Israel Gaza-Flottille gestoppt

Israel hält an der Blockade des Gaza-Streifens fest und stoppt ein Schiff mit Hilfsgütern. Der Rest der Flotille muss abdrehen. Im Gegensatz zu einem ähnlichen Fall vor fünf Jahren verläuft diese Operation unblutig.

Von Peter Münch, Tel Aviv

Es war noch finsterste Nacht und Gazas Küste fern, als Israels Marine ein aussichtsloses Unterfangen beendete: Die Marianne, das mit Hilfsgütern beladene schwedische Flaggschiff der sogenannten Gaza-Flottille III, wurde in internationalen Gewässern aufgebracht und an der Weiterfahrt zum palästinensischen Küstenstreifen gehindert. Kurz und schmerzlos sei die Übernahme verlaufen, meldete die Armee. Die drei anderen Schiffe der Flottille drehten daraufhin ab. Ein Aufatmen war zu spüren, weil vor fast genau fünf Jahren bei einer ähnlichen Aktion neun türkische Aktivisten auf der Mavi Marmara von israelischen Soldaten getötet wurden. Doch die 2007 von Israel verhängte Gaza-Blockade wird die Palästina-Aktivisten weltweit auch künftig nicht ruhen lassen. "Wir werden wiederkommen", heißt es bei den Flottillen-Organisatoren.

Das jedoch ist wohl mindestens genauso als Durchhalteparole für die eigenen Reihen zu verstehen wie als Drohung gegenüber Israel. Denn mit vier Schiffen und insgesamt knapp 50 Menschen an Bord war diese dritte Flotte, die zum Bruch der Gaza-Blockade aufgebrochen war, wesentlich kleiner ausgefallen als ihre beiden Vorläufer. Für einige Aufmerksamkeit hatte jedoch wieder die Liste der Passagiere gesorgt: So befand sich an Bord der Marianne der frühere tunesische Interimspräsident Moncef Marzouki sowie der arabische Knesset-Abgeordnete Basel Ghattas, der in Israel wegen seiner Teilnahme an der Gaza-Aktion als "Verräter" und "Terrorhelfer" beschimpft wurde. Im Gegenzug hatte er in einem offenen Brief an Premierminister Benjamin Netanjahu gefordert, dass die israelischen Sicherheitskräfte die Flotte mit Hilfsgütern durchlassen sollten.

Daran allerdings wurde kein Gedanke verschwendet. Schon als die Schiffe noch in europäischen Häfen lagen, machte die Armee klar, dass die Blockade kompromisslos durchgesetzt werde. Nach vollbrachter Tat lobte Verteidigungsminister Mosche Jaalon am Montag seine Soldaten, und Regierungschef Netanjahu attackierte die Aktivisten. Die Flotte sei "nichts anders als eine Demonstration von Scheinheiligkeit und Lügen, die nur der Hamas helfen und die Gräueltaten in der Region ignorieren". Als Seitenhieb war schon vorab im Premier-Büro ein Brief an die Blockadebrecher verfasst worden, in dem ihnen vorgehalten wurde, auf dem Weg nach Gaza den Kurs verloren zu haben: "Vielleicht hattet ihr ja vor, woanders hin zu segeln - nach Syrien, wo Assads Regime jeden Tag sein eigenes Volk massakriert."

Auf ihrer Webseite werfen die Flottillen-Organisatoren Israel nun "Piraterie" vor. Die Marianne wird derweil zum Hafen von Aschdod gebracht, es ist das übliche Prozedere: Die ausländischen Aktivisten werden befragt, ausgewiesen und vermutlich mit einem langen Einreiseverbot belegt. Der israelische Abgeordnete Ghattas wird sich auf heftige Anwürfe im Parlament einstellen müssen. Doch für die 1,8 Millionen Menschen im Gazastreifen hat sich trotz dem auf hoher See inszenierten Schauspiel nichts verändert. Die Bewohner wissen längst, dass bis auf Weiteres kein Schiff kommen wird.