Islamischer Staat Londoner erkennt Enkel in einem IS-Video

  • Am Wochenende veröffentlichte die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ein Video, das die Hinrichtung von fünf Männern zeigt.
  • Darin taucht auch ein kleiner Junge auf, der den "Ungläubigen" droht. Ein Mann aus London will ihn als seinen Enkel erkannt haben.
  • Die Tochter des Mannes soll einen IS-Kämpfer in Syrien geheiratet haben und dort nun mit dem Sohn leben.
Von Jan Schmidbauer

"Wir werden alle Ungläubigen da drüben töten." Ein vierjähriger Junge ruft diese Botschaft des Terrors in die Kamera und zeigt dabei in die Ferne. Er trägt einen Camouflage-Overall und eine schwarze Kopfbedeckung. Der Junge befindet sich auf dem Territorium, das die Terroristen des Islamischen Staats (IS) beherrschen.

Viele tausend Kilometer entfernt, im Südosten von London, wohnt Henry Dare. Er will den Jungen, der in einem Propagandavideo des IS auftaucht, erkannt haben. "Es ist mein Enkel", sagte er dem britischen Sender Channel4. Es sei mehr als zwei Jahre her, dass er ihn zuletzt gesehen hat.

In dem elfminütigen Propaganda-Video des IS wird die Hinrichtung von fünf Männern gezeigt, die die Terrormiliz beschuldigt, für Großbritannien in ihrem "Kalifat" spioniert zu haben. Am Ende des Videos ist der kleine Junge zu sehen, der mit hoher Stimme und britischem Akzent den "Ungläubigen" droht.

Bislang gibt es keine offizielle Bestätigung, dass es sich bei dem Jungen in dem Video wirklich um den Enkel des Mannes aus London handelt. In dem Fernsehinterview mit Channel4 spricht er über den Jungen, der Isa heißen soll. "Sie nutzen ihn doch nur als ein Schutzschild", sagt der Großvater. Isa sei doch bloß ein kleiner Junge, der von nichts weiß. Der Junge soll bei seiner Tochter Khadijah leben. Sie konvertierte mit 18 Jahren zum Islam.

Die Mutter des Jungen soll schon seit drei Jahren in Syrien leben. Der Guardian berichtet, dass sie dort einen schwedischen IS-Kämpfer namens Abu-Bakr geheiratet haben soll. "Ich betete zu Allah und er führte mich hierher, um Abu Bakr zu heiraten", sagt die Frau in einem von mehreren Propaganda-Videos, in dem sie über ihre Ehe mit dem IS-Kämpfer spricht, der nicht mehr am Leben sein soll.

Die Mutter war früher Christin

Khadijah Dare wuchs im Londoner Stadtteil Lewisham auf. Ihre Eltern sind nigerianische Christen, die 1987 nach Großbritannien einwanderten. Auch seine Tochter Khadijah sei eine gläubige Christin gewesen, sagt Henry Dare. "Doch plötzlich entschied sie sich, Muslimin zu sein." Laut britischen Behörden gibt es landesweit mehr als 30 Gerichtsbeschlüsse, weil Kinder bei Familienteilen leben, die sich offenbar radikalisiert haben.

Henry Dare sagte Channel4, dass er nun schon seit mehreren Wochen nicht mehr mit dem Enkel und auch nicht mit seiner Tochter telefoniert hat. Er ignoriert ihre Anrufe. "Sie hat Schande über meine Familie gebracht", sagt er. "Und über sich selbst."