Islamismus in Deutschland Salafist mit Stellenzusage für die Polizei

Korray D. hatte alle Einstellungstests für den Polizeidienst in NRW mit Erfolg absolviert und bereits eine Stelle in der Tasche. Dann wurden ihm zwei Dinge zum Verhängnis: sein Bekanntenkreis und seine Vorliebe für Waffen.

Von Hans Leyendecker

Einer der vier militanten Salafisten, die angeblich eine Anschlagsserie auf Mitglieder der rechtspopulistischen Partei Pro NRW geplant haben sollen, hatte sich 2011 erfolgreich für den Polizeidienst in Bremen beworben. Nach Überprüfungen seiner Person wurde dem 24 Jahre alten Koray D. die bereits erteilte vorläufige Einstellungszusage wieder entzogen. Er hatte fälschlicherweise einen Antrag auf Waffenerlaubnis mit dem künftigen Arbeitsplatz bei der Polizei begründet.

Das Auswahlverfahren in Bremen war nicht einfach gewesen. 2700 Bewerber hatten sich für 120 Stellen beworben. Erfolgreich hatte Koray D. einen Rechtschreibetest, einen Intelligenzstrukturtest und Eignungsgespräche absolviert. Eine Tauglichkeitsuntersuchung ergab, dass er den Anforderungen des Polizeidienstes gewachsen sei. Ebenso wie alle anderen Bewerber hatte er sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekannt.

Am 1. Oktober 2011 sollte er seinen Dienst beginnen und dann am 17. November im alten Bremer Rathaussaal gemeinsam mit den anderen Polizeianwärtern vereidigt werden. Bei der routinemäßigen Überprüfung seiner Personalien stellte sich heraus, dass Koray D. seit einem Jahr Mitglied des Schießsportvereins "Snipers-Essen e.V." war, und dass er eine eigene Waffe mit einer seltsamen Begründung beantragt hatte. Er fange bald bei der Bremer Polizei an, soll er dem Vorsitzenden des Vereins gesagt haben und brauche deshalb rasch ein eigenes Schießgerät. "Er hatte die perfekte Tarnung", sagte der Vorsitzende des Vereins einem WAZ-Reporter.

Bekannte aus dem islamistischen Milieu

Aber selbst im armen Bremen, wie auch sonst in der Republik, stattet der Staat die Polizei selbst mit Waffen aus. Der Hinweis auf den seltsamen Antrag des Koray D. kam vom Essener Ordnungsamt, und die Bremer waren alarmiert. Parallel dazu gab es Hinweise, dass Koray D. Personen aus dem islamistischen Milieu kannte. Beides reichte der Bremer Polizei, um ihm mitzuteilen, dass er nicht eingestellt werde.

Koray D. gilt in der Szene als ordentlich, sogar als penibel und als Waffenfreak. Als die Polizei vorige Woche eine Wohnung im Bonner Stadtteil Tannenbusch stürmte, soll in der Hose von D. eine Ceska gesteckt haben. Er kam in Untersuchungshaft. Für die am Dienstag in Sicherheitskreisen kolportierte Spekulation, dass er in den Polizeidienst wollte, um das Geschäft der Salafisten zu betreiben, gibt es keine Belege.

Im Ruhrgebiet wurde im vergangenen Jahr ein echter Polizeikommissar vom Dienst suspendiert, weil ihn seine Vorgesetzten im Verdacht hatten, salafistische Propaganda zu betreiben. Der türkischstämmige Polizeibeamte hatte Informationsstände angemeldet, an denen auch Salafisten Ausgaben des Koran verschenkten.