Vier Tote im Streit um einen Baum im israelisch-libanesischen Grenzgebiet: Das Konfliktmanagement zwischen Libanon und Israel darf nicht den Hitzköpfen überlassen bleiben.
Ein einsamer Baum auf einem schlecht markierten Grenzstreifen löst einen handfesten Krieg aus: Im Bauerntheater ließe sich das Versagen von Politik und der Triumph skrupelloser Kriegstreiberei mit so einer absurden Geschichte bildhaft inszenieren. Im Nahen Osten braucht es für solche, von politischer Dummheit durchsetzten Lehrstücke keine dörfliche Theaterkulisse. Die Akteure tun alles dafür, das Schauspiel im echten Leben wahr werden zu lassen: Vier Tote im Streit um einen Baum im israelisch-libanesischen Grenzgebiet, einen Baum, der der einen Armee die Sicht versperrt und der anderen zur Frage der nationalen Ehre wird. Dazu widersprüchliche Angaben über den Verlauf der Grenze und den Standort des hölzernen Gewächses, Beschuldigungen, Drohreden, Gefuchtel mit geladenen Waffen. Viel fehlt nicht mehr, und die Historiker können einen neuen israelisch-libanesischen Krieg im Geschichtsbuch vermerken.
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Neue Spannungen an Israels Grenze zu Libanon. (© dpa)
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Der Grenzzwischenfall belegt, wie gespannt das Verhältnis zwischen den Nachbarn Israel und Libanon ist. Ob das Scharmützel um den von den Israelis zur Fällung vorgesehenen Baum und seinen libanesischen Verteidigern Missverständnis war oder Provokation: Vier Jahre nach dem Sommerkrieg zwischen der israelischen Armee und der schiitischen Hisbollah-Miliz kann der kleinste Zwischenfall einen großen Waffengang auslösen. Anders als im Krieg 2006 war die Hisbollah diesmal nicht beteiligt. Beim jüngsten Schusswechsel haben das libanesische und das israelische Militär aufeinander gezielt. Der Konflikt erreicht damit die zwischenstaatliche Ebene. Die Hisbollah hat allerdings angekündigt, beim nächsten Zusammenstoß auf jeden Fall schießen zu wollen. "Die israelische Hand, die nach der libanesischen Armee greift, wird abgehackt", lässt Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah wissen.
Syriens Präsident Baschar al-Assad hat vor einem neuen, einem großen Nahostkrieg gewarnt. Auch wenn der Hisbollah-Freund Assad kein Unbeteiligter ist, sollte man ihm in dieser Frage Gehör schenken. Israel und Iran belauern und bedrohen sich seit Jahren im Atomstreit. Wenn es um die Vormacht in Nahost geht, sind diese beiden Staaten die entscheidenden Figuren auf dem Schachbrett. Israel, wie immer auf sich selbst gestellt, ist König, Dame und der Rest der Figuren in einem; vor dem Schachmatt abgesichert durch Militärhilfe der Überdame USA und die politische Unterstützung Europas. Auf der anti-israelischen Seite sind Hisbollah, Hamas und der schwache Staat Libanon die Bauern. Syrien rangiert als Springer - beweglich, aber schnell bedroht. Iran gibt auch Dame und König in einem, kann aber nicht wirklich überzeugen mit seiner Mischung aus diplomatischen Winkelzügen und militärischer Aufschneiderei.
Ob es wegen des Teheraner Atomprogramms zum Krieg kommt zwischen Iran und Israel oder nicht: Aller Voraussicht nach wird der Libanon so oder so Schlachtfeld werden. Die Hisbollah ist die kampfstärkste Miliz des Nahen Ostens. Sie ist für Israel eine größere Bedrohung als die schlecht bewaffnete libanesische Armee. Mit Zehntausenden Raketen ist die Hisbollah auch gefährlicher als die palästinensische Hamas. Die libanesische Miliz bedroht Israel nicht nur im Fall eines Kriegs mit Iran. Mit ihrem militärischen und ideologischen Potential ist die Hisbollah schon für sich alleine genommen ein Risiko für Israel.
Zwischen den Israelis und der Hisbollah steht die Unifil. Mit 10 000 Blauhelm-Soldaten stellt die Friedenstruppe der Vereinten Nationen seit vier Jahren ihre eigene Unzulänglichkeit unter Beweis. Die Hisbollah rüstet auf, die Israelis verletzen den libanesischen Luftraum, die Blauhelme schauen zu. So bleibt das Konfliktmanagement denen überlassen, die Interesse an einem neuen Krieg haben: den Militanten der Hisbollah und den Betonköpfen in der israelischen Armee.
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(SZ vom 05.08.2010/segi)
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Wie fast nicht anders zu erwarten, wurde suedwatch durch die Berichterstattung der ARD bereits am 4. August bestätigt. Hier heißt es zu einem zentralen Punkt:
"Nach Informationen des israelischen Rundfunks hatte die israelische Armee die UNIFIL-Schutztruppe der Vereinten Nationen über die bevorstehenden Arbeiten am Grenzzaun informiert. Milos Strugar, politischer Berater der UNIFIL, bestätigte dies gegenüber dem israelischen Armee-Rundfunk: 'Ich kann bestätigen, dass wir von der israelischen Armee früh am Morgen über diese Arbeiten informiert wurden, und wir haben es an die libanesische Armee weitergeleitet.'
Strugar erklärte auch, dass die israelische Pioniertruppe beim Beschneiden des Baumes nicht auf libanesisches Terrain vorgedrungen sei."
Ja, bei wem liegt denn nun der Ideologievorwurf?
Zitat cascade40: "Das ist auch nicht besser. Ich finde auch auf suedwatch.de keine eindeutige Information darüber, auf welchem Territorium der Baum/das Buschwerk nun steht. Auch dort ein Haufen Geschwafel. Seitenweise, parteiisch, ohne konkrete Information."
Deswegen, mein lieber cascade40, ist sueddeutsche.de bei einer speziellen Leserklientel so beliebt: Einmal draufschaun und der "Fachmann" ist "informiert".
Suedwatch.de ist, das gebe ich zu, in dieser Beziehung etwas anstrengender. Wer etwa - wie Sie - wissen will, auf welchem Territorium sich die israelischen Soldaten befanden, der muss in der Lage sein, eine Grafik richtig zu interpretieren. Etwa die hier...
suedwatch.de/blog/wp-content/uploads/2010/08/neu-101.jpg
...aus diesem Artikel...
suedwatch.de/blog/?p=3819
Ist aber nicht so einfach, ich weiß. Bleiben Sie deshalb ruhig bei Sueddeutsche.de. Bei suedwatch.de ist ihnen deswegen keiner böse.
Grüßl
Moritatensaenger
Wirklich? Immerhin bietet der Text bei suedwatch.de eine Reihe von Belegen, die es dem Leser erlauben, sich ein Urteil zu bilden, was der SZ-Kommentator offensichtlich geradezu unterbinden will (mit teilweisem Erfolg). Und es ist ja schließlich nicht das erste Mal, dass auf diesen Seiten einseitige oder schlampige Berichterstattung (oder beides) zu beklagen ist.
was ist bitte dieses suedwatch. lächerlich. ewig langes, ideologisches rumgemaunze. und immer bei den gleichen themen. die können wohl nichts anderes und jetzt versuchen sie, überall ihre meinung bestätigt zu sehen. ich finde das richtiggehend ärgerlich. dachte schon, ich hätte ein neues gutes watchblog gefunden, aber das...
Zitat chrom44: "Bevor man sich die Mühe macht, diesen seltsamen Kommentar zu verstehen, sollte man lieber die Klarstellung auf suedwatch.de lesen."
Das ist auch nicht besser. Ich finde auch auf suedwatch.de keine eindeutige Information darüber, auf welchem Territorium der Baum/das Buschwerk nun steht. Auch dort ein Haufen Geschwafel. Seitenweise, parteiisch, ohne konkrete Information. Ein Bild ist abgedruckt, unter dem steht:
"...Ein Soldat in einem Arbeitskorb wird vom Ladekran eines normalen Lkw über den Zaun gehoben, um das dort dichte Buschwerk zu beseitigen,.."
Damit würde der Baum auf libanesischem Gebiet stehen, und der Soldat hätte keine Berechtigung, Buschwerk dort zu beseitigen.
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