der Drohung der Hisbollah-Miliz, im Gegenzug Tel Aviv mit Raketen zu beschießen, setzte die israelische Luftwaffe ihre Luftangriffe auf Beirut fort. Kampfflugzeuge bombardierten in der Nacht mehrere südliche Vororte, die als Hochburg der schiitischen Milizen gelten. Drei Schulen, darunter eine für Blinde und Taubstumme, wurden stark beschädigt.

Die Bildungsstätten wurden von Verbänden betrieben, die der radikalislamischen Hisbollah nahestehen. Im Stadtteil Usai wurde nach libanesischen Armeeangaben ein libanesischer Soldat getötet.

Auch in den südlichen Regionen um Tyrus und Nabatijeh flog die israelische Luftwaffe in der Nacht dutzende Angriffe. In einem Dorf nahe Baalbeck wurde nach Polizeiangaben eine junge Frau getötet. Bei Dschuaja starben beim Einschlag einer Rakete zwei Zivilisten in ihrem Auto.

Wie bereits in den vergangenen Tagen lieferten sich israelische Soldaten und Hisbollah-Miliz im Grenzgebiet heftige Bodenkämpfe. Nach Angaben der israelischen Armee wurden zwei israelische Soldaten getötet. Ein Einwohner des Dorfs Mghar im Norden Israel kam beim Einschlag von Hisbollah-Raketen ums Leben.

Rice hofft auf baldige Einigung

Im Ringen um eine UN-Resolution zum Libanon-Konflikt erwartete US-Außenministerin Condoleezza Rice eine baldige Einigung.

Sie hoffe, dass die Entschließung des UN-Sicherheitsrates in einigen Tagen fertig sein werde, sagte die US-Außenministerin am Donnerstag im Fernsehsender CNN. Rice wies Vorwürfe zurück, die USA hätten durch ihre Haltung ein Ende der Kämpfe in Nahost verhindert. Washington habe sich einem Waffenstillstand nie widersetzt, wolle aber keinen, "der im Moment des Inkrafttretens schon wieder gebrochen wird".

Die USA verfolgten bisher erst eine politische Lösung und dann einen Waffenstillstand. Der von Frankreich vorgelegte Resolutionsentwurf sieht hingegen eine sofortige Waffenruhe vor. Anschließend soll ein umfassendes politisches Abkommen geschlossen werden, worauf eine multinationale Truppe in den Libanon entsandt werden soll, um dieses Abkommen durchzusetzen.