Israel Israel verschickt Steinewerfer-Puppen an Botschafter

4000 Steinewerfer-Puppen mit Palästinensertuch fanden Israels Zollbeamte in Haifa.

(Foto: AFP)

Die Spielzeuge wurden auf dem Weg ins Westjordanland vom Zoll beschlagnahmt. Sie wurden nicht vernichtet, sondern brachten die Vize-Außenministerin auf eine Idee.

Von Peter Münch, Tel Aviv

Im Hafen von Haifa machte der israelische Zoll unlängst eine Entdeckung: In einem Container, der von den Arabischen Emiraten ins palästinensische Westjordanland geschickt werden sollte, fanden sie 4000 Stoffpuppen der besonderen Art. Die Figuren waren vermummt mit einem Palästinensertuch, trugen Banner mit der Aufschrift "Jerusalem, wir kommen", und im rechten Arm hielten sie einen watteweichen Steinbrocken. Steinewerfer als Spielzeug - für Israels Vize-Außenminister Tzipi Hotovely war dies ein Beweis dafür, wie in Ramallah "die Köpfe unschuldiger Kinder vergiftet werden".

Die Puppen wurden nicht vernichtet, sondern brachten Hotovely auf eine Idee: Neu verpackt und mit Beipackzettel versehen wurden sie nach Angaben des Außenministeriums zu Wochenbeginn an alle israelischen Auslandsvertretungen verschickt, um die "Hetz-Kampagne" der Palästinenser gegen den jüdischen Staat zu demonstrieren. Israels Regierung beklagt seit Langem, dass in palästinensischen Schulen und Medien zur Gewalt aufgerufen wird und von höchsten Stellen Attentäter zu Volkshelden veredelt werden.

Zwei Drittel der befragten Palästinenser unterstützen Messerattacken auf Israelis

Streng genommen hätte sich die Vize-Ministerin gar nicht so viel Mühe machen müssen. Es hätte wohl gereicht, eine E-Mail zu verschicken mit dem Ergebnis einer Umfrage, die gerade der angesehene palästinensische Meinungsforscher Khalil Schikaki mit Unterstützung der Konrad-Adenauer-Stiftung veröffentlicht hat. Demnach unterstützen zwei Drittel der befragten Palästinenser die derzeitigen Messerattacken auf Israelis. Es ist also ziemlich klar, dass die flauschigen Steinewerfer-Puppen auf ein viel komplexeres Problem verweisen.

Die israelische Botschaft in Berlin wartet nun auf das Paket aus Jerusalem, aus Finnland dagegen kam postwendend eine Reaktion. Israels dortiger Botschafter Dan Aschbel ließ dem Onlineportal Ynet zufolge sein Ministerium wissen, dass er solche Art der Diplomatie für "bizarr" halte. Das sei etwa so sinnvoll, wie konfisziertes Marihuana an Polizeistationen zu verteilen, um auf die Risiken von Drogen hinzuweisen.