Israel: Image-Kampagne Ein Volk von Botschaftern

Ob Gaza-Krieg oder der mutmaßliche Mossad-Mord: Das Ansehen Israels hat kräftig gelitten. Jetzt sollen Israelis auf Reisen Werbung für ihr Land machen - mit Argumenten der Regierung.

Von Peter Münch

Neulich war Juli Edelstein, der in Israel dem "Ministerium für Aufklärung und Diasporafragen" vorsteht, auf einer Dienstreise in London. Großbritannien ist derzeit nicht das beste Pflaster für israelische Politiker, auf manche warten Horden von Demonstranten, auf manche wartet sogar ein Haftbefehl. Edelstein aber kam wohlbehalten zurück und berichtete hinterher von seinen Gesprächen mit britischen Parlamentariern. "Ich habe ihnen erklärt, dass ich manchmal in der Freizeit meine Frau ausführe - und dass wir dann nicht losziehen und Palästinenser bekämpfen."

Wahrscheinlich hat ihm das auch niemand unterstellt, doch der Minister will mit dieser Zuspitzung zeigen, mit welchen negativen Stereotypen Israelis im Ausland empfangen werden. Tatsächlich hat das internationale Ansehen des Landes kräftig gelitten, erst war der Gaza-Krieg, nun gibt es die Affäre um den mutmaßlichen Mossad-Mord in Dubai.

Da hält es die Regierung offenbar für angezeigt, nun mit einer Image-Kampagne gegenzusteuern, und Minister Edelstein hat das gleich mit einem Doppelschlag ins Werk gesetzt: Zunächst hat er die Schuldigen an all den bösen Urteilen über Israel identifiziert - das sind die internationalen Medien. Und dann hat er die Helfer benannt, die das ändern sollen - das sind alle Israelis, die auf Auslandsreise gehen. Künftig sollen sie in der Fremde allesamt gut geschult als "Botschafter" ihres Landes auftreten.

Den Auftakt der Kampagne bilden satirische Fernsehspots, die zur besten Sendezeit den Israelis vorführen, wie tumbe ausländische Journalisten die Wahrheit verfälschen: Da läuft ein englischer Reporter durch die Wüste und berichtet seinen Landsleuten, dass das Kamel das Haupttransportmittel der Israelis sei und auch von der Kavallerie genutzt werde. Oder eine französische Korrespondentin schildert dem Publikum das Leben inmitten ständiger Explosionen, während im Hintergrund Bilder eines Feuerwerks laufen. Am Ende erklärt eine sonore Stimme: "Wenn du etwas dagegen tun willst, wie Israel in der Welt dargestellt wird, dann gehe auf die Webseite des Ministeriums für Aufklärung."

Solchermaßen aufgeklärt findet man dann unter www.masbirim.gov.il eine hebräische Seite mit dem Motto: "Zusammen werden wir das Bild verändern." Breit aufgefächert gibt es hier Handreichungen dafür, wie die Israelis ihr Land im Ausland positiv präsentieren und wie sie den "Pfeilen der Kritik" begegnen sollen. Die Vorurteile können dabei offenbar gar nicht dämlich genug sein, als dass das Ministerium nicht eine Antwort darauf vorformuliert hätte. Unter der Rubrik "Mythos und Wirklichkeit" zum Beispiel ist nachzulesen, warum es falsch ist, dass die Israelis nur Falafel oder Hummus essen und alle Frauen mit Kopftüchern herumlaufen.

Zugleich jedoch wird auf der Internetseite auch mit vermeintlichen politischen Mythen aufgeräumt. Warum die Siedler kein Hindernis für den Frieden sind, warum Israel keine Verpflichtung hat zum Rückzug auf die Grenzen von 1967, warum die Juden sowieso schon viel früher da waren als die Araber - all das wird ausführlich erklärt. Dies allerdings hat auch innerhalb Israels die Kritiker auf den Plan gerufen, weil diese Punkte allein die Ideologie der rechtsgerichteten Regierung widerspiegelten. Doch Minister Edelstein ficht das nicht an. Vielmehr ruft er diese Landsleute zur Ordnung. Sie sollten sich nicht auch noch an der "negativen Kampagne" gegen Israel beteiligen.