Israel Wer wird Biblionär?

Ärger mit den USA, Unruhen in Jerusalem: Bei Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu ist die Freude dennoch groß. Sein Sohn Avner gewinnt ein religiöses Quiz und wird Israels Bibel-Champion.

Von Peter Münch

Manchmal ist es schön, wenn man einfach in seinen Hubschrauber steigen und entschwinden kann. Am Nachmittag hatte Benjamin Netanjahu den Schalter geschlossen in seinem Regierungssitz.

Den Anruf bei Hillary Clinton in Washington, die Antworten erwartet auf Dinge, zu denen er wirklich nichts sagen will, hat er auf irgendwann später verschoben und sich auf den Weg gemacht in den Norden Israels. Unter ihm zogen noch die Schwaden von brennenden Autoreifen und Tränengas durchs umkämpfte Jerusalem, doch in Kiryat Schmona war die Luft rein - und die Freude groß.

Denn Netanjahu durfte samt Gattin Sara persönlich teilhaben am Sieg seines Sohnes im nationalem Bibelquiz. Avner Netanjahu, 15 Jahre alt und hochgewachsen, hat insgesamt 12000 Konkurrenten ausgestochen und in der Endrunde über elf Finalisten triumphiert. Nun ist der Spross des Premiers Israels Bibel-Champion.

"Ich bin sehr stolz", sagte Benjamin Netanjahu - und räumte ein, dass er selbst nur zwei Antworten gewusst hätte auf die Fragen, die seinem Sohn gestellt wurden. Die Themen der Thora sind ihm gewiss nicht fremd, doch ums heilige Jerusalem kümmert er sich eben eher auf die pragmatische Art.

Die Bibelfestigkeit kommt aus der Familie seiner Frau. Drei ihrer Brüder konnten in der Jugend diesen Wettbewerb gewinnen, den das Erziehungsministerium nun bereits zum 47. Mal organisierte.

Einer der Brüder hatte sogar anschließend in der Weltmeisterschaft gesiegt, die vor Publikum immer am israelischen Nationalfeiertag ausgetragen wird. In diesem Jahr wird Avner Netanjahu nach der Krone greifen. Eine Frage stellt beim Wettbewerb traditionell auch der Premierminister.

Der Neuntklässler wird also weiter fleißig Bibelwissen pauken, mit Hilfe seines Großvaters Schmuel Ben-Artzi und seines Onkels Hagi Ben-Artzi. Den beiden dankte der Premier ausdrücklich nach dem Sieg in Kiryat Schmona, bevor die Familie sich auf den Heimweg machte.

In Jerusalem wartete dann wieder das übliche Programm, und Washington musste schließlich auch noch angerufen werden. Wenn es allerdings nach Hagi Ben-Artzi ginge, dem Schwager und Bibel-Weltmeister, dann hätte sich Netanjahu diesen Anruf sparen können. Ben-Artzi beschimpfte nämlich am Mittwoch US-Präsident Barack Obama als "anti-semitisch."

Umgehend musste das Büro des Regierungschefs erklären, dass Netanjahu "absolut nicht übereinstimmt" mit dieser Einschätzung. Es kann sich halt nicht ein jeder so auf seinen Schwager verlassen wie Moses in der Wüste auf Hobab und dessen Auge für die richtige Lagerstätte (4. Mose 10, 29-31).