Israel Vom Rotlichtmilieu in die Knesset

Hier feiert Oren Hazan noch den Erfolg der Likud-Partei bei der Wahl Mitte März, nun könnte seine politische Karriere schon wieder beendet sein.

(Foto: dpa)
  • Der israelische Vize-Parlamentspräsidenten Oren Hazan wird offenbar von einer wilden Vergangenheit im Rotlichtmilieu eingeholt.
  • Eine TV-Dokumentation legt detailliert offen, dass der 33-jährige Likud-Abgeordnete in der bulgarischen Stadt Burgas als Kasino-Chef auch mit Prostituierten und harten Drogen zu tun hatte.
  • Hazan stritt zunächst alles vehement ab. Von seinem Posten als Vize-Parlamentspräsident wurde er mittlerweile suspendiert.
Von Peter Münch, Tel Aviv

Es muss wohl ein wildes Leben gewesen sein, damals in Burgas. Oren Hazan, der mit seinen 33 Jahren auch als Likud-Abgeordneter in der Knesset kein Kind von Traurigkeit ist, amtierte als Chef eines Kasinos in der bulgarischen Schwarzmeerstadt, die besonders gern von israelischen Touristen besucht wird. Doch in diesem Kasino soll es, so berichtet es nun der TV-Sender Channel 2, nicht nur um Glücksspiel gegangen sein, sondern auch um Sex und harte Drogen - und beides soll Hazan seinen Gästen vermittelt haben. Was für ein saftiger Skandal.

Schließlich ist Hazan nicht nur ein Hinterbänkler, sondern Stellvertretender Parlamentspräsident. Als solcher jedoch wurde er nun sofort suspendiert. Leicht gefallen ist dieser Schritt dem Regierungslager gewiss nicht, verfügt doch die rechte Koalition von Premierminister Benjamin Netanjahu nur über eine Stimme Mehrheit. Aber Parlamentssprecher Yuli Edelstein sah offenbar keinen anderen Ausweg angesichts der drastischen und gut dokumentierten Vorwürfe.

Da lässt es einer krachen

Hazan allerdings ist ein Mann für die Offensive, und so hat er erst einmal alles abgestritten und dem Fernsehsender eine Verleumdungsklage angekündigt. Die ganze Story entspringe allein der "sexuellen Fantasie der Reporter". Er präsentiert sich als Opfer einer Intrige von Leuten, die "den Wahlsieg des Likud nicht akzeptieren können". Zu allem Überfluss soll er nach übereinstimmenden Berichten in israelischen Medien auch noch seinem Parteifreund Edelstein damit gedroht haben, ein paar Skandalgeschichten über ihn auszugraben und an die Presse zu geben.

Da lässt es einer krachen - und kann doch nicht den Lärm übertönen, den der TV-Bericht über seine vermeintliche Vergangenheit als Zuhälter und Drogenbaron in Burgas ausgelöst hat. Belastet wird er dabei zum Beispiel von einem früheren Angestellten, der berichtet, wie Hazan ihn beauftragt habe, für seine Kasino-Kunden ein paar Frauen zu holen - "schöne Mädchen mit großen Brüsten".

Interviewt wird auch die Chefin eines einschlägigen Etablissements namens "Rote Rosen" in Burgas, die Hazan als "Big Boss" bezeichnet und sich sichtlich amüsiert, als sie erfährt, dass er nun in die Politik gewechselt ist. Obendrein kommt noch ein israelischer Tourist zu Wort, der mit Hazan Cannabis und Crystal Meth konsumiert haben will, das dieser zuvor auf der Straße besorgt habe.

Mit Anlehnung an den Paten

Diese Vorwürfe könnten das schnelle Ende einer kurzen, aber bereits schillernden Politik-Karriere bedeuten. Hazan hatte sich erst bei der jüngsten Wahl in die Knesset gekämpft und im Vorfeld Aufsehen erregt mit einem frechen Video, das ihn mit seinem Vater zeigte, der in der Rolle des Mafiabosses Vito Corleone aus dem Paten auftrat. Yehiel Hazan war nämlich auch schon mal Abgeordneter im Parlament, allerdings nur kurz. Ihm wurde zum Verhängnis, dass er erwischt wurde, als er bei einer Abstimmung gleich zwei Voten abgab und dann versuchte, die Beweise dafür zu vernichten. Im Wahlvideo nun forderte der Vater den Sohn auf, seinen Fehler nicht zu wiederholen und den Ruf der Familie wiederherzustellen.

Hazan Junior zog im Frühjahr auf dem 30. und damit letzten Likud-Listenplatz ins Parlament ein und stieg dort gleich steil auf. Den Ruf der Familie allerdings hat er nicht unbedingt verbessert, eher gefestigt. Die Opposition sowie anonym bleibende Kollegen aus dem eigenen Lager haben sich nun schnell auf ihn eingeschossen und fordern neben einer Aufhebung der Immunität auch seinen Rückzug aus der Knesset.

Vom Rotlicht ins Scheinwerferlicht

Netanjahu hat bislang auch auf Nachfrage eisern geschwiegen zu der Affäre. Immerhin muss er bis auf Weiteres nicht befürchten, dass ihm die Mehrheit verloren geht. Denn Oppositionsführer Issac Herzog ließ sich trotz heftiger Kritik aus den eigenen Reihen auf den Handel ein, dass er eine Abwesenheit Hazans nicht ausnutzen werde bei Abstimmungen. Er begründet dies damit, dass "das Lager sauber bleiben", also die Möglichkeit geschaffen werden müsse, diese unappetitliche Geschichte aufzuklären.

Die Öffentlichkeit diskutiert derweil darüber, wie kurz offenbar der Weg vom Rotlicht in Burgas zum Scheinwerferlicht in der Knesset ist.