Israel hat gewählt - und den Weg für den Hardliner Netanjahu geebnet. Die Chancen auf Frieden sind gesunken, urteilt Israel-Expertin Muriel Asseburg.
sueddeutsche.de: Benjamin Netanjahu und Avigdor Lieberman, die Parteichefs jener rechten Parteien mit massiven Zugewinnen, haben im Wahlkampf den Dialog mit der Hamas ausgeschlossen. Auch wenn Livnis Kadima stärkste Partei geworden ist: Hat sich die israelische Bevölkerung gegen Verhandlungen mit der Hamas ausgesprochen?
Bild vergrößern
Benjamin Netanjahu hat zwar nur das zweitbeste Ergebnis hinter Tzipi Livni eingefahren. Für eine Regierungskoalition mit rechten Parteien wird es dennoch reichen. (© Foto: Reuters)
Anzeige
Muriel Asseburg: Die Bevölkerung hat sich, wenn auch nicht mehrheitlich, nicht gegen Verhandlungen ausgesprochen, denn sie hat ja, entgegen der Umfragen vor der Wahl, die Kadima-Partei Tzipi Livnis zur stärksten Fraktion gewählt. Damit hat zumindest ein Teil der Wähler dem Kurs der Kadima zugestimmt, Verhandlungen mit den Palästinensern und die Zwei-Staaten-Lösung weiter zu verfolgen.
sueddeutsche.de: Trotzdem wird es jetzt wohl zu einer rechten Regierung kommen. Wie wird dieses Ergebnis von der Hamas aufgenommen?
Asseburg: Noch habe ich keine Statements von der Hamas zum Wahlausgang gehört. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass die Wahl keinen großen Unterschied für die Hamas macht. Ob nun Kadima oder Likud die Regierung anführt, macht in den Augen der Islamisten keinen qualitativen Unterschied. Letztlich bestätigt sich für die Hamas ihre Sichtweise: dass mit Israel kein Ausgleich möglich ist, dass Israel ein aggressiver Staat ist, der Arabern keinen Raum in diesem Gebiet lässt.
sueddeutsche.de: US-Präsident Barack Obama hat angekündigt, den Friedensprozess in Nahost falls nötig aggressiv voranbringen zu wollen. Wie wird er dabei mit einer ablehnenden nationalkonservativen Regierung zurechtkommen?
Asseburg: Wir sollten die Regierungskoalition noch nicht vorwegnehmen. Noch ist die Regierung von Netanjahu nicht gebildet. Noch ist nicht klar, ob es nicht doch noch zu einer Regierung der nationalen Einheit kommt, unter Beteiligung der drei großen Parteien Kadima, Likud und Ehud Baraks Arbeitspartei. Das war es, was die Wähler eigentlich wollten, wie Umfragen vor der Wahl zeigten: eine große Koalition. Sollte es tatsächlich eine rechtsgerichtete Regierung unter Netanjahu geben, wird sie sicher viele Meinungsverschiedenheiten mit den USA haben - insbesondere in Fragen der Siedlungen, der Golan-Höhen und zu Ost-Jerusalem.
sueddeutsche.de: Beobachter in Israel sprechen davon, dass eine Regierung unter Netanjahu mit Beteiligung von Lieberman und den Ultraorthodoxen auf jeden Fall zu einer Distanzierung zu den USA führen werde.
Asseburg: Das ist sicherlich so, weil die US-Administration die offen rassistische Politik, die Lieberman verfolgt - etwa die Aussprüche in Bezug auf die palästinensische Minderheit - so nicht akzeptieren kann. Die Vorstellungen Liebermans zum Bevölkerungstransfer, zur Aussiedlung arabischer Bürger - das sind Ansätze, die die Amerikaner nicht mittragen können.
sueddeutsche.de: Sollte es zur nationalkonservativen Regierung kommen, müssen wir uns auf einen Paradigmenwechsel in den Beziehungen Israel-USA gefasst machen?
Asseburg: Von einem Paradigmenwechsel zu sprechen, halte ich für übertrieben. Mit einer rechten Regierung in Israel wird das Verhältnis zu den USA zwar auf jeden Fall abkühlen. Es wird deutliche Kritik von den Amerikanern an der Regierung geben. Aber das grundsätzlich enge Verhältnis zwischen den beiden Staaten wird nicht infrage gestellt werden. Zu befürchten steht allerdings, dass die USA sich eben weniger "aggressiv" für einen Friedensprozess stark machen, wenn sie dafür keinen Partner in Israel haben.
sueddeutsche.de: Wie schätzen Sie die Chancen vor dem Hintergrund der neuen Konstellation - Obama in den USA, Netanjahu in Israel- ein, dass es zu einem dauerhaften Frieden in Nahost kommt?
Asseburg: Sie wären alles andere als gut. Das liegt aber nicht nur daran, dass wir in Israel nun wahrscheinlich eine rechtsgerichtete Regierung bekommen werden. Es liegt auch daran, dass die Palästinenser nach wie vor gespalten sind - sowohl territorial als auch politisch. Und schließlich daran, dass Obama derzeit jede Menge andere Herausforderungen hat, die intensives Engagement erfordern. Damit bleibt zunächst offen, wieviel Energie er aufwenden kann, um sich wirklich, wie angekündigt, aggressiv für den Frieden in Nahost zu engagieren. Welche Partei nun in Israel regiert, ist somit nur eine der Facetten im Hinblick auf Erfolg eines neuen Friedensprozesses in Nahost.
Muriel Asseburg ist Leiterin der Forschungsgruppe Naher Osten und Afrika in der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP).
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Grafik So hat Israel gewählt 11.02.2009
- Wahl in Israel: Reaktionen "Gefährliches Phänomen" 11.02.2009
- Knesset-Wahl in Israel Livni und Netanjahu sehen sich als Sieger 11.02.2009
- Wahl in Israel Ein bitterer Triumph 11.02.2009
- Das neue britische Kabinett Camerons Balanceakt 17.05.2010
- Regierungswechsel in Großbritannien Eine britische Revolution 14.05.2010
- David Cameron Der neue Blair - Premier war das Mindeste 12.05.2010
(sueddeutsche.de/jja)
@querschlaeger: "Daher war meine Reiseempfehlung nicht nur ernst,sondern auch gut gemeint,vorausgesetzt,Sie fürchten sich nicht vor dem Treffen mit der Wirklichkeit und dem darauffolgenden Begräbnis Ihrer bisherigen Scheinwelt,die Sie mit so vielen teilen."
Ihre geradezu verzweifelte Reiseempfehlung kann man schon verstehen! Schliesslich ist schon über ein viertel aller israelischen Staatsbürger unter die Armutsgrenze gefallen und wird von privaten Suppenküchen versorgt. Der Staat Israel ist dazu wohl nicht willens oder einfach nicht in der Lage.
Durch die Wirtschaftskrise wird die Armut in Israel natürlich noch weiter zu nehmen. Hin zu kommt nun der enorme Image Schaden, den Israel weltweit nun zu verzeichnen hat. Da kann man schon verstehen, das flehentlich um jeden zahlenden Touristen gekämpft wird. Aber diese Reiseempfehlungen sollten doch bitte kostenpflichtig sein - auch sollten hier im Forum keine Beiträge des isr. Tourismusbüros mehr veröffentlicht werden.
Und was man in Israel und den Besetzten Gebieten bei einer Reise sehen könnte - das wurde schon zig mal formuliert: Bischof Tutu sagte: "Die Apartheid in Südafrika war weniger schlimm als in Israel."
Und der Gaza Streifen wurde schon zig mal als Ghetto oder gar als K Z verglichen....
Sehen Sie ,ich war mir ganz sicher,mit meiner Reisempfehlung an Sie kein Eigentor zu schießen.Es ist nämlich nicht zu verkennen,wenn jemand über etwas sinniert, von dem er keine Ahnung hat,wenn es nämlich nicht mit der Wirklichkeit " on the ground " zusammen paßt. Jemand,der die Dinge selbst 1:1 kennt,kann sich darin nicht täuschen.Das voneinander Abschreiben von hehren,jedoch wirklichkeitfremden Schlagworten,wie es in gewissen ideologisch-dogmatisch fixierten Zirkeln die Regel ist ,sich gegenseitig darin zu bestärken und sich einseitig nur bestimmten ideologisch-dogmatischen Propagandaquellen auszusetzen,führt unweigerlich zu einer Entfremdung von der Wirklichkeit.Dabei mag man theoretisch noch so gebildet und noch so belesen sein,das Ergebnis ist dennoch Ignoranz,schlimmer noch,Verblendung.
Daher war meine Reiseempfehlung nicht nur ernst,sondern auch gut gemeint,vorausgesetzt,Sie fürchten sich nicht vor dem Treffen mit der Wirklichkeit und dem darauffolgenden Begräbnis Ihrer bisherigen Scheinwelt,die Sie mit so vielen teilen.
@quer
Sie scheinen sich da unten bei den aggressiven Kolonialisten und Ihren Protagonisten a la Lieberman ganz kuschelig zu Hause zu fühlen.
Und wie heißt es doch immer so schön: 'Wo Ignoranten die Bühne betreten, beginnt ein Wettlauf der Dummheit'. Und manche der Tel Aviver Aktivisten scheinen dabei noch zusätzlich gedopt zu sein...
In meinem vorherigen Kommentar steht bereits die Antwort auf Ihren letzten.Danke dafür,daß Sie mich bestätigen.
Vielleicht darf ich Ihnen empfehlen einmal einige wenige hunder Euro in ein Flugticket nach Israel + Palästinensergebiete anzulegen und sich nach nur 3 1/2 Stunden Flugzeit vor Ort einen unmittelbaren Eindruck von "Rassismus","Apartheit " und dergl. hohlen Sprüche zu machen.Danach werden Sie dann mit Fug und Recht behaupten dürfen,zu wissen wovon Sie reden .Bon voyage !
@quer
Das überlasse ich kulant Ihren Propaganda Aktivitäten, obwohl ich Ihnen noch eher 'Phraseologie' anbieten würde.
Das Einzige, was Sie und Ihre Tel Aviver Entourage an 'Substanz' anerkennen, sind Waffensysteme. Nur, ohne eine politische Einbettung sind die gar nichts wert, wie schon Clausewitz wußte. Es geht um die Erkämpfung von Raum und Zeit, die auch nach Clausewitz politisch verwertet und abgesichert werden müssen.
Was Ihre IDF Freunde, aber bieten ist einzig nach dem vergangenen Krieg die Aussicht auf den nächsten Krieg- in einem degoutanten Feld der Apartheid...
Paging