Nahost Fünf Tote bei Anschlägen in Tel Aviv und im Westjordanland

  • Zwei Israelis sterben bei einer Messerattacke durch einen Palästinenser in Tel Aviv.
  • Wenig später schießen Palästinenser im Westjordanland auf eine Gruppe und rammen sie mit dem Auto: Ein Israeli, ein US-Tourist und ein Palästinenser sterben.
  • Als ein Auslöser der Gewaltwelle gilt ein Streit um Besuchs- und Gebetsrechte auf dem Tempelberg in Jerusalem

Fünf Tote an einem Tag

Fünf Menschen sind bei Anschlägen von Palästinensern in Tel Aviv und im Westjordanland am Donnerstag getötet worden. In Tel Aviv erstach ein Angreifer in einem Bürogebäude zwei Israelis und verletzte einen weiteren mit einem Messer. Wenig später eröffneten Palästinenser südlich von Bethlehem das Feuer auf Israelis und rammten danach eine Gruppe mit ihrem Auto. Dabei kamen drei Menschen ums Leben: ein Israeli, ein US-Tourist und ein Palästinenser. Weitere Menschen wurden verletzt, alle Angreifer nach Polizeiangaben gefasst.

Die im Gazastreifen herrschende Hamas begrüßte den Anschlag in Tel Aviv als "heroisch". Israelische Medien berichteten, der Angreifer habe vor einem jüdischen Gebetsraum im Panorama-Gebäude im Süden der Stadt auf Menschen eingestochen. Nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur Maan stammte der Täter aus Hebron im Westjordanland. "Wir haben gerade angefangen zu beten, da kam ein blutüberströmter Mann in die Synagoge gelaufen und brach zusammen", erzählte ein Augenzeuge der Nachrichtenseite ynet. "Wir sahen einen Terroristen mit einem riesigen Messer, der in den Gebetsraum eindringen wollte, aber wir konnten gerade noch die Tür blockieren."

Streit um Besuchs- und Gebetsrechte

Als ein Auslöser der Gewaltwelle gilt ein Streit um Besuchs- und Gebetsrechte auf dem Tempelberg in Jerusalem, der Muslimen und Juden heilig ist. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon mahnte nach Angaben eines Sprechers: "Es ist nun unerlässlich, Ruhe wiederherzustellen." Ban rief alle politischen und geistlichen Anführer auf, sich von der Gewalt zu distanzieren.

Für Israel war es der blutigste Tag seit mehr als einem Monat. Seit Beginn der Welle palästinensischer Anschläge Anfang Oktober wurden nunmehr 16 Israelis, ein US-Bürger sowie ein Mann aus Eritrea getötet. Rund 90 Palästinenser kamen nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums ums Leben - die meisten von ihnen waren Angreifer, die von Sicherheitskräften oder Zivilisten erschossen wurden.

Kritik an Bauplänen im Nordosten Jerusalems

Baupläne Israels im Norden Ostjerusalems stießen unterdessen auf scharfe Kritik auch aus Deutschland. Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte den Verkauf von rund 450 Wohnungen in den jüdischen Vierteln Ramat Shlomo und Ramot (Ramot Alon) zu Beginn der Woche gebilligt. Die Palästinenser beanspruchen das 1967 von Israel eroberte Gebiet als Teil eines künftigen unabhängigen Staates. "Die Pläne der israelischen Regierung, den Siedlungsbau in Ramat Shlomo weiter voranzutreiben, laufen den Bemühungen für eine friedliche Lösung des Konflikts im Nahen Osten zuwider", erklärte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Donnerstag.