Tzipi Livni ist als Regierungschefin gescheitert, da Israel immer noch nicht reif für Erneuerung ist. Die Sieger heißen Netanjahu und Olmert.
Immer wenn im Nahost-Friedensprozess Fortschritte gemacht werden, wird er durch vorgezogene Wahlen in Israel gestoppt. Das zeit- und geldraubende Schauspiel vollzieht sich im Schnitt alle zwei Jahre.
Tzipi Livni stößt auf Ablehnung, weil sie eine Frau ist und moderate Politikerin ist. (© Foto: Reuters)
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Weil Außenministerin Tzipi Livni trotz aller Rettungsbemühungen in letzter Minute nun mit dem Versuch gescheitert ist, eine Koalitionsregierung zu bilden, werden vermutlich schon im Januar ein neues Parlament und ein neuer Premierminister gewählt. Seit 1999 waren die Bürger Israels bereits vier Mal an den Urnen.
Hinter der kurzen Haltbarkeit israelischer Regierungen verbirgt sich eine große Angst vor Veränderungen. Lieber klammert man sich in Israel an den Status quo aus Besatzung, militärischer Vergeltung und, etwa, einem kompromisslosen Nein zur Teilung Jerusalems, als dass man einen anderen Weg einschlüge.
Livni ist nicht nur daran gescheitert, dass sie eine Frau ist und von den ultra-orthodoxen Parteien mit deren mittelalterlichen Anschauungen per se nicht akzeptiert wird. Sie stößt auch auf Ablehnung, weil sie die israelisch-palästinensischen Friedensgespräche fortgesetzt und die Besatzung weitestgehend beendet hätte.
Das ging den rechten und religiösen Parteien zu weit, die leider als Königsmacher gebraucht werden und damit überproportionalen Einfluss auf Regierungsbildungen besitzen. Mit ihren Erpressungen lähmen sie Regierungen vom ersten Tag an oder treten erst gar nicht bei, so wie jetzt Schas. Mit ihrer maßlosen Forderung nach einer Erhöhung des Kindergeldes um 200 Millionen Euro, das religiösen kinderreichen Familien und damit auch dem Ruf der Partei zugute gekommen wäre, hat Schas erneut bewiesen, dass es ihr um die Erfüllung von Partikularinteressen geht und nicht um Frieden.
Israel ist offenbar (noch) nicht reif für eine wie Livni, die den Staat aus der Sackgasse der Besatzung und der Erpressung durch kleine Parteien führen wollte. Ihr Scheitern versetzt auch dem von US-Präsident Bush initiierten Friedensprozess von Annapolis einen Dolchstoß. Bis Ende des Jahres wollten sich Israel und die Palästinenser auf einen Friedensvertrag einigen - stattdessen werden nun die PR-Maschinen heiße Wahlkampfluft produzieren.
Lachende Dritte gibt es zwei: Oppositionsführer Benjamin Netanjahu vom rechten Likud und Noch-Regierungschef Ehud Olmert. Olmert wird trotz sechs laufender Ermittlungen wegen Korruption noch mal eine Ehrenrunde auf der großen politischen Bühne drehen dürfen und in der Gnadenfrist bis zum Neuwahltag seinen angeschlagenen Ruf polieren.
Für Ex-Premier Netanjahu wiederum wird sich das Warten auszahlen. Zehn Jahre, nachdem er als Regierungschef gescheitert ist, würde sein Likud laut Umfragen aus Neuwahlen als stärkste Fraktion hervorgehen - was den Friedensprozess tieffrieren würde. Netanjahu lehnt den diplomatischen Prozess ab und setzt ganz auf Israels Agenda von gestern: nicht auf Worte, sondern auf die Armee.
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(SZ vom 27.10.2008/cag)
Russland unter Putin
Schon zum wiederholten Male beeindrucken mich die sehr ausgewogenen und daher - eingedenk des real existierenden Presse-Maulkorbes in Deutschland in Bezug auf jedwede kritische Äußerung zum Thema Israel - schon geradezu wagemutig zu bezeichnenden Kommentare von Torsten Schmitz.
Ein Mann, der klar sieht und von dem wir hoffentlich auch weiterhin solch erhellende und informative Artikel zu lesen bekommen.
Ich vergass den Hinweis darauf, dass die Zeloten der Schas-Partei ja das "Jüngste Gericht" herbeisehnen.
Wenn mein zuvor kurz skizziertes Scenario eintrifft, dann könnte sich dieser Wunsch sogar in Kürze realisieren lassen!
Dieses Ergebnis war bereits in dem Moment absehbar, als BARAK, nach der Rücktrittsankündigung von Olmer, sich mit Netanjahu zusammensetzte, statt mit Livni!
Und diese Beiden werdens "richten"; ich vermute sie werden
- den IRAN überfallen, solange Bush-Gheney noch im Amt sind!
- dadurch aus dem finanziellen auch ein politisches DESASTER machen
- und die relativ friedlichen Jahrzehnte nach WKII beenden.
Übrigens liegt Thorsten Schmitz total falsch, wenn er auch OLMERT zu den "lachenden Dritten" zählt. Anscheinend blieb auch ihm -ebenso wie so ziemlich allen deutschen Medien- das Interview Olmerts in der israelischen Tageszeitung Yediot Aharanot verborgen, in dem dieser eine erstaunliche Einsicht in die Verhältnisse offenbarte und alle Schritte und Massnahmen detailliert ansprach, die zu Frieden führen könnten!
Dazu wird jetzt leider weder Olmert noch Livni Gelegenheit haben, weil die VIER genannten, also Netanjahu, Barak, Bush und Gheney den IRAN-Überfall einem einigermassen gerechten Frieden in NO vorziehen werden!
Das wird nix mit Frieden im Nahen Osten! Ausser heisser Luft produziert Israel nichts. Wer es wirklich ernst meint, stoppt zuerst einmal den illegalen, völkerrechtswidrigen Siedlungsbau. Das wäre jederzeit ohne jeden Verzicht hinsichtlich des Universalvorwands "Sicherheit" machbar. Wer das nicht tut ,sondern unverdrossen weiterbaut, will keinen Frieden sondern Land. Auch Livni, die ihrem Vater die Landkarte von Grossisrael auf den Grabstein meisseln liess.
Es kann nicht wirklich verwundern, dass kleinkariertes parteiliches Gerangel unter den potentiellen Koalitionspartnern und dreiste finanzielle Forderungen die geplante Regierungsbildung Tzipi Livnis vorerst haben scheitern lassen. Waren doch wohl auch innerhalb von Khadima unheilvolle Kräfte unterwegs, die der Aussenministerin das Ministerpräsidentenamt nicht gönnten.
Tzipi Livni dürfte nicht nur für Israel eine aussergewöhnliche Politikerin sein: so klar und konsequent wie sie sich gegen politisch-inhaltliche oder finanzielle Nötigungen gestellt hat, ist das in den letzten Jahrzehnten von keinem Regierungschef erfolgt - nicht einmal von ihrem Mentor Ariel Scharon.
Es zeugt von Livnis bewundernswerter Geradlinigkeit, sich lieber auf ungewisse Neuwahlen einzulassen, anstatt schon vor Amtsantritt sich ihrer Autorität und notwendigen Handlungsoptionen berauben zu lassen. Diese Entschlossenheit, diese Treue zu den eigenen Überzeugungen zeichnet den wahren Staatsmann aus, es ist die gleiche Größe, wie wir sie vermutlich zuletzt bei General de Gaulle gesehen haben, der mit derselben unerschütterlichen Standfestigkeit 1958 die fünfte französische Republik begründet hat.
Wie Neuwahlen in Israel am Ende ausgehen werden, ist heute schwer vorherzusagen. Es wäre jedenfalls sehr voreilig Tzipi Livni verfrüht, jetzt schon als gescheitert abzuschreiben:
Israels beliebteste und international profilierteste Politikerin fährt volles Risiko darin liegt auch eine Chance: besteht sie diese Wahlen nämlich doch, dann kann sie unanfechtbar kraftvoll regieren. General de Gaulles Schlachtruf Ich oder das Chaos sollte Livni sich selbstbewusst zueigen machen.
Selten hatte der Staat Israel einen Premierminister von Livnis Format, der die Kraft besitzt, das Mögliche mit einer realistischen Vision zu pragmatischem Handeln zu vereinen, eine unwiederbringliche Chance für den gesamten Nahen Osten man sollte die Hoffnung nicht aufgeben, dass der Wähler dies rechtzeitig erkennt und in der Wahlkabine entsprechend handelt.
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