"Das ist illegal": Nach scharfen Reaktionen aus den USA und London kritisiert auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon das neue israelische Bauvorhaben in Jerusalem.
In ungewohnt scharfer Form hat die US-Regierung auf neue israelische Bauvorhaben in Jerusalem reagiert. Das Weiße Haus sei "bestürzt" über den Plan, hieß es in einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung von Sprecher Robert Gibbs.
Bild vergrößern
Gilo, Ostjerusalem: Die Stadtverwaltung von Jerusalem hat am Dienstag einen Plan genehmigt, wonach hier 900 neue Wohneinheiten gebaut werden sollen. (© Foto: AP)
Anzeige
Gibbs sagte, "zu einer Zeit, da wir dafür arbeiten, Verhandlungen wieder in Gang zu bringen, erschweren diese Aktionen einen Erfolg unserer Bemühungen". Ähnlich äußerte sich US-Außenamtssprecher Ian Kelly. Eine Sprecherin des britischen Außenministers David Miliband wertete den Schritt Israels in London als "falsch".
Zwei-Staaten-Lösung in Gefahr
Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die neuen Siedlungspläne Israels kritisiert. Siedlungen wie der geplante Neubau von 900 Wohnungen im Stadtteil Gilo seien "illegal", erklärte Ban in New York.
Das Siedlungsgebiet befinde sich auf "palästinensischem Gebiet". Israel habe sich dazu verpflichtet, auf einen weiteren Siedlungsbau in den besetzten Gebieten zu verzichten. Der Siedlungsbau gefährde die angestrebte Zwei-Staaten-Lösung zur Beilegung des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern.
Im Video: Israel hat eine Genehmigung zum Bau von Wohnungen im Westjordanland erteilt. Gegen die Kritik der Vereinten Nationen.
Weitere Videos finden Sie hier
Die Stadtverwaltung von Jerusalem hatte am Dienstag einen Plan genehmigt, wonach 900 neue Wohneinheiten im jüdischen Vorort Gilo gebaut werden sollen. Gilo ist auf arabischem Land gebaut worden, das 1967 von Israel besetzt und später annektiert wurde.
Die übergroße Mehrheit der internationalen Staatengemeinschaft erkennt diese Annexion nicht an und spricht deshalb nicht von Vororten, sondern von jüdischen Siedlungen. Die Palästinenser wollen in Ostjerusalem die Hauptstadt eines künftigen Palästinenserstaates ausrufen.
Die Chance auf Friedensverhandlungen wird geringer
Keine Partei sollte Schritte unternehmen, die einseitig die Verhandlungen vorwegnehmen könnten, erklärte Gibbs. Die USA lehnten auch andere israelische Praktiken in Jerusalem ab, darunter die andauernde Serie von Zwangsräumungen und Abrissen palästinensischer Häuser. "Unsere Position ist klar: Der Status von Jerusalem ist eine Frage des permanenten Status, die durch Verhandlungen zwischen den Parteien gelöst werden muss", erklärt Gibbs abschließend.
Die Tageszeitung Jediot Achronot hatte bereits zuvor berichtet, dass der US-Nahost-Gesandte George Mitchell das Missfallen der US-Regierung zum Ausdruck gebracht habe. Die USA sorgten sich, dass mit Ausführung des Bauvorhabens die Chancen auf eine Rückkehr der Palästinenser zu den Friedensverhandlungen immer geringer würden.
Israel weist die Forderungen zurück
Dagegen sagte der persönliche Vertreter von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Yizhak Molcho, den Angaben zufolge, dass Gilo integraler Bestandteil Jerusalems sei und deshalb wie Tel Aviv oder Haifa behandelt werde, wo Ministerpräsident Netanjahu auch keine Bauvorhaben genehmigen müsse.
Auch der Bürgermeister von Jerusalem, Nir Barkat, wies die Forderungen der US-Regierung strikt zurück. Das israelische Gesetz unterscheide nicht zwischen Juden, Muslimen und Christen oder Ost- und Westjerusalem, heißt es in einer Erklärung vom Dienstag. Jerusalem gehört neben der Grenzziehung eines künftigen Palästinenserstaates und der Zukunft von rund 4,5 Millionen palästinensischen Flüchtlingen und Vertriebenen zu den besonders schwer zu lösenden Problemen im israelisch-palästinensischen Konflikt.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(dpa/AFP/segi/fvk/mati)
Russland unter Putin
Mit dem neuen Bauprojekt im jüdischen Stadtteil Gilo ist es noch nicht genug: nun sind bereits 5.000 weitere neue Wohnungen geplant. Warum sich dagegen aber kein internationaler Protest regt: http://oppositeeditorial.blogspot.com/2009/11/einseitige-schritte.html
Wieder einmal versucht Israel mit seiner Siedlungspolitik Fakten zu schaffen, dabei kann Jerusalem weder israelische noch palästinensische Hauptstadt sein. Zwischen Israel und Palästina muss ein dritter Staat gebildet werden, vielleicht "Heiliges Land" genannt, der unter der Verwaltung der drei Religionen steht und für alle Pilger frei zugänglich ist. Die Hauptstadt Israels ist Tel Aviv, die Palästinas könnte Ramallah werden.
Bleibt die Frage: Was geschieht mit dem Gaza-Streifen? Ihn der Westbank zuzuschlagen ist aufgrund der räumlichen Entfernung nicht sinnvoll. Also noch ein vierter Staat?
ich mein mit Palästinenser nicht die Korrupten Politiker, die nur an ihre eigene kasse denken! sondern die Palästinenser die von Israel vertrieben wurden/ werden!
Was fühlen diese Menschen? wie leben Sie? Sind das eher Fatah/ hamas anhanger
Die Nettiquette hat heute wieder mal den Charakter einer Limbo-Veranstaltung.
Lieber Zensor,
es ist nicht tragisch zensiert zu werden. Es ist eher tragisch für Ihr Blatt. Inzwischen habe ich diverse gesperrte Kommentare weiterer Opfer Ihrer Auswahl lesen dürfen. Dafür Danke an die Zensierten.
Es scheint meiner Meinung nach eine ideologische Selektion vorzuliegen. OK mache Wortwahl ist nicht glücklich gewählt aber eine Meinung bleibt es dennoch.
Aber irren ist ja menschlich - auf beiden Seiten.
Es kommt darauf an von wem man verboten wird. Das kann auch stolz machen. Schließlich wird ein deutscher Musiker der in Bayern zu keiner Zeit ein Auftrittsverbot erreicht hat in der Dt. Musikscene auch nie irgendendwas erreichen.
Es gab vor gar nicht langer Zeit auch einmal eine Zensur in Deutschland. Jeder der damals zensiert wurde ist heute ein Held! Danke liebe SZ. So einfach produziert man Helden und fördert unterschwellig die Abneigung und mehr gegen Israel, den Zionismus und die Apartheid.
Verschweigen hilft nicht. Nur aufrichtige Außeinandersetzung und kritische Diskussion. Kann es möglicherweise auch sein, dass Ihnen ein politischer Tenor vorgeschrieben wird?
Für alle Zensierten noch ein Tipp: Kauft euch mal den Freitag, sehr gut recherchiert und die haben keine Angst in Ihrer Zeitung die Warheit abzudrucken. Es findet sich hier große Freiheit und Liberalismus mit kritischer Auseinadersetzung in jeder Richtung.
Grüße aus der Freiheit nach München!
Paging