Islamistischer Terror in Westafrika Offensive gegen Boko Haram

Chadian soldiers gather on February 1, 2015 near the Nigerian town of Gamboru, just accros the border from Cameroon. In a deserted Gamboru, Chadian forces carried out clean-up operations after entering the town and retaking it from Boko Haram, which seized control months ago. AFP PHOTO / MARLE

(Foto: AFP)
  • Im Grenzgebiet zwischen den westafrikanischen Ländern Nigeria, Kamerun, Niger und Tschad finden Kämpfe zwischen alliierten Regierungstruppen und der islamistischen Terrormiliz Boko Haram statt.
  • Erstmals bekämpft die Armee des Tschad Boko Haram auf nigerianischem Territorium. Sie soll die strategisch wichtige Grenzstadt Gamboru von der Terrormiliz befreit haben.
  • 200 Boko Haram-Kämpfer sollen bei den jüngsten Kämpfen getötet worden sein.
  • Kurz vor den Präsidentschaftswahlen am 14. Februar hofft Nigerias Präsident Goodluck Jonathan auf Erfolge im Kampf gegen die Terroristen. Bei einer Wahlkampfveranstaltung kam es zu einem Selbstmordattentat wenige Minuten nachdem Jonathan den Ort verlassen hatte.

Tschads Armee kämpft gegen Boko Haram in Nigeria und Kamerun

Im Grenzgebiet zwischen den westafrikanischen Ländern Nigeria und Kamerun finden derzeit heftige Kämpfe zwischen verschiedenen Regierungstruppen und Kämpfern der islamistischen Terrormiliz Boko Haram statt. Erstmals soll dabei die Armee des Tschad auf das Gebiet Nigerias vorgedrungen sein. Nach tagelangen Luftangriffen auf Stellungen der islamistischen Rebellen in der Grenzstadt Gamboru überquerten nach Militärangaben am Dienstag etwa 2000 tschadische Soldaten von der kamerunischen Stadt Fotokol aus die Brücke über den Grenzfluss nach Nigeria.

Die Straße zwischen Fotokol und Gamboru gilt als wichtige Nachschublinie der Terrorgruppe. Die nigerianische Armee, der Ineffizienz im Kampf gegen Boko Haram vorgeworfen wird, hatte bereits am Montag die Rückeroberung der Stadt verkündet. Die Luftangriffe der tschadischen Armee dauerten jedoch bis zum Dienstagvormittag. Nach deren Einmarsch in Gamboru war kein Geschützfeuer mehr zu hören. Bei den Kämpfen sollen nach Angaben des tschadischen Militärs etwa 200 Boko-Haram-Kämpfer getötet worden sein.

Boko-Haram-Terror greift auf Nachbarländer über

Die Extremistengruppe kämpft mit Gewalt für einen islamischen Staat im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Seit 2009 tötete sie bei Angriffen auf Polizei, Armee, Kirchen und Schulen rund 13.000 Menschen.

Boko Haram hat in den vergangenen Monaten im Nordosten Nigerias mehrere Grenzstädte besetzt, was auch die Nachbarstaaten in Unruhe versetzt hat. Auf dem Gipfel der Afrikanischen Union (AU) wurde am Wochenende deshalb die Einrichtung einer 7500 Mann starken Eingreiftruppe beschlossen.

Französische Militärflugzeuge unterstützen die Offensive

Aus französischen Armeekreisen verlautete, Frankreich unterstütze die kamerunischen und tschadischen Truppen durch Aufklärungsflüge. Die Informationen würden direkt an die am Kampf gegen Boko Haram beteiligten Länder geliefert.

An der Grenze zwischen Niger und Nigeria seien etwa 400 Militärfahrzeuge und Panzer gegenüber den nigerianischen Ortschaften Mamori und Bosso in Stellung gegangen, berichtete der Radiosender Anfani. Sie seien nur durch den Fluss Komadougou Yobé von Nigeria getrennt. Die Region im Nordosten Nigerias ist eine der Hochburgen von Boko Haram.

Nigerianischer Präsident hofft auf Erfolge für Präsidentschaftswahlkampf

Die jüngste Offensive erfolgt kurz vor der Präsidentenwahl in Nigeria am 14. Februar, bei der Staatschef Goodluck Jonathan auf eine Wiederwahl hofft. Bei einer Wahlkampfveranstaltung am Montag im Stadion von Gombe hatten sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt, nur wenige Minuten nachdem Jonathan das Stadion verlassen hatte. Bisher bekannte sich niemand zu dem Anschlag, doch fiel der Verdacht auf Boko Haram.